Kapitel 12: Anhangangaben / 1. Einführung

a) Überblick

 

Tz. 2

Jahres-, Konzern- oder Zwischenabschluss entblößen das Zahlenwerk eines Unternehmens, der Anhang illustriert hingegen wie die Zahlen ermittelt worden sind, wie sich die verschiedenen Posten zusammensetzen (z. B. Forderungen) und es wird erläutert, was sich hinter den einzelnen Posten verbirgt (z. B. welches Gerichtsverfahren steckt hinter einer Rückstellung).[1] Der Anhang stellt zusätzliche Informationen zu den Rechenwerken mit den bloßen Zahlen bereit. Er kann jedoch kein falsches Rechenwerk ausgleichen. Dabei steht der Anhang genauso wie die Bilanz und die GuV vor dem Hintergrund des true and fair view gem. § 264 Abs. 2 Satz 1 HGB (vgl. Kapitel 3). Somit sollen alle Abschlussbestandteile die gleiche Information vermitteln. Der Anhang kann nur in Ausnahmefällen durch eine ergänzende Angabe gem. § 264 Abs. 2 Satz 2 HGB eine klarstellende Funktion einnehmen, wenn ein Abschlussbestandteil nicht den gewünschten true and fair view vermittelt.

[1] Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, IFRS, § 5 Rn. 15.

b) Geltungsbereich

 

Tz. 3

Von der Pflicht der Anhangerstellung sind gem. § 264 Abs. 1 Satz 1 HGB sowohl alle Kapitalgesellschaften als auch über § 264a Abs. 1 HGB alle KapCo-Gesellschaften betroffen. Befreit sind bestimmte Kapitalgesellgesellschaften, die die in § 264 Abs. 3 HGB aufgeführten Bedingungen erfüllen. Zudem bestehen gem. § 264b HGB auch Befreiungsvorschriften für Personenhandelsgesellschaften mit bestimmten Merkmalen.

 

Tz. 4

Auch Kleinst-KapGes und KapCo-Gesellschaften sind von der Erstellung eines Anhangs unter bestimmten Voraussetzungen befreit: Unterhalb der Bilanz müssen die nachfolgende Angaben zu finden sein:

Erstellt ein Unternehmen trotz möglicher Inanspruchnahme der Befreiungsvorschriften einen Anhang auf freiwilliger Basis, muss es die für die seine Größenklasse vorgesehenen Angaben komplett leisten. Sollte dies nicht der Fall sein, ist eine andere Begrifflichkeit zu wählen, da dieser Abschlussbestandteil die Bezeichnung "Anhang" nicht verdient.

 

Tz. 5

Der Vorstand einer kapitalmarktorientierten Aktiengesellschaft berichtet im Geschäftsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Dabei ist der Anhang als integraler Bestandteil des Jahresabschlusses gesondert vom Lagebericht (§ 289 HGB, vgl. Kapitel 13) zu kennzeichnen. Inhaltlich unterscheidet sich der Anhang gem. § 289 HGB nicht wesentlich vom Konzernanhang gem. § 313 HGB und gem. § 314 HGB. Eine zusammengefasste Berichterstattung nach § 298 Abs. 3 HGB von Tochter- und Mutterunternehmen ist infolgedessen erlaubt.

c) Rechtspolitische Diskussion und Entwicklungsperspektiven

 

Tz. 6

Mit der Richtlinie 2013/34/EU verfolgt der EU-Gesetzgeber das Ziel die Jahresabschluss- und Konzernabschlussrichtlinie zu vereinigen. Auch wird durch die Umsetzung in den jeweiligen Nationalstaaten eine Zunahme der Harmonisierung der Rechnungslegung angestrebt. Die nationale Umsetzung der Richtlinie erfolgte im Wege des BilRUG mit Datum zum 23.07.2015, wobei datumsgleich auch die Änderung in Kraft trat. Die Änderungen führen nur in Teilen zu Anpassungen des HGB. Mit Blick auf die Anhangangaben wirkt sich das BilRUG in einem doch wesentlichem Umfang aus. So werfen einige Anhangangaben Fragen auf, die zur geeigneten Umsetzung zu diskutieren wären.[2]

[2] Rimmelspacher/Reitmeier, WPg 2015, 1003 (1003).

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