Kapitel 11: Kapitalflussrec... / dd) Identifikation berichtspflichtiger Segmente: Quantitative Schwellenwerte
 

Tz. 128

Die Berichtpflicht knüpft zunächst an die Erfüllung eines der quantitativen Schwellenwerte (quantitative thresholds) in IFRS 8.11 an:

  • Die ausgewiesenen Segmenterlöse, sowohl aus Geschäften mit externen Dritten als auch anderen Segmenten, müssen mindestens 10 % der Summe der Segmenterlöse des Unternehmens betragen,
  • der Gewinn oder Verlust (als absoluter Wert) des Segments hat einen Anteil von mindestens 10 % des höheren der beiden nachfolgenden Beträge:

    • Summe der Gewinne aller Geschäftssegmente
    • Summe der Verluste aller Geschäftssegmente
  • und die Vermögenswerte des Segments haben mindestens einen Anteil von 10 % an dem Gesamtvermögen aller Geschäftssegmente.

Die Neubeurteilung der Wesentlichkeit ist in jeder Berichtsperiode vorzunehmen.[68] Aus diesem Grunde kann ein vormals noch wesentliches, gesondert ausgewiesenes Segment in der Folgeperiode zur Unwesentlichkeit gelangen. Eine bloße temporäre Auslassung im Segmentbericht ist bei andauernder Bedeutung des Segments (continuing significance) nicht notwendig und auch nicht gewollt. Eine Berichterstattung kann demzufolge aber unterbleiben, wenn das Segment die quantitativen Grenzen in zwei aufeinanderfolgenden Perioden unterschreitet (IFRS 8.17).

 

Tz. 129

Operative Segmente, die an den quantitativen Schwellenwerten scheitern, sind als unwesentlich einzustufen. Solche operativen Segmente sind nicht einzeln berichtspflichtig. Für unwesentliche Segmente sieht IFRS 8.13 folgende Möglichkeiten vor. Unwesentliche operative Segmente können gemäß den Aggregationskriterien des IFRS 8.12 zusammengefasst werden, wobei die Betrachtung der Mehrheit der Kriterien nach IFRS 8.12 (vgl. Tz. 124 ff.) ausreichend ist (IFRS 8.14). Zudem kann eine Aggregation unter dem Sammelposten "all other segments" erfolgen (IFRS 8.16), wenn nicht das Segment entgegen seiner Unwesentlichkeit als berichtspflichtig angesehen wird (IFRS 8.13).

 

Tz. 130

Sofern die als einzeln berichtspflichtig identifizierten Segmente (vgl. Tz. 128) weniger als 75 % der Gesamterlöse betragen, müssen weitere Segmente einzeln dargestellt werden, gleich ob diese als wesentlich oder unwesentlich i. S. v. IFRS 8.13 klassifiziert werden. Die zuvor genannte Prozentgrenze ist zwingend zu beachten (IFRS 8.15), um eine Aushöhlung des Informationsgehalts der Segmentberichterstattung zu verhindern. Eine quantitative Grenze berichtspflichtiger Segmente wird nicht vorgeschrieben. IFRS 8.19 empfiehlt lediglich ab einer Anzahl von 10 Segmenten über eine Grenze nachzudenken, um einen information overload durch eine zu detaillierte Segmentberichterstattung zu vermeiden (IFRS 8.19).

[68] Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, IFRS, § 36 Rn. 42.

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