09.02.2016 | Top-Thema Arbeitszimmer: Steuerabzug auch bei privater Nutzung?

Berufliche bzw. betriebliche Nutzung ‒ steuerlich abziehbare Aufwendungen für ein Arbeitszimmer

Kapitel
Nur bei einer mind. 90 %igen betrieblichen Nutzung des Raumes, können Aufwendungen für ein häusliches Areitszimmer als Betriebsausgaben abgezogen werden.
Bild: Corbis

Kapitel 2 bietet Hintergrundinformationen zu den Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit die Kosten als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich abgezogen werden dürfen und gibt einen Rechtsprechungsüberblick über die wichtigsten BFH-Urteile, die hierbei beachtet werden müssen.

Berufliche bzw. betriebliche Raumnutzung

Die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können nur dann als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn der Raum ausschließlich oder fast ausschließlich (mindestens zu 90 %) betrieblich genutzt wird. Ob das häusliche Arbeitszimmer tatsächlich nahezu ausschließlich beruflich oder betrieblich als Büro-, Praxis- oder Geschäftsraum genutzt wird, ist u .a. von der Lage des Arbeitszimmers abhängig.

Erst wenn das Arbeitszimmer steuerlich anerkannt ist, stellt sich die Frage, ob ein Abzug der Aufwendungen gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG möglich ist. Das häusliche Arbeitszimmer muss, um steuerlich anerkannt zu werden, vom privaten Wohnbereich räumlich getrennt sein. An dieser Trennung fehlt es, wenn das Arbeitszimmer

  • zum Wohnraum hin offen ist oder
  • es sich um ein Durchgangszimmer zu anderen Wohnräumen handelt (der Durchgang zum Schlafzimmer ist unschädlich).

Zu der Frage, ob aufgrund der Lage in der Wohnung bzw. im Haus ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich anzuerkennen ist, sind folgende Urteile ergangen:

Umfang der abziehbaren Aufwendungen

Aufwendungen für betrieblich genutzte Räume sind in der Regel uneingeschränkt als Betriebsausgaben abziehbar. Dieser Grundsatz gilt allerdings nicht für ein häusliches Arbeitszimmer. Hier gibt es Abzugsbeschränkungen. Nach § 4 Abs. 5 Nr. 6 b EStG können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer wie folgt abgezogen werden:

  • 100 % der Aufwendungen, wenn das häusliche Arbeitszimmer Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten ist.
  • Aufwendungen bis zu 1.250 EUR im Jahr, wenn und soweit für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung steht.
  • In allen anderen Fällen können die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht abgezogen werden.

Ergebnis: Voraussetzungen für einen 100 %igen Abzug

Aufwendungen für Räume, auf die der Unternehmer oder Freiberufler aus betrieblichen Gründen angewiesen ist, kann er nur dann zu 100% als Betriebsausgaben abziehen, wenn

  • der Unternehmer oder Freiberufler Räume außerhalb ihrer Wohnung nutzen, sodass es sich also um ein außerhäusliches Arbeitszimmer handelt,
  • das häusliche Büro den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit bildet,
  • die Räume zu anderen als büromäßigen Zwecken genutzt werden oder
  • die häusliche Sphäre durch die Beschäftigung von Arbeitnehmern aufgehoben oder überlagert wird.

Erst wenn keine dieser Möglichkeiten infrage kommt, ist zu prüfen, ob dem Unternehmer bzw. Freiberufler für seine Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung steht. Es können dann zumindest 1.250 EUR im Jahr abgezogen werden.

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Schlagworte zum Thema:  Häusliches Arbeitszimmer, Betriebsausgaben, Werbungskosten, BFH-Urteile, Betriebsausgabenabzug, Privatnutzung, Steuerabzug, Arbeitszimmer, Außerhäusliches Arbeitszimmer

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