Kapitel 7: Eigenkapital / aa2) Offene Einlagen
 

Tz. 219

Bei einer als anteilsbasierte Vergütung abzubildenden offenen Einlage – unter Ausklammerung gesellschaftsrechtlicher Restriktionen (bspw. § 27 Abs. 2 AktG) – empfängt die Gesellschaft von einem Gesellschafter Güter der Dienstleistungen und gewährt im Gegenzug statt Zahlungsmitteln oder anderweitiger Vermögenswerte Gesellschaftsrechte. Aus der Perspektive der (empfangenden) Gesellschaft stellt die Zuwendung von Vermögensvorteilen – Aktivierungsfähigkeit vorausgesetzt – einen Anschaffungsvorgang dar, der GuV-neutral zu erfassen ist. Dabei ist in Bezug auf die Zugangsbewertung ein Tausch – Einlagengegenstand gegen Anteile – anzunehmen. Im Zuge dessen determiniert – entgegen der allgemeinen Bewertungsvorgaben – der Zugangswert des empfangenen Vermögens den Wert der hingegebenen Gegenleistung (IFRS 2.10). Es mangelt an Anschaffungskosten, da die Gewährung der Gesellschaftsrechte keinen Abfluss von Ressourcen zur Folge hat (IFRS 2.BC42). Daher ist im Zugangszeitpunkt, sofern keine Mitarbeiterleistung vergütet wird (IFRS 2.11), der Wert der empfangenen Leistung als maßgeblicher Bewertungsmaßstab anzusehen. Besteht keine Ansatzfähigkeit für den bei einer offenen Einlage zugewendeten Vermögensvorteil, fallen Zugang sowie Verbrauch in zeitlicher Hinsicht zusammen. Das Erfordernis nach einer GuV-wirksamen (Soll-)Buchung besteht insofern nicht. Ist der Einlagegegenstand ein Business- oder ein Finanzinstrument, kommt es zu Besonderheiten bei der Bewertung. Abweichend von den spezifischen Vorgaben für offene Einlagen gelten die generellen Regelungen für den Tausch, d. h. dass der Wert der hingegeben Leistung die Zugangsbewertung des empfangenen Vermögens determiniert.[425]

 

Tz. 220

Die Bewertung der zugegangenen Anteile richtet sich im (Einzel-)Abschluss des die Einlage leistenden Gesellschafters nach dem Grad der Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Geschäftstätigkeit der die Anteile gewährenden Gesellschaft. Bei einfachen Anteilen, mit denen keinerlei Einflussnahme auf die Geschäftstätigkeit einhergeht, ist die Bewertung entsprechend den Vorgaben für Finanzinstrumente nominell zum beizulegenden Zeitwert vorzunehmen (IAS 39.43 bzw. IFRS 9.5.1.1). Ist mit den Anteilen hingegen die Möglichkeit zur Einflussnahme verbunden, ist wahlweise eine Bewertung zu Anschaffungskosten oder als Finanzinstrument (IAS 27.10) gestattet.[426]

[425] Freiberg, PiR 2014, 221 (221 f.).
[426] Freiberg, PiR 2014, 221 (222).

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