Kapitel 5: Bilanzansatz (Bi... / a) Überblick
 

Tz. 356

Die Vorschrift des § 247 Abs. 1 HGB regelt für die Bilanz aller Kaufleute eine hinreichende Aufgliederung der Aktiva und Passiva. Eine entsprechende Vorschrift fehlt für die GuV. Der Rechtsausschuss des Bundestags hat mit § 247 Abs. 1 HGB keine Gliederungsvorschrift ver­bunden.[311] Er regelt aber nach zutreffender Ansicht eine Ausprä­gung des Gebots der Klarheit und Über­sichtlichkeit und gibt eine folgerichtige Minimalgliederung vor.[312]

Die Vorschrift vereinheitlicht den Mindestinhalt der Bilanz für alle Kaufleute, indem sie den gesonderten Ausweis von Anlage- und Umlaufver­mögen, Eigenkapital, Schulden und Rech­nungsabgrenzungsposten regelt und deren hinreichende Untergliederung vorschreibt. Sie definiert in Abs. 2 das Anlagevermögen als Grup­pe der Vermögensgegen­stände, die be­stimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen. Der Inhalt und die Untergliederung der durch § 247 HGB vorstrukturierten Elemente des Jahres­abschlus­ses erge­ben sich aus den Grundsätzen ordnungsmäßiger Bilanzierung, insbe­s. aus dem in § 246 Abs. 1 HGB gesetzlich formulierten Vollständigkeitsgebot und dem in § 243 Abs. 2 HGB ge­re­gelten Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit (vgl. Kapitel 4), sowie den ergänzenden Vor­schriften für alle Kaufleute und für einzelne Branchen und Rechtsformen.

Für Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkte Personen­ge­sell­schaften i. S. d. § 264a HGB schreibt § 265 HGB vorgehende allgemeine Grundsätze für die Gliederung des Jah­resab­schlus­ses vor, die §§ 266274a HGB Inhalt und Gliederung der Bilanz, die §§ 275–278 HGB Inhalt und Glie­derung der Gewinn- und Verlust­rechnung, die §§ 284288 HGB den Inhalt des An­hangs und § 289 HGB den Inhalt des Lage­berichts. Die für Kapitalgesellschaften vorgesehenen Gliederungsschemata beeinflussen die Gliederungspraxis für alle Kaufleute und sind teilweise entsprechend anwendbar.

Ergänzende Bestimmungen enthalten die §§ 336338 HGB für Genossenschaften, die §§ 340a340d HGB für Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsunternehmen i. S. d. § 340 HGB, die Vorschrift des §§ 341a HGB für Versicherungsunternehmen und Pen­sions­fonds i. S. d. § 341 HGB, die §§ 150160 AktG für Aktiengesellschaften und § 42 GmbHG für Gesellschaften mit beschränkter Haftung.

Eine Verordnungsermächtigung für weitere branchen- und rechtsformspezifische Inhalts- und Gliederungsvorschriften enthält § 330 HGB.

 

BEISPIELE

Auf der Grundlage des § 330 HGB sind Inhalts- und Gliederungsvorschriften für den Jahres­abschluss von

  • Wohnungsunternehmen (Verordnung über Formblätter für die Gliederung des Jahres­ab­schlusses von Wohnungsunternehmen vom 22.09.1970 (BGBl. I 1334), zuletzt geändert durch Art. 8 Abs. 1 des Gesetzes v. 17.07.2015 (BGBl. I 1245)),
  • Krankenhäusern (Krankenhaus-Buchführungsverordnung (KHBV) i. d. F. der Be­kannt­machung vom 24.03.1987 (BGBl. I 1045), zuletzt geändert durch Art. 8 Abs. 1 des Gesetzes v. 17.07.2015 (BGBl. I 1245)),
  • Verkehrsunternehmen (Verordnung über die Gliederung des Jahresabschlusses von Ver­kehrsunternehmen vom 27.02.1968 (BGBl. I 193), zuletzt geändert durch Art. 8 Abs. 11 des Gesetzes v. 17.07.2015 (BGBl. I 1245)),
  • Versicherungsunternehmen (Versicherungsunternehmens-Rechnungslegungsverordnung (RechVersV) v. 08.11.1994 (BGBl. I 3378), zuletzt geändert durch Art. 8 Abs. 14 des Gesetzes v. 17.07.2017 (BGBl. I 1245)),
  • Pflegeeinrichtungen (Pflege-Buchführungsverordnung (PBV) v. 22.11.1995 (BGBl. I 1528), zuletzt geändert durch Art. 8 Abs. 22 des Gesetzes v. 17.07.2015 (BGBl. I 1245)),
  • Kreditinstituten und Finanzdienstleistungsinstituten (Kreditinstituts-Rechnungslegungs­ver­ordnung (RechKredV) i. d. F. der Bekanntmachung vom 11.12.1998 (BGBl. I 3658), zuletzt geändert durch Art. 8 Abs. 13 des Gesetzes v. 17.07.2015 (BGBl. I 1245)),
  • Pensionsfonds (Pensionsfonds-Rechnungslegungsverordnung (RechPensV) v. 25.02.2003 (BGBl. I 246), zuletzt geändert durch Art. 8 Abs. 15 des Gesetzes v. 17.07.2015 (BGBl. I 1245)),
  • Investmentaktiengesellschaften (Verordnung über Inhalt, Umfang und Darstellung der Rechnungslegung von Sondervermögen, Investmentaktiengesellschaften und Investment­kom­manditgesellschaften sowie über die Bewertung der zu dem Investmentvermögen ge­hören­den Vermögensgegenstände (Kapitalanlage-Rechnungslegungs- und -Bewertungsver­ordnung, KARBV) v. 16.07.2013 (BGBl. I 2483))

erlassen worden.

[311] BT-Drucks. 10/4268, 98.
[312] Ballwieser, in: MüKo-HGB, § 246 HGB Rn. 6; Bertram, in: Bertram u. a., HGB, § 247 HGB Rn. 2; Castan, in: Beck, HdR, B 141 Rn. 31; Henn­richs, in: MüKo-BilR, § 247 HGB Rn. 1; Kleindiek, in: GroßKo-HGB, § 247 HGB Rn. 1, 8; Merkt, in: Baumbach/Hopt, HGB, § 247 HGB Rn. 2; Schubert/Krämer, in: BeckBilKo, § 247 HGB Rn. 1.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Merkt, Rechnungslegung nach HGB und IFRS (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Merkt, Rechnungslegung nach HGB und IFRS (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge