Küting/Weber, Handbuch der ... / III. Eignung der IFRS für Zwecke des Jahresabschlusses
 

Rn. 40

Stand: EL 26 – ET: 11/2017

Es ist umstritten, ob die Zwecke eines EA nach den IFRS nicht i.W. denen eines JA nach HGB entsprechen (vgl. nur Böcking, WPg 2001, S. 1433 (1436f.); Böcking, WPg 2002, S. 925 (925f.); Zabel, WPg 2002, S. 919 (920)). Ein Abschluss nach den IFRS erfüllt den Dokumentationszweck ebenso wie ein handelsrechtlicher (HGB-)Abschluss. Gleichermaßen werden zum Zwecke der Selbstinformation des Kaufmanns bei Anwendung der IFRS im JA zusätzliche Instrumente zur Verfügung gestellt, zumal der Kaufmann z. B. weitere Abschlussbestandteile, namentlich eine Kapitalflussrechnung sowie eine EK-Veränderungsrechnung, erstellen muss und auch offen zu legen hat (vgl. IAS 1.10). Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Management i. R.d. Überarbeitung des RK aus dem Adressatenkreis eines IFRS-Abschlusses gestrichen wurde (vgl. RK.OB9; überdies HdR-E, Kap 2, Rn. 36). Die Information Außenstehender wird dagegen mit einem IFRS-Abschluss ebenfalls erreicht.

 

Rn. 41

Stand: EL 26 – ET: 11/2017

Es gilt zu konstatieren, dass einerseits der KA, falls ein solcher – v.a. nach IFRS – erstellt wird, besser geeignet ist, den Informationsbedürfnissen externer Adressaten, vornehmlich der (potenziellen) Investoren, gerecht zu werden und dementsprechend stärker nachgefragt wird. Andererseits adressiert der JA in Deutschland – insbesondere hinsichtlich der Mehrzahl der UN, also kleiner und mittelständischer UN – nicht primär unternehmensexterne Investoren. Dieser Abschluss dient vielmehr den aktuellen Gesellschaftern als Ausschüttungsbemessungs- und Informationsgrundlage, denn als Lenkungsinstrument des Managements bzw. Grundlage der steuerlichen Gewinnermittlung (vgl. hierzu etwa Eierle/Haller/Beiersdorf (2007), S. 9).

 

Rn. 42

Stand: EL 26 – ET: 11/2017

Bezüglich der Erfüllung dieser primären handelsrechtlichen Aufgaben weisen die IFRS deutliche Schwächen auf, da diese Zwecksetzung den IFRS fremd ist. Ersetzte man den HgB-JA durch einen IFRS-EA, gereichte dieser zwar den Zwecken der Information der (potenziellen) Investoren und – trotz ihres Ausschlusses aus dem Adressatenkreis – der Selbstinformation des Kaufmanns bzw. des Managements; zur Erfüllung der weiteren Aufgaben wären jedoch zusätzliche Instrumente notwendig: konkret eine Ausschüttungsrechnung (vgl. hierzu auch Hennrichs, BFuP 2008, S. 415 (424)) sowie eine eigenständige StB. Eine Verwendung der IFRS für Zwecke der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens wurde zwar in der Vergangenheit vielfach diskutiert, im Ergebnis ist aber eine direkte Anbindung nicht denkbar (vgl. hierzu ausführlich HdR-E, Kap 3, Rn. 349ff.).

Daher erscheint es bei der gegebenen Rechtslage für die – zumindest zahlenmäßige – Mehrheit der UN nicht sinnvoll, eine Ersetzung des handelsrechtlichen JA zu fordern (gl. A. Fülbier/Gassen, in: FS Streim (2008), S. 135 (143ff.)). Ist von UN neben diesem Abschluss zusätzlich die Aufstellung und Veröffentlichung eines IFRS-EA gewünscht, so kann dem durch § 325 Abs. 2af. entsprochen werden.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge