Küting/Weber, Handbuch der ... / d) Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG)
 

Rn. 237

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Durch das im Juni 2000 veröffentlichte Strategiepapier der EU-Kommission, mit dem IAS/IFRS-konforme Abschlüsse für kapitalmarktorientierte Konzerne gefordert werden (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 163), wurde bereits auch die Notwendigkeit eines Anerkennungsverfahrens diskutiert. Ein solches Verfahren sollte die Integration der IAS/IFRS in der EU überwachen und bestätigen, dass die IASB-Standards eine geeignete Grundlage für die RL von börsennotierten EU-Muttergesellschaften darstellen. Es bildete sich bereits früh die Ansicht, dass dieses Anerkennungsverfahren auf zwei Ebenen zu erfolgen hat: Neben einer politischen, regulatorischen Ebene war zusätzlich eine technische Expertenebene vorgesehen. Durch Letztere sollte sichergestellt werden, dass die europäischen Interessen auch im IASB ausreichende Berücksichtigung finden, indem v. a. die Interessen und die Ressourcen auf europäischer Ebene gebündelt und koordiniert werden. Ein europäischer Standardisierungsrat, der neben das IASB oder nationale Standard Setter treten könnte, wurde nicht beabsichtigt. Insgesamt wurden vier wesentliche Funktionen auf der technischen Ebene diskutiert (vgl. ausführlich FEE u. a. 2001, S. 3 ff.):

- aktive Teilnahme an der Arbeit des IASB;
- Initiierung von Änderungen der EG-Bilanzrichtlinien;
- inhaltliche Beurteilung der IASB-Standards und Interpretationen;
- Unterstützung bei der Anwendung der IASB-Normen.
 

Rn. 238

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Im März 2001 wurde die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), eine unabhängige privatrechtliche Vereinigung belgischen Rechts, mit der Aufgabe gegründet, die Arbeit der technischen Ebene im Anerkennungsverfahren zu koordinieren und voranzutreiben. Organisatorisch besteht die EFRAG lediglich aus der relativ kleinen Technical Expert Group – zusammengestellt aus Mitgliedern nationaler Standardisierungsräte und berufsständischen Vereinigungen sowie Anwendern und Adressaten von Finanzberichten – und einem Aufsichtsgremium (Supervisory Board), das mind. einmal jährlich zu tagen hat. Neben der Übernahme der Verwaltungstätigkeit (insbes. Budgetierung und Finanzierung der EFRAG) und der personellen Verantwortung für die Zusammensetzung des u.g. Expertengremiums garantiert das Aufsichtsgremium mittels seiner Aufsichtsfunktion eine umfassende Berücksichtigung der europäischen Interessen i. R. d. operativen Tätigkeit der EFRAG. Sie setzt sich im Ideal regional ausgewogen aus ca. 20 Repräsentanten der europäischen Interessenverbände und berufsständischen Organisationen (u. a. die FEE) zusammen (vgl. ausführlich zur Zusammensetzung des Aufsichtsgremiums FEE u. a. 2001, S. 9 und Anh.). Die Anzahl der Stimmrechte richte sich dabei nach dem Umfang der jährlichen finanziellen Zuwendungen der jeweiligen teilnehmenden Organisation (EUR 50.000 pro Stimmrecht; vgl. FEE u. a. 2001, im Anh.). Die EU-Kommission besitzt einen Beobachterstatus im Aufsichtsgremium.

Übersicht: Struktur der EFRAG

Die eigentlichen satzungsmäßigen Aufgaben der EFRAG werden dagegen durch die Technical Expert Group erfüllt. Ihre personelle Besetzung ist auf acht bis zehn Mitglieder limitiert, um eine effiziente Arbeitsweise zu garantieren. Die Mitglieder der Expertengruppe rekrutieren sich regional ausgewogen aus im Standardisierungsprozess erfahrenen Spezialisten, die neben der Tätigkeit i. R. d. EFRAG auch weiterhin in den nationalen Standardisierungsprozessen eingebunden sein können (Teilzeittätigkeit für die EFRAG). Der Vorsitzende wie auch die weiteren Mitglieder der Expertengruppe werden durch das Aufsichtsgremium auf Vorschlag der nationalen Berufsstände und Standardisierungsgremien für einen Turnus von regelmäßig zwei Jahren und sechs Monaten bestimmt (vgl. FEE u. a. 2001, S. 8). Wie im Aufsichtsgremium übernimmt die EU-Kommission eine beobachtende Rolle in der Technical Expert Group, um die Verbindung zur politischen Ebene, dem Accounting Regulatory Body, zu gewährleisten. Die geringe Zahl der Mitglieder der Expertengruppe erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den nationalen Accounting Communities. Insofern ist vorgesehen, dass die Technical Expert Group sich regelmäßig mit dem Konsultationsforum trifft, dem die Rolle einer Diskussionsplattform zukommt, mittels derer die auf nationaler Ebene entwickelten Sichtweisen und Problempunkte an die Expertengruppe herangetragen werden können. Das Konsultationsforum setzt sich aus einer unbestimmten Anzahl von Teilnehmern aller nationalen Standardisierungsgremien der EU, der Schweiz sowie der ost- und mitteleuropäischen Beitrittskandidaten zusammen (vgl. FEE u. a. 2001, S. 9) und wird vom Vorsitzenden der Technical Expert Group geleitet. Doch auch über die Sitzungen des Konsultationsforums hinaus ist vorgesehen, dass die Expertengruppe informell engen Kontakt zu den einschlägigen europäischen Organisationen und Interessengruppen hält, um Erhebungen (›research papers‹) der EFRAG sowie Standardentwürfe, Interpretationen und eventuelle Anfragen des IASB vir...

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