Küting/Weber, Handbuch der ... / ee) IAS/IFRS
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die RL-Standards des IASB gelten rechtsform- und branchenunabhängig für alle UN des öffentlichen und des privaten Rechts mit kommerziellem, industriellem oder sonst. Geschäftsgang. Das IASB manifestiert diesbzgl. keine Normen, die eine RL-Pflicht auslösen. Dieses Kriterium bleibt den nationalen Gesetzen und/oder Verlautbarungen vorbehalten. Die IASB-Anforderungen an die externe RL knüpfen somit an sog. berichtende UN an, worunter UN verstanden werden, die aktuelle wie auch potentielle JA-Adressaten vorweisen, die die externe RL als Hauptinformationsinstrument nutzen. Größenabhängige Erleichterungen kennen die IAS/IFRS ebenso wenig wie eine klare Gewichtung des einzelgesellschaftlichen oder des konsolidierten Abschlusses als Primärabschluss. Vielmehr sind alle Normen – mit Ausnahme der konsolidierungstechnischen Spezialnormen – auf beide Rechenwerke anzuwenden (so auch Schruff, W. 1993, S. 414). Ein JA bzw. KA ist jährlich zu erstellen und besteht gem. IAS verpflichtend aus (vgl. IAS 1, Abs. 7):

- der Bilanz,
- der GuV,
- einer EK-Veränderungsrechnung,
- der (zahlungsstromorientierten) Kapitalflussrechnung,
- dem Anh. sowie
- weiteren Rechnungen (wie bspw. einer obligatorischen Segmentrechnung nach IAS 14) und erläuternden Angaben, sofern sie einen integralen Abschlussbestandteil darstellen.

Eine unterjährige RL schreiben die IAS/IFRS nicht vor, jedoch werden in IAS 34 Grundsätze für eine Zwischenberichterstattung geschaffen (diese sind nach dem Entwurf der EU-Transparenzrichtlinie für Aktien- und Wertpapieremittenten i. R. d. Erstellung eines unterjährigen Abschlusses zu beachten). Ein den §§ 266, 275 vergleichbares Mindestgliederungsschema für die Bilanz und GuV existiert für den IASB-konformen Abschluss nicht; dennoch determiniert IAS 1 Minimalanforderungen, die regelmäßig durch spezielle IAS/IFRS erweitert werden und mittlerweile über die 34 IAS verstreut mehrere hundert Offenlegungserfordernisse (›disclosures‹) auslösen.

 

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Den bisherigen IAS lag ein dreigliedriger Aufbau zugrunde. Dem eigentlichen Standard wurden i. d. R. eine Einleitung und eine Erläuterung vorangestellt. Während die Einleitung grob den Anwendungsbereich umriss und Definitionen verwendeter Begriffe enthielt, dienten die Erläuterungen als eine Art Kommentierung des Standards. In einigen Fällen wurde einem Standard ein Anh. mit instruktiven Beispielen nachgestellt. Dieser dreigliedrige Aufbau wird bei den neuen IFRS (der erste IFRS wurde im Juni 2003 veröffentlicht) insbes. zugunsten eines erweiterten Anh. zum IFRS aufgegeben. Während die Einleitung Hintergrund, wesentliche Inhalte und Abweichungen zu vorherigen Publizitätsanforderungen erläutert, werden die Begriffsdefinitionen und Verweise auf überarbeitete IAS/IFRS in die Anlagen ausgegliedert. Eine wesentliche inhaltliche Neuerung betrifft die ausgiebige Anwendungsanleitung (Implementation Guidance), die dem Standard angehängt wird.

Neben dem formalen Aufbau der Standards selbst folgt auch das Gesamtgefüge der IAS/IFRS einem formalen Grundmuster. So verweisen alle verabschiedeten IAS/IFRS auf eine gesondert formulierte Vorbemerkung, das sog. Preface. Diese enthält allg. Ausführungen zum Bilanzierungszweck, zu den Bilanzadressaten, dem formellen Verfahren zur Verabschiedung eines Standard (Due Process), dem Verhältnis von IAS/IFRS zu den einzelstaatlichen RL-Normen und konkretisiert die Bestandteile des JA (vgl. Hayn, S. 1994, S. 718). Ebenso wie das Preface ist auch das Rahmenkonzept (IASB Framework) kein Standard und kann demnach auch keine ›overriding function‹ gegenüber einem IAS/IFRS entfalten. Es dient einerseits als › ›quasi-theoretische‹, konzeptionelle Grundlage zur deduktiven Ableitung von IAS‹ (Haller, A. 1993, S. 1301) und soll andererseits den Anwendern der IAS/IFRS als Interpretations- und Durchsetzungshilfe dienen. Allen seit 1993 revidierten Standards lag bereits das Rahmenkonzept zugrunde; ebenso den nach 1989 verabschiedeten Verlautbarungen. Die vor 1989 erlassenen und seither nicht revidierten Statements stehen in keinem Konflikt zum Rahmenkonzept. Folglich greift es trotz eines fehlenden expliziten Verweises in den jeweiligen Standards. Lediglich punktuell – so bspw. bzgl. der Definition eines aktivierungsfähigen Vermögenswerts in IAS 38 (Immaterielle Vermögenswerte) – wird auf dieses Grundsatzpapier verwiesen.

 

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Das Arbeitsprogramm des IASB sieht unter dem Schlagwort ›Improvements Project‹ eine umfassende Überarbeitung der bereits vorhandenen RL-Standards vor. Ausgangspunkt des Verbesserungsprojekts waren insbes. die Anregungen der IOSCO (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 249 ff.) und der EU-Kommission (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 162 ff.). Das Improvements Project zielt dabei vornehmlich ab auf

- die Aufhebung von Wahlrechten (die sog. ›allowed alternative treatments‹), um eine verbesserte Vergleichbarkeit und Informationsfunktion des Abschlusses zu err...

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