Kapitel 15: Konzernabschlus... / cc) Gemeinsame Führung
 

Tz. 10

Die tatsächlich ausgeführte gemeinsame Führung drückt sich insbesondere durch nachfolgende Merkmale aus:[12]

  • Gemeinsame Bestimmung der Geschäftspolitik durch die Gesellschafterunternehmen in wesentlichen Fragen.
  • Keinem Gesellschafter stehen besondere Leitungsbefugnisse zu.
  • Die Gesellschafter sind untereinander unabhängig.
  • Die Zusammenarbeit ist i. d. R. auf Dauer ausgerichtet.

Wenngleich in wesentlichen Fragen die gemeinsame Bestimmung der Geschäftspolitik durch die Gesellschafterunternehmen erforderlich ist, ist auch eine Aufteilung der Führungsrollen – bspw. in technische und kaufmännische Führung – denkbar. In solchen Fällen ist jedoch zu gewährleisten, dass bei divergierenden Auffassungen einvernehmliche Entscheidungen zu treffen sind. So wird auch durch DRS 9.3 gemeinschaftliche Führung in der Weise konkretisiert, dass Gesellschafterunternehmen strategische Geschäftsentscheidungen sowie Entscheidungen über Investitions- und Finanzierungstätigkeiten einstimmig treffen müssen.[13]

 

Tz. 11

Zur Anzahl der Gesellschafter des Gemeinschaftsunternehmens enthält § 310 HGB keine expliziten Begrenzungen. Da bei einer zu großen Zahl von Beteiligungsunternehmen jedoch eine gemeinsame Führung nicht mehr möglich ist, besteht zumindest eine mittelbare praktische Obergrenze.[14]

Auch mit Blick auf das vom Gesetzgeber verfolgte Stufenkonzept ist eine Abgrenzung der zahlenmäßigen Obergrenze der Gesellschafterunternehmen möglich. So ist es generell als unwahrscheinlich zu erachten, dass die für eine quotale Konsolidierung notwendige Anteilsquote unterhalb der für die Anwendung der equity-Methode regelmäßig erforderlichen Quote von 20 % liegen soll. Nach im Schrifttum vertretener Auffassung bewegt sich bei den im Zuge der quotalen Konsolidierung üblicherweise vorliegenden gleichmäßigen Kapitalanteilen das Beteiligungsverhältnis im Regelfall zwischen 20 % und 50 %.[15]

[14] Senger, in: MüKo-BilR, § 310 HGB Rn. 24.
[15] Senger, in: MüKo-BilR, § 310 HGB Rn. 25 m. w. N.; Kirsch, in: Petersen u. a., BilanzR § 310 HGB Rn. 11.

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