Küting/Weber, Handbuch der ... / d) Wertaufholung
 

Rn. 152

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Unterschiede in der handels- und steuerrechtlich Wertaufholung sind in den Tatbestandsvoraussetzungen, die zu einer Wertaufholung führen, begründet. Handelsrechtlich ist gem. § 253 Abs. 5 Satz 1 eine Wertaufholung vorzunehmen, wenn die ursprünglichen, für die außerplanmäßige Abschreibung ursächlichen Gründe nicht mehr bestehen, wobei es ausreichend ist, wenn einige (im Extremfall auch nur einer) von mehreren Gründen wegfallen und daraus bereits ein höherer Wert resultiert (vgl. stellvertretend Winkeljohann/Taetzner, in: Beck Bil-Komm. 2014, § 253 Rn. 647). Da steuerlich gem. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG demgegenüber auch dann eine Wertaufholung vorzunehmen ist, wenn die für die Abwertung ursächlichen Gründe zwar noch bestehen, der Teilwert sich aber aus anderen Gründen (auch inflationsbedingt) erhöht hat (vgl. Groh, M. 1999, S. 983; Herzig, N./Rieck, U. 1999, S. 311), fallen handels- und steuerrechtliche Wertaufholung insoweit auseinander, dass das steuerliche Wertaufholungsgebot früher greift. An dieser fraglichen Differenzierung wird trotz Kritik (vgl. Herzig, N. 2008, S. 7; Günkel, M. 2008, S. 133) festgehalten. Mit Hinweis auf die eingeschränkte Aussagekraft des handelsrechtl. JA bei alleinigem Abstellen auf den Wegfall der Wertminderungsgründe wird teilweise vertreten, § 253 Abs. 5 Satz 1 teleologisch zu reduzieren und für die Wertaufholung entgegen des Wortlauts der Norm nicht auf den Wegfall der Wertminderungsgründe, sondern analog zur steuerlichen Regelung allein auf den Wert als qualitatives Kriterium abzustellen (vgl. Zwirner, C./Künkele, K. P./Mugler, J. 2012, S. 535 f.).

 

Rn. 153

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Für den entgeltlich erworbenen GoF wurde im Zuge des BilMoG handelsrechtl. in § 253 Abs. 5 Satz 2 ein explizites Wertaufholungsverbot statuiert. Dieses spezielle handelsrechtl. Wertaufholungsverbot trifft auf ein generelles steuerliches Wertaufholungsgebot in § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG, was zunächst den Schluss nahelegt, dass bei Werterholung des derivativen GoF eine zwingende Abweichung zwischen handels- und steuerbilanzieller Vorgehensweise vorliegt (vgl. Dörfler, O./Adrian, G. 2009, S. 61; Hennrichs, J. 2009a, S. 376 f., allerdings mit rechtspolitischer Kritik). Das handelsrechtliche Wertaufholungsverbot trägt dem Umstand Rechnung, dass Werterholungen eines Geschäfts- oder Firmenwerts nach Vornahme außerplanmäßiger Abschreibung auf der Geschäftstätigkeit des abschreibenden Unternehmens beruhen, d. h. vielfach einen originären Geschäfts- oder Firmenwert des betreffenden Unternehmens repräsentieren. Eine Wertaufholung verkörpert insoweit eine gem. § 248 Abs. 2 Satz 2 verbotene Aktivierung eines selbst geschaffenen Firmenwerts (vgl. BT-Drucks. 16/10067, S. 57). Nach dieser gesetzgeberischen Wertung scheitert bereits der Ansatz des nach außerplanmäßiger Abschreibung selbst geschaffenen Firmenwerts am Ansatzverbot des § 248 Abs. 2 Satz 2. Das Wertaufholungsverbot des § 253 Abs. 5 Satz 2 hat – als dem Ansatzverbot nachgelagerte Bewertungsvorschrift – lediglich klarstellenden Charakter. Eine Abweichung zwischen HR und StR besteht damit insoweit nicht (vgl. Herzig, N./Briesemeister, S. 2009a, S. 928 f.; Ortmann-Babel, M./Bolik, A./Gageur, P. 2009, S. 936; Kahle, H. 2011, S. 170; im Ergebnis auch Günkel, M. 2008, S. 129).

 

Rn. 154-155

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

vorläufig frei

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