Küting/Weber, Handbuch der ... / IV. Ausblick
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Als herausragenden Meilenstein auf dem Weg der Internationalisierung der RL sei an die historische Rede von Jacob Kraayenhof anlässlich der AICPA-Jahrestagung in San Francisco 1959 erinnert, der ›keynoted the urgency of establishing international standards‹ (Mueller, G. G./Walker, L. M. 1976, S. 71). Viele Autoren sehen hierin den Beginn der sich fortan intensivierenden Diskussion einer Harmonisierung der RL. Kraayenhof legte seinerzeit dar: ›I am a strong supporter of the widest acceptance of a uniform set of intelligible rules, which, for certain items, may be broad and differing. The applied rules should be clearly explained in the notes to the financial statements, with a view to providing interested parties with a reasonable picture and, above all, towards enabling them to weigh the significance of their consistent application of the computation of both net equity and net income‹ (Kraayenhof, J. 1960, S. 35).

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die Diskussion mündete in eine Inflation internationaler Organisationen, die sich dem Themenkreis der Harmonisierung des Berufsfelds der Accountants widmen. Bereits 1976 stellte der damalige Generalsekretär der UEC heraus: ›Wir haben jetzt seit 25 Jahren die UEC, seit 15 Jahren die Groupe d'Etudes, seit drei Jahren die IASC, seit diesem Jahr die Kommission der Vereinten Nationen für multinationale Unternehmen und nun noch ab nächstes Jahr die IFAC. Wer behält da noch den Überblick?‹ (Vermeulen, B. A. F. 1976, S. 230; vgl. auch Kröger, H. 1977, S. 525 und 527). Die Liste der Organisationen ist heute um die OECD, die IOSCO, die FEE mit der ihr untergeordneten EFRAG sowie die Kommission der EU mit dem Accounting Advisory Forum zu aktualisieren. Dabei unterscheiden sich ›Natur, Zielsetzung und Ebene der verschiedenen Bemühungen‹ (Kröger, H. 1977, S. 525) z. T. erheblich. Eine erneute Koordination der Harmonisierungsbestrebungen, die u. a. die Antriebsfeder zur Gründung des damaligen IASC und der IFAC war, erscheint daher nur in Teilbereichen geboten. Die zwischenstaatlichen, weltweit agierenden Organisationen haben ihre Tätigkeiten weitgehend zugunsten des IASB zurückgestellt, die FEE die Aktivitäten der UEC betr. die Prüfungsrichtlinien zugunsten des IAPC der IFAC aufgegeben. Allerdings steht diesen beiden weltweiten Organisationen (IFAC und IASB) mit der EU-Kommission und der FEE sowohl zwischenstaatlich als auch privatrechtlich jeweils ein europäischer Gegenpart gegenüber. Sicherlich ist es zutreffend, dass grds. alle international existenten Harmonisierungshürden sich auch in dem engen Wirtschaftsraum Europa wiederfinden und Europa im Vergleich zu anderen Kontinenten durch die Dichte führender Industrienationen eine besondere Rolle innerhalb der Weltgemeinschaft zukommt. Mason (A. K. 1978, S. 77; s. a. Rost, P. 1991, S. 122 f.) hat in einer Studie 1978 gezeigt, dass bestimmte Staaten (sog. ›vital countries‹) eine Harmonisierung unterstützen müssen, damit diese weltweit von Erfolg gekrönt ist. Hierzu zählt er Frankreich, Deutschland, Japan, die Niederlande, das Vereinigte Königreich und die USA. Vier dieser Leitländer sind in der EU zusammengeschlossen, welches u. a. die wirtschaftliche Stellung Europas gegenüber den anderen Kontinenten verdeutlicht (vgl. auch Stamp, E. 1977, S. 538).

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

›In dem Maße, in dem Unternehmen, Investoren und Kreditgeber fortfahren, die nationalen Grenzen und Kulturen zu ignorieren, unterstützen sie die Bemühungen um die Internationalisierung der Wirtschaft und die Vereinheitlichung der Rechnungslegungssysteme‹ (Kleekämper, H. 1993, S. 93). Insofern war die Transformation der EG-Bilanzrichtlinien zum Bilanzrecht lediglich ein Intermezzo im Prozess der internationalen Harmonisierung der RL. Insbes. die IAS-Verordnung der EU-Kommission aus dem Jahr 2002 verdeutlicht Internationalisierungstendenzen, welche die bisherigen Harmonisierungsbestrebungen sowohl in ihren räumlichen Ausmaßen als auch in ihrer inhaltlichen Konkretisierung bei weitem übersteigen. Dass diese Tendenzen nicht allein europatypisch sind, unterstreicht die Empfehlung der IOSCO nachdrücklich, nach der den Mitgliedern die Anwendung der IAS/IFRS für grenzüberschreitende Kapitalmarktnotierungen nahe gelegt wird. Dabei wird indes auch deutlich, dass Kapitalmarktaspekte eindeutig die Diskussion international anerkannter Bilanzierungsnormen dominieren, obwohl die ›Globalisierung der Kapitalmärkte in den 80er Jahren ... trotz beachtlicher Unterschiede in der Rechnungslegung (stattfand, d. Verf.). Wichtiger waren hier die Aufhebung von Kapitalverkehrs- und Devisenkontrollen, Fortschritte in der Kommunikationstechnologie und wohl auch die Entwicklung von Portfolio-Strategien mit regionaler Risikostreuung‹ (Baumann, K.-H. 1991, S. 102). Der Fokus auf die Kapitalmarktkommunikation mag sich aus Praktikabilitäts- aber auch aus Effizienzgründen ableiten, mit Blick auf ein betriebswirtschaftlich konsequentes Vorgehen vermag die...

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