Kapitel 1: Einführung in di... / 3. Organische Bilanztheorie
 

Tz. 203

Die organische Bilanztheorie wurde von Fritz Schmidt begründet.[288] Sie betrachtet den Jahresabschluss aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive. Das Einzelunternehmen bildet danach eine Zelle im Organismus der Gesamtwirtschaft. Die Funktion der Bilanz besteht darin, zu ermitteln, ob das Unternehmen in der fraglichen Teilperiode seine relative Stellung in der Gesamtwirtschaft erhalten hat. Dabei werden Preissteigerungen (Inflation) angenommen. Der Unternehmensgewinn setzt sich nach der organischen Bilanztheorie aus Umsatzgewinn und Scheingewinn zusammen. Der Scheingewinn muss in der Bilanz von dem echten, auf der Betriebsleistung beruhenden Erfolg getrennt werden. Dazu wird buchhalterisch ein Unterkonto des Kapitalkontos eingerichtet, in dem Scheingewinn verbucht wird. Der Scheingewinn ergibt sich daraus, dass ein Teil des Nominalgewinns wegen der gestiegenen Einkaufspreise für die Wiederbeschaffung gleichartiger Handelsware einzusetzen wäre. Durch die Berücksichtigung des Scheingewinns stellt die organische Bilanztheorie sicher, dass die über die Abschreibungen an das Unternehmen gebundenen Mittel zur Wiederbeschaffung eines gleichartigen Vermögensgegenstands in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.

[288] Schmidt, Die organische Bilanz im Rahmen der Wirtschaft, Leipzig 1921.

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