Küting/Weber, Handbuch der ... / dd) Würdigung
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

›Die Komplexität der modernen Welt, die sich ändernden wirtschaftlichen Verhältnisse, Inflation und Rezession und die wachsende finanzielle und wirtschaftliche Verflechtung auf politischer, wirtschaftlicher und technologischer Ebene haben das Interesse der Öffentlichkeit an einer wachsenden Harmonisierung und einem gemeinsamen Vorgehen des Accountants-Berufes entstehen lassen‹ (Cowperthwaite, G. 1976, S. 292). Des Weiteren unterstreicht die globale Vernetzung multinationaler UN, die einen Weltabschluss zu erstellen haben, die Harmonisierungsnotwendigkeit. Die HB-II-Werte ausländ. Konzern-UN müssen zuverlässig geprüft und so aufbereitet sein, dass eine kostspielige zweite Prüfung im Heimatland der Konzernmuttergesellschaft unterbleiben kann. ›However it is probably easier to develop auditing standards than it is to develop acceptable accounting standards and practices because the former can be used as a tool to verify the accuracy and reliability of the latter‹ (Arpan, J. S./Radebaugh, L. H. 1985, S. 312 f.). Die Tätigkeit der IFAC, insbes. des IAASB, haben diesbzgl. einen wesentlichen Harmonisierungsbeitrag geleistet. Die nationalen Mitgliedsorganisationen haben – im Gegensatz zu den IAS bzw. IFRS – viel eher die Möglichkeit, die IFAC-Verlautbarungen nach besten Kräften umzusetzen, so dass hieraus eine hohe Beachtung der IFAC-Verlautbarungen resultiert.

 

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I. R. d. satzungsmäßigen Zielsetzung arbeitet die IFAC des Weiteren eng mit anderen privatrechtlichen sowie zwischenstaatlichen Organisationen und Institutionen zusammen. 1990 gehörte die IFAC neben der International Bar Association (IBA) und der Fédération International des Bourses de Valeurs (FIBV; vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 258 ff.) zu den drei Gründungsorganisationen der International Capital Markets Group (ICMG). Damit haben sich sowohl die internationalen Vereinigungen der Börsen (die IOSCO ist die internationale Vereinigung der Börsenaufsichtsbehörden, vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 246 ff.), der Anwälte und der WP zu einer Gruppe zusammengeschlossen, deren Arbeitsschwerpunkte ›auf den Gebieten Selbstverwaltung, Publizität und Regulierung von Sekundärmärkten‹ (Deutsche Börsen 1992, S. 107) liegen. Diese privatrechtliche Organisation berät bei internationalen Kap.-Investitionen und ›seeks to promote a system of efficient capital markets throughout the world‹ (United Nations 1994, S. 17 f.; vgl. auch Choi, F. D. S./Mueller, G. G. 1992, S. 378). Diese zweite Zielsetzung dient v. a. der Förderung des Vertrauens des Anlegers in den Kap.-Markt. Diesbzgl. arbeitet jede Mitgliedsorganisation in ihrem speziellen Aufgabengebiet und überprüft die Ergebnisse gemeinsam mit den anderen Mitgliedern. 1992 hat die ICMG erstmalig einen Bericht mit dem Titel ›Harmonization of International Standards‹ veröffentlicht (vgl. United Nations 1994, S. 18).

 

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1992 unterstützte die IOSCO offiziell die IFAC-Prüfungsrichtlinien (ISA) und billigte diese als maßgebliche Standards für die Abschlussprüfung börsennotierter UN. Bisher sind einige ›nationale Börsenaufsichtsbehörden, darunter auch das deutsche Bundesfinanzministerium, dieser Empfehlung gefolgt, indem sie bei Börsenzulassungen ausländischer Unternehmen WP-Testate mit Hinweis auf die Prüfung nach den Grundsätzen der IFAC akzeptieren‹ (Kleekämper, H. 1993, S. 87; vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 246 ff.). Die drucktechnische Veränderung der IFAC-Standards (sog. Codification) sorgte jedoch für Unstimmigkeiten zwischen IFAC und IOSCO. Die IOSCO sieht hierin nicht nur eine formale Darstellungsänderung, sondern besteht auf der Empfehlung der ursprünglichen Fassung. Die ›Neufassung‹ wird von der IOSCO abermals geprüft; für diese besteht bislang keine Anwendungsempfehlung (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 253). Bis heute sind die ISA durch die IOSCO nicht anerkannt worden, da diese die Befürchtung hegt, dass die Standards durch die Codification materiell und formal so stark verändert wurden, dass sie nicht mehr mit den 1992 gebilligten ISA übereinstimmen. Gleichwohl arbeitet die EU an einer verbindlichen Zugrundelegung der ISA ab 2005 (vgl. EU-Kommission 2003, S. 8 f.).

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