Küting/Weber, Handbuch der ... / g) Erweiterung der Konzernlageberichterstattung (§ 315)
 

Rn. 42

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Die Konzernlageberichterstattung gem. § 315 wurde analog zu § 289 erweitert, wobei die in § 289 Abs. 3 geregelte Beschränkung auf große KapG auf Konzernebene – mangels fehlender EU-rechtlicher Möglichkeit zur Beschränkung – entfällt.

Bei der Erweiterung der Lageberichterstattung um den expliziten Einbezug des Geschäftsergebnisses handelt es sich u. E. lediglich um eine gesetzgeberische Klarstellung, da bereits nach geltendem Recht i. R. d. vergangenheitsorientierten, zeitraumbezogenen Darstellung des Geschäftsverlaufs eine Bezugnahme auf das Geschäftsergebnis und die sie bestimmenden wesentlichen wirtschaftlichen Einflussfaktoren zu erfolgen hatte, wenngleich eine Angabe nicht stets als zwingend erforderlich erachtet wurde. Auch künftig wird i. R. d. sog. Wirtschaftsberichts zum Zwecke der Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entspr. Bilds der VFE-Lage auf das Geschäftsergebnis abzustellen sein. Fraglich ist jedoch, ob dies in einem gleichrangigen Umfang zu erfolgen hat, wie es die Darstellung des Geschäftsverlaufs und die Lage der Gesellschaft erfordern. Dies ist u. E. zu negieren, da bereits der Gesetzeswortlaut das Geschäftsergebnis als Bestandteil des Geschäftsverlaufs einordnet. Das Geschäftsergebnis ist i. R. d. Darstellung (vgl. § 289 Abs. 1 Satz 1) und Analyse (vgl. § 289 Abs. 1 Satz 2 und 3) des Geschäftsverlaufs zu behandeln.

 

Rn. 43

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Die vorzunehmende Analyse umfasst die wesentlichen finanziellen Leistungsmerkmale, wie Ergebnisentwicklung und Ergebniskomponenten, Vermögensentwicklung und -bestand, Liquidität und Kap.-Ausstattung, und enthält ergänzende Hinweise zum JA, soweit dies zu dessen Verständnis dient. Eine Doppelangabe von Informationen im KA und Konzernlagebericht ist nicht erforderlich, da der Lagebericht für detailliertere Informationen auf den KA verweisen darf (vgl. BT-Drucks. 15/3419, S. 33). Auch nicht-finanzielle Leistungsmerkmale müssen größenunabhängig angegeben werden. Dies sind neben den AN- und den Umweltbelangen regelmäßig die Entwicklung des Kundenstamms, das Humankapital, der Bereich FuE, unter Umständen auch die – z. B. durch Sponsoring oder karitative Zuwendungen seitens des UN geförderte – gesellschaftliche Reputation der KapG (vgl. im Zusammenhang mit den erweiterten Angabepflichten im EA, die auch auf den KA übertragbar sind, BT-Drucks. 15/3419, S. 31).

 

Rn. 44

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Mit der Zusammenführung der Regelungsinhalte des Prognoseberichts (Chancen) mit denen des Risikoberichts (Risiken) hat der Gesetzgeber die im Schrifttum erwähnte Zweigliedrigkeit des Risikobegriffs i. w. S. aufgegriffen: Risiken i. w. S. setzen sich zusammen aus den Chancen im Sinne positiver und Risiken im Sinne negativer Entwicklungen (vgl. m. w. N. ­Kajüter, P. 2004, S. 427). Ohnehin bestand in der Praxis eine Abgrenzungsschwierigkeit zwischen der Berichterstattung im Risiko- und Prognosebericht, so dass eine Zusammenführung nur konsequent erscheint. Chancen und Risiken dürfen dabei nicht gegeneinander aufgerechnet werden.

 

Rn. 45

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Zu bemängeln ist daher die durch den DRS 15 vorgenommene formale Strukturierung der Lageberichterstattung. Danach sollen weiterhin in zwei gesonderten Berichtsabschnitten (Risiko- und Prognoseberichterstattung) entsprechende Ausführungen erfolgen, welches u. E. die Intention des Gesetzes konterkariert (vgl. DRS 15.83 ff.).

Im künftigen DRS 15 ist auch in einzelnen Textziffern dargelegt, wie die vom Gesetzgeber geforderte Analyse der Geschäftstätigkeit und der Lage des Konzerns auszulegen ist, wenngleich auch diese Vorgaben teils nicht hinreichend konkret sind. Es bleibt letztlich ein Ermessenspielraum für den Bilanzierenden erhalten, welcher die normkonforme Umsetzung und Prüfung der Lageberichterstattung erschwert. Bzgl. der geforderten Berichterstattung über nicht-finanzielle Leistungsindikatoren finden sich nur unzureichende Anhaltspunkte (vgl. DRS 15.31 f.).

Die Darstellung des Geschäfts und der Strategie, die noch von E-DRS 20 gefordert wurde, enthält der DRS 15 nicht mehr. Auch der Gesetzgeber hatte von dieser Regelung, die noch im Referentenentwurf enthalten war, wegen vermuteter Unpraktikabilität bewusst Abstand genommen hat (vgl. zur weiteren Kritik an der im Gesetzesentwurf enthalten Regelung ­Kajüter, P. 2004a, S. 203).

Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass der künftige DRS 15 keine Bindungswirkung für den Lagebericht nach § 289 entfaltet. Gleichwohl wird sich die dort geforderte Berichterstattung an diesem Standard zu orientieren haben. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die in § 342 Abs. 2 enthaltene Beschränkung auf die konzernrechnungslegungsbezogenen GoB zumindest hinsichtlich der informationsorientierten Berichtspflichten auf Dauer keinen Bestand haben kann (vgl. Baetge/Krumnow/Löw/Noelle, HdR-E, Kap 1, Rn. 497 f.).

 

Rn. 46

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Fragwürdig erscheint auch die Verpflichtung zur Berichterstattung über Risikomanagementziele und -m...

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