Kapitel 18: Rechnungslegung... / b) Verfassungsmäßigkeit der Publizitätspflicht
 

Tz. 10

Die Publizitätspflicht nach § 325 HGB verletzt im Fall von Kapitalgesellschaften auch unterhalb der Schwelle der Größenmerkmale von § 1 PublG weder den Grundsatz der Gleichbehandlung (Art. 3 GG) gegenüber Einzelkaufleuten und Personenhandelsgesellschaften noch die Berufsfreiheit (Art. 12 GG).[22] Vielmehr ist die Publizität durch das Gebot des Gläubigerschutzes (bzw. Markt- und Marktteilnehmerschutzes) gerechtfertigt.[23] Dabei ist allerdings unklar, inwieweit eine Prüfung der EU-rechtlichen Publizität am Maßstab des deutschen Verfassungsrechts zulässig ist.[24] Auch an der Vereinbarkeit der gesetzlichen Offenlegungspflicht für Kapitalgesellschaften & Co und des Jedermann-Einsichtsrechts mit dem Gemeinschaftsrecht unter den rechtlichen Gesichtspunkt der freien Berufsausübung, der freie Meinungsäußerung und der europarechtlichen Gleichbehandlung bestehen keine ernst zu nehmenden Zweifel.[25] Sie verstößt auch nicht gegen das Persönlichkeitsrecht der Gesellschafter.[26]

[22] Herrschende Ansicht, etwa Schulze-Osterloh, in: Baumbach/Hueck, GmbHG, § 41 GmbHG, Rn. 128; anders Friauf, GmbHR 1991, 397.
[23] OLG Köln v. 8.3.1991, 2 Wx 1/91, GmbHR 1991, 423; BayObLG v. 24.11.1994, 3Z BR 180/94, BB 1995, 353.
[24] Kritisch de Weerth, BB 1998, 366.
[25] EuGH, Urt. v. 23.12.2004, Rs. C-435/02 und C-103/03, Slg. 2004 I-8663 (Axel Springer) mit Anmerkung von Schulze-Osterloh, BB 2004, 2461 unter Berufung auf EuGH, Urt. v. 04.12.1997, Rs. C-97/96, Slg. 1997, I-6843 (Daihatsu).
[26] LG Köln v. 08.10.2008, 28 O 302/08, BB 2009, 211 mit kritischer Anmerkung Grashoff, BB 2009, 212; wie das LG Köln hingegen Starck, DStR 2008, 2035.

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