24.09.2013 | Serie Wirtschaftsprüfer und Abschlussprüfung

Was von den EU-Plänen einer Abschlussprüferreform möglicherweise übrig bleiben wird

Serienelemente
Bild: Haufe Online Redaktion

Der 2. Teil der Abschlussprüfer-Serie liefert einen aktuellen Zwischenstand der EU-Bemühungen um eine Reform bei den Abschlussprüfern. Von den ursprünglich sehr ambitionierten Plänen ist bisher nichts realisiert und der Gesetzgebungsprozess geht nur im Schneckentempo voran.

Als EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am 30.11.2011 seine revolutionären Ideen zur Umgestaltung des Abschlussprüfermarkts präsentierte, schwappte ihm eine Empörungswelle entgegen. Dabei will er mit seinen Vorschlägen die Prüfungsqualität steigern, die Unabhängigkeit der Prüfer stärken und das Oligopol der vier marktbeherrschenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WPG) aufbrechen. Widerstand kommt hierbei nicht nur von den betroffenen Gesellschaften sondern auch vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW).

Reformvorschläge betreffen nur Prüfungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse

Dessen Sprecher des Vorstands, Prof. Dr. Klaus-Peter Naumann, fordert: „In der Sache richtige Ansätze für die Weiterentwicklung der Abschlussprüfung dürfen nicht auf die Prüfung von Unternehmen des Kapitalmarkts und Finanzsektors beschränkt sein.“ Zudem meint er, dass einige Vorschläge wie die obligatorische externe Rotation die Dominanz der Big 4 sogar verstärken würden.

Ursprünglich forderte Barnier unter anderem:

  • eine obligatorische externe Rotation von Prüfungsgesellschaften nach maximal 6 Jahren bzw. erst nach 9 Jahren bei Joint Audits, der gleichzeitigen Prüfung durch zwei WPG

  • obligatorische, transparente Ausschreibungen von Prüfungen

  • Verschärfung der Anforderungen im Prüfungsausschuss

  • ein Verbot, prüfungsfremde Leistungen bei einem zu prüfenden Mandanten zu erbringen (Trennung von Prüfung und Beratung)

  • reine Prüfungsgesellschaften im Bereich der Abschlussprüfung von kapitalmarktorientierten Unternehmen

  • Anwendung internationaler Prüfungsstandards (ISA)

  • eine europäische Aufsicht für Abschlussprüfer

  • ein EU-Pass für WPG, damit diese ihre Leistungen in der gesamten EU anbieten können und

  • weniger Bürokratie für kleinere WPG. 

Zwei Regelwerke werden derzeit auf EU-Ebene verhandelt

Einige Vorschläge sind Bestandteile eines Entwurfs einer EU-Verordnung, die bei Realisierung unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten rechtswirksam wären. Die letztgenannten stehen hingegen in der Änderungsrichtlinie zur Abschlussprüfer-Richtlinie 2006, die dann von allen Staaten noch national umzusetzen wäre. Es gibt also zwei Regelwerke, die in den politischen Gremien derzeit verhandelt werden.

Nach intensiver Lobbyarbeit und zähem Ringen im Europäischen Parlament haben sich die beiden Ausschüsse JURI (Rechtsausschuss) und ECON (Wirtschaftsausschuss) positioniert. Von den Forderungen Barniers ist hierbei nicht mehr viel übrig geblieben. So erscheint die verpflichtende externe Rotation nach spätestens 25 Jahren der kleinste gemeinsame Nenner zu sein, auf den sich die politischen Gremien einigen könnten.

Zudem gibt es Zustimmung zu einer europäischen Verbotsliste, die bestimmte Beratungsleistungen auflistet. Fraglich ist, welche Nicht-Prüfungsleistungen aufgeführt werden. Die im ersten Halbjahr 2013 federführende irische Ratspräsidentschaft verfolgte ein restriktives Beratungsverbot, was beispielsweise die gleichzeitige Prüfung und Steuerberatung beim selben Mandanten ausschließen würde. Dies stieß allerdings auf Ablehnung.

Möglicherweise wird eine Mehrjahresbestellung des Prüfers erlaubt und mit dem European Board of Auditor Oversight Bodies eine eigenständige europäische Prüferaufsicht geschaffen.

Das Zeitfenster für die Reform schließt sich bald

Nun hat Litauen die Ratspräsidentschaft übernommen. Und derzeit ist mehr denn je unsicher, ob es überhaupt  zu einer Reform kommen wird. Denn immer noch nicht haben die Trialog-Verhandlungen zwischen den drei im EU-Gesetzgebungsprozess involvierten Institutionen - dem Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission und dem Europäischen Ministerrat - begonnen. Nur wenn sich alle drei Seiten einig sind, kann das mittlerweile Jahre währende Verfahren abgeschlossen werden.

Erschwerend hinzukommt, dass im Mai 2014 Wahlen zum Europäischen Parlament stattfinden werden. Infolgedessen wird dann auch eine neue Europäische Kommission berufen. Erfahrungsgemäß finden Monate vor und nach den Wahlen keine Gesetzgebungsvorgänge statt. Das verbleibende Zeitfenster für die Reform wird sich dadurch bald schließen.

Gegenwind für den Vorschlag einer obligatorischen externen Rotation

Die insbesondere bei vielen größeren WPG ungeliebte Reform könnte so auf den Sankt Nimmerleinstag vertagt werden oder eventuell sogar komplett entfallen. So manche WPG setzt mittlerweile darauf, dass sich vorerst gar nichts ändern wird.

Tatsächlich handelt die Politik nicht selten erst unter enormen Zeitdruck. In sehr umstrittenen Fragen reifen Entscheidungen erst dann – kuriose Kompromisse sind nicht ausgeschlossen. Was dann hierbei rauskommt, wissen wahrscheinlich selbst die Entscheider noch nicht.

In den USA ist hingegen bereits eine Entscheidung gefallen: Das Repräsentantenhaus hat am 8.7.2013 einen Gesetzentwurf verabschiedet. Dieser verbietet der US-Prüferaufsicht PCAOB, die verpflichtende externe Rotation von Abschlussprüfern für bei der Wertpapierbörse SEC gelistete Firmen einzuführen. Auch die britische Wettbewerbsaufsicht lehnt dieses Instrument in einem vorläufigen Maßnahmenbericht, den sie im Rahmen einer Untersuchung des britischen Wirtschaftsprüfermarkts erstellt hat, ab.

Auftraggeber von Abschlussprüfungen stehen Vorschlägen kritisch gegenüber

Auch viele Mandanten sehen diese Maßnahme eher kritisch und befürchten hierdurch einen Erfahrungsverlust bei der Prüfung und höhere Kosten für die Unternehmen. Der Marktforscher Lünendonk hat Auftraggeber von Abschlussprüfungen zu Barniers Reformvorschlägen befragt. Auch hier wird der vorgeschriebene Wechsel der Prüfungsgesellschaft nach einer relativ kurzen Zeit wie die vorgeschlagenen 6 Jahre skeptisch gesehen, positiver hingegen nach 14 Jahren. Überhaupt zeigen sich die 46 interviewten Vorstände, Geschäftsführer, Aufsichts- und Beiräte sowie Leiter Finanzen und Controlling überwiegend davon überzeugt, dass keiner der „EU-Grünbuch-Vorschläge signifikante Auswirkungen auf eine zukünftige Vermeidung von Banken- oder Bilanzskandalen“ habe, so Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk.

Anmerken muss man jedoch, dass die Befragung auf Vorschläge abzielte, die mittlerweile als weitgehend unrealisierbar anzusehen sind und höchstwahrscheinlich eine deutlich abgemilderte Reform zu erwarten ist. Die ursprünglich sehr ambitionierte, vielleicht zu gewagte Reform, wird wahrscheinlich zu einem Reförmchen mutieren.

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