Küting/Weber, Handbuch der ... / f) Zusammenarbeit der Standard Setting Bodies
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

›Das Übergewicht des FASB ist so groß, dass einige Standard-Setting Bodies sich entschlossen haben, sich regelmäßig zu treffen, um zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen‹ (Hulle, K. v. 1994, S. 17). Diese Entwicklung zur Abstimmung einiger Standard Setter außerhalb der internationalen Organisationen IASB und IFAC stellt eine Neuerung dar. Es fanden u. a. drei Treffen dieser Art statt, die dem ›Erfahrungsaustausch und (der, d. Verf.) Verfolgung gemeinsamer Interessen‹ (Kleekämper, H. 1993, S. 92) dienen (vgl. IASC 1991, S. 3; IASC 1993, S. 8 f.; Hulle, K. v. 1994, S. 17; Johnson, L. T. 1994, S. iii):

- 1991 in Genval (Belgien), ausgerichtet von der FEE;
- 1992 in Stamford (USA), ausgerichtet vom FASB;
- 1993 in London, ausgerichtet vom britischen Accounting Standards Board (ASB).

Das 1991er Treffen diente v. a. der Diskussion betr. die Notwendigkeit und die Erfahrungen mit einem Conceptual Framework sowie der Suche nach neuen Wegen der Zusammenarbeit nationaler, regionaler und internationaler Standard Setting Bodies zur Steigerung der Internationalisierung von RL-Standards. Neben der IOSCO haben v. a. die damals noch bestehenden sechs großen Wirtschaftsprüfungsverbunde diese Tagung gesponsert (vgl. IASC 1991, S. 3). Auch 1992 standen noch eher generelle Themen wie die Organisation der Verlautbarungsableitung und -durchsetzung, die Zusammenstellung bedeutender nationaler RL-Standards sowie die Kooperation bei der Überarbeitung von Normierungen und die Abstimmung zukünftiger Aktivitäten der Internationalisierung im Vordergrund. Die dritte Tagung befasste sich dagegen bereits mit speziellen Normen. Eine im Vorfeld eingesetzte Arbeitsgruppe, die sich aus Vertretern des australischen, des britischen, des kanadischen und des US-amerikanischen Berufsverbands sowie dem IASB zusammensetzte, erarbeitete ein Diskussionspapier über aktuelle Problemkomplexe (›future events‹), das als Arbeitspapier der dritten Konferenz diente. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe wurden zwar von den Standard Setting Bodies in dieses Gremium entsandt, äußerten allerdings nur als Privatpersonen die nach ihren Vorstellungen sachgerechten Lösungen, ohne dabei die jeweiligen Organisationen zu binden. Die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe verfolgen allg. das Ziel, ›to help standard setters develop a common conceptual foundation on which they can base accounting standards for their respective countries concerning issues that involve the consideration of future events‹ (Johnson, L. T. 1994, S. iv).

 

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Erste praktische Ausflüsse dieser verstärkten Abstimmung und Zusammenarbeit belegen einzelne Projekte beim IASB, die in Kooperation mit einzelnen nationalen Standard Settern durchgeführt werden; so bspw. das gemeinsame Projekt ›Earnings per Share‹ mit dem FASB, ›Financial Instruments‹ mit dem CICA (Canadian Institute of Chartered Accountants) u. Ä. Zum Teilnehmerkreis aller Konferenzen zählten auch die Kommission der EU, die OECD und die UN. Die deutsche Position wurde trotz mangelndem Status als nationalem Standard Setter begrüßenswerter Weise vom IDW vertreten.

 

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Mitte der 1990er Jahre wurde diese Zusammenarbeit eingestellt, insbes. da sich inzwischen diverse nationale anglo-amerikanische Standardisierungsgremien und das damalige IASC zu einer losen Organisation und Interessenvereinigung zusammengeschlossen hatten. Bindende Klammer der in der sog. G4+1 verbundenen Standardisierungsgremien aus Australien, Kanada, Neuseeland, Großbritannien und den USA sowie dem IASC war ›an objective of providing quality financial reporting standards for the primary purpose of providing information useful to capital market participants‹ (G4+1 Memorandum of Understanding on Objectives, rev. March 1999, einzusehen u. a. in den Einleitungen zu den Diskussionspapieren). Die Vision der G4+1-Mitglieder findet ihren Kern im Ziel einer weltweit harmonisierten kapitalmarktorientierten Finanzberichterstattung. Durch Diskussionsforen und Analysen zielt die G4+1 auf ein gemeinsames Problembewusstsein, das sich in einheitlichen Ausdrucksformen und Problemlösungsansätzen manifestieren soll. Letzteres zeigt sich insbes. in den durch das damalige IASC veröffentlichten Diskussionspapieren der G4+1, die nachhaltigen Einfluss auf die Arbeit des IASC besaßen:

- Accounting by Recipients for Non-Reciprocal Transfers (1999);
- Business Combinations (1998);
- Leases: Implementation of a New Approach (2000);
- Reporting Financial Performance (1999);
- Reporting Interests in Joint Ventures (1999);
- Share-based Payment (2000).

Mit der Umformierung des IASC zum IASB (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 179 ff.) wurde die relativ kurze aber fruchtbare Zusammenarbeit der anglo-amerikanischen Standardisierungsgremien mit dem IASC beendet. Auf ihrer letzten Sitzung im Januar 2001 gab die G4+1 ihre sofortige Auflösung bekannt, da sie die Ansicht vertrat, dass das IASB aufgrund seiner institutionalisierten Kontakte zu...

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