Vorführwagen: Die richtige bilanzielle Zuordnung und steuerliche Besonderheiten

Zusammenfassung

 

Überblick

Die Trennung zwischen Anlage- und Umlaufvermögen bei Vorführwagen ist in der täglichen Buchhaltungspraxis nicht ganz unkompliziert. Der Beitrag vermittelt einen grundsätzlichen Überblick über die praktische Handhabung.

Hinweis für die Automobilbranche: Es gibt den Branchenkontenrahmen SKR 51 seit nunmehr einigen Jahren. Deshalb sind für die folgenden Beispiele die Konten des SKR 51 ausgewählt.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Zum Gewinn § 5 EStG; zum Inhalt der Bilanz § 247 HGB; BFH, Urteil v. 17.11.1981, VIII R 86/78, BStBl 1982 S. 344; R 127 LStR § 1 UStG; UStR Abschn. 12.

1 Anlage- und Umlaufvermögen: Die richtige Zuordnung ist entscheidend

Vorführwagen gehören im Autohaus, genau wie Neuwagen und Gebrauchtwagen, zum Umlaufvermögen, also zu den "Waren", die zum Weiterverkauf bestimmt sind. Das bedeutet, dass diese Fahrzeuge, wie alle anderen Fahrzeuggruppen auch, beim Einkauf auf ein Warenbestandskonto eingebucht werden. Darüber hinaus werden im Autohaus für alle eingekauften Fahrzeuge sog. Fahrzeugakten geführt. Dies geschieht in aller Regel bei nahezu allen gängigen EDV-Programmen über die Erfassung in einem Fahrzeugstammsatz. Dieser Fahrzeugstammsatz enthält alle Daten, die für den Verkauf dieses Fahrzeugs wichtig sind, und außerdem die Rechnungsdaten, die für das betriebliche Rechnungswesen gebraucht werden.

Nach dem Urteil des BFH[1] gehören aber die Vorführwagen zum Anlagevermögen. Diese Auffassung widerspricht prinzipiell der Handhabung der Vorführwagen im Autohaus, denn diese sind meist auch nur kurze Zeit im Besitz des Händlers und sollen natürlich auch möglichst schnell weiterverkauft werden. Außerdem ist die Zulassung eines Vorführwagens für den Händler ja keine Investition im eigentlichen Sinne, sondern er lässt dieses Fahrzeug zu, damit er es bewegen und dem Kunden, wie der Name schon sagt, vorführen kann.

Ungeachtet dieser Tatsache, müssen in der Bilanz diese Fahrzeuge insAnlagevermögen übernommen werdens und entsprechend mit einer Nutzungsdauer von 6 Jahren abgeschrieben werden

1.1 So wird der Vorführwagen im Tagesgeschäft behandelt

Die gesetzliche Verpflichtung, die Vorführwagen in der Bilanz im Anlagevermögen auszuweisen und demzufolge entsprechend zu behandeln, erfordert nicht, diese Fahrzeuge während des Geschäftsjahres ebenfalls anders zu behandeln als andere Fahrzeuge. Dies bedeutet, dass in der Praxis zunächst jedes vom Hersteller oder vom Importeur gelieferte Neufahrzeug eben als solches behandelt wird und dementsprechend auf ein Warenbestandskonto "Neuwagen" eingebucht wird. Erst aufgrund der Zulassung auf den Händler wird dann aus einem Neuwagen ein Vorführwagen. Moderne DMS Systeme erzeugen dabei aber schon eine Umbuchung vom Neuwagenbestandskonto in der Kontenklasse 3 auf ein Anlagekonto in der Kontenklasse 0.

1.2 Jeder Vorführwagen sollte speziell für die Verkaufsabteilung erfasst werden

Wenn ein Neufahrzeug als Vorführwagen zugelassen ist, sollte dies EDV-technisch im Fahrzeugstammsatz erfasst werden. Diese Erfassung ist deshalb wichtig, um am Bildschirm sofort zu erkennen, wann das Fahrzeug zugelassen wurde. Dies ist allein für den Fahrzeugvertrieb wichtig. Das EDV-Programm sollte es ermöglichen, aufgrund dieser gepflegten Zulassungsdaten alle Vorführwagen separat aufzulisten.

1.3 Diese Besonderheiten sind für das Rechnungswesen zu beachten

Die Zulassung eines Vorführwagens ist noch kein buchungspflichtiger Vorgang. Man kann diese Fahrzeuge, wenn das EDV-Programm keine separate Auswertung ermöglicht, auch vom Neuwagenbestandskonto auf ein Vorführwagenbestandskonto umbuchen. Da aber die Vorführwagen in der Bilanz im Anlagevermögen stehen, müsste also ein 2. Vorführwagenkonto in der Kontenklasse 3 angelegt werden. Ob dies sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden.

Viele neue DMS (Dealer Management Systeme) arbeiten hier jedoch sehr praxisnah und erzeugen im Regelfall auch schon die richtigen Buchungssätze, die dann über eine Schnittstelle zusammen mit allen täglichen Geschäftsvorfällen in die Finanzbuchhaltung übertragen werden. So wird im o. g. Beispiel bei der Zulassung eines Neuwagens als Vorführwagen, eine entsprechende Umbuchung, im Soll Konto0321 (Vorführwagen im Anlagevermögen) an Haben Konto 3000 (Neuwagenbestand), erzeugt. Diese Konten bietet der Branchenkontenrahmen SKR 51 an..

Auch der nächste Schritt, nämlich der Verkauf des Vorführwagens, wird vom DMS System absolut korrekt abgebildet und der entsprechende Buchungssatz wiederum erzeugt und über die Schnittstelle in die Finanzbuchhaltung übertragen. Man geht beim Verkauf eines Vorführwagens immer davon aus, dass dieses Fahrzeug auch gefahren wurde und somit automatisch zu einem "Gebrauchtwagen" wird. Auch wenn es dafür dann ein separates Bestandskonto in der Kontenklasse 3 gibt (3010 Vorführwagen), wird dieser Bereich bei den Gebrauchtwagen ausgewertet. Der Vorteil ist, dass man immer die verkauften Vorführwagen einzeln erkennt und entsprechend analysieren kann.

So erfolgt beim Verkauf eines Vorführwagens zunä...

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