Küting/Weber, Handbuch der ... / dd) Facharbeit
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Erste konkrete Ausflüsse der Facharbeit des damaligen IASC konnten in Bezug auf die europäischen Richtlinien verzeichnet werden. ›Die Verlautbarungen des IASC, die viele bisher als nur von theoretischer Natur eingestuft hatten, erhalten durch die Vierte Richtlinie eine Relevanz‹ (Niehus, R. J. 1978, S. 473). Diese Tatsache sichert dem IASC zwar einen gewissen Einfluss zu, kann aber nicht als Beitrag zur Erreichung der satzungsmäßigen Zielsetzung angesehen werden. Letzterer konnte das IASC erst 1993 durch den Abschluss des Comparability/Improvements Projects einen ernst zu nehmenden Schritt näherkommen, da nunmehr erstmalig eine Durchsetzbarkeit der Standards realistisch in Aussicht steht.

 

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Seit seiner Gründung 1973 bis zu seiner Umstrukturierung 2001 hat das IASC 41 International Accounting Standards verabschiedet – IAS 1 erließ das Board bereits 1974 –, von denen 29 der bis 1989 veröffentlichten Standards im Zug des Comparability/Improvements Projects überarbeitet wurden. Heute besitzen 34 dieser 41 Standards Gültigkeit. I. R. d. Comparability Projects wurde 1987 mit der Einsetzung eines Steering Committees ›Comparability‹ begonnen, das 1989 mit der Veröffentlichung des Exposure Draft 32 (E32) und 1990 durch das Statement of Intent als Improvements Project weitergeführt wurde, bevor es im November 1993 abgeschlossen werden konnte. ›Dem Comparability Project lag die Basisidee zugrunde, alle bis auf eine Bilanzierungs- oder Bewertungsalternative zu eliminieren, wenn das bestehende Verfahren restriktionslos ausgeübt werden konnte. Diejenigen Wahlrechte (free choices), die nicht durch die Formulierung einer verpflichtenden Vorgehensweise ausgeräumt werden konnten, sollten grundsätzlich bestehen bleiben‹ (Hayn, S. 1994, S. 716). Dieses Mammutprojekt wurde von Beginn an sowohl von der IOSCO als auch von der SEC unterstützt (vgl. Cairns, D. 1988, S. 13; Collins, S. H. 1989, S. 85). Das Jahr 1987 kann somit in der Entwicklungsgeschichte des IASC als ›herausragender Wendepunkt‹ (Hayn, S. 1994, S. 716) charakterisiert werden; ›the watershed year for IASC‹ (Kirkpatrick, J. 1988, S. 17) mit maßgeblichem Einfluss auf die künftige Entwicklung des IASC bzw. IASB.

 

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Bis 1987 sah das IASC seine vordringliche Aufgabe in der Eliminierung nicht zu rechtfertigender Bilanzierungsgepflogenheiten, wobei allerdings betriebswirtschaftlich sinnvolle Vorgehensweisen parallel existieren konnten. So wurden bspw. grds. alle anglo-amerikanischen Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte beibehalten. ›It was said that no IASs would be allowed to conflict with any existing US or UK standards. Where there were conflicts between the US and UK, the IAS would permit both methods‹ (Ruttermann, P. 1987, S. 17). Diese konfliktscheue, nicht harmonisierend wirkende Ableitung der IAS (vgl. Hayn, S. 1994, S. 716) sollte mit dem Comparability/Improvements Project endgültig aufgegeben werden. Die materielle Ausrichtung der deduktiven IAS-Ableitung war in der Folge neben der angelsächsischen Beeinflussung noch stärker als zuvor an den Erfordernissen des Kap.-Markts zu orientieren. ›Dieses resultiert aus der Tatsache, daß allein die securities regulators dem IASC als einzige Interessenvertretung einen wirksamen Durchsetzungsmechanismus in Aussicht gestellt haben und die Harmonisierungsnotwendigkeit letztendlich alleinig auf das Kapitalmarktargument zurückzuführen ist‹ (Hayn, S. 1994, S. 716). Insbes. die ›lebensbedrohliche Gefahr‹ (IASC 1990, S. 6), welche anfänglich durch die IOSCO befürchtet wurde, wandelte sich schlagartig in die umgekehrte Richtung.

 

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Nachdem das Comparability Project bereits das Stadium eines Exposure Draft erreicht hatte (sog. E32), verabschiedete das Board im Juni 1990 ein Statement of Intent, das eine differenzierte Vorgehensweise bzgl. der zur Änderung anstehenden Standards vorsah (vgl. IASC 1993c, S. 537, Abs. 9), nachdem jedes bereits erlassene Statement unter Berücksichtigung der 160 zu E32 eingegangenen ›comment letters‹ sowie der allg. internationalen Reaktion auf das Comparability Project erneut erörtert wurde. Das Statement of Intent stellt drei Reduktionsansätze zur erneuten Vorlage zurück, da diese Vorschläge des E32 (konkret handelt es sich um IAS 2, IAS 9 und IAS 23) erst nach wesentlicher materieller Überarbeitung der Vorlagen definitiv geändert werden sollen (vgl. IASC 1993c, S. 549 f.). Dagegen können 21 der in E32 geäußerten 29 Wahlrechtsreduktionen unverändert übernommen werden. Diese betreffen IAS 8, IAS 11, IAS 16, IAS 18, IAS 19, IAS 21, IAS 22 und IAS 25 (vgl. IASC 1993c, S. 540 f.), wobei in einzelnen Standards mehrere Wahlrechte eliminiert werden sollen. Darüber hinaus soll bzgl. fünf weiterer Wahlrechte im Zug späterer Projekte entschieden werden. Es handelt sich diesbzgl. um IAS 17 sowie weitere Vorschläge zu IAS 25 (vgl. IASC 1993c, S. 551). Obwohl das Board im Statement of Intent...

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