Küting/Weber, Handbuch der ... / d) Anhangangaben bezüglich derivativer Finanzinstrumente (§ 285 Satz 1 Nr. 18)

aa) Umfang der Angaben

 

Rn. 15

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Gem. dem in teilw. Umsetzung der Fair Value-Richtlinie (vgl. Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2001; vgl. zu einem Überblick Kirsch, H.-J. 2005, S. 11 ff.) bzw. Modernisierungsrichtlinie (vgl. Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2003) neu eingefügten § 285 Satz 1 Nr. 18 sind zusätzliche Angaben zu derivativen Finanzinstrumenten im Anh. notwendig. Dabei handelt es sich zum einen um Informationen zu Art und Umfang der eingesetzten Finanzinstrumente (vgl. § 285 Satz 1 Nr. 18a) und zum anderen um die Angabe des beizulegenden Zeitwerts der betreffenden Finanzinstrumente (vgl. § 285 Satz 1 Nr. 18b). Zu beachten ist, dass gem. Art. 58 Abs. 2 EGHGB die Änderungen in § 285 bereits auf GJ anzuwenden sind, die nach dem 31.12.2003 beginnen.

 

Rn. 16

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Sofern eine Bewertung bzw. Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts verlässlich vorgenommen werden kann, sind zudem die angewendeten Bewertungsmethoden, ein ggf. vorhandener Buchwert sowie die Bilanzposition, innerhalb derer der Buchwert erfasst ist, anzugeben. Mit dieser Maßnahme soll sich der Bilanzleser über eine möglicherweise auftretende Diskrepanz zwischen Buchwert und (abweichendem) beizulegenden Wert ein Bild machen können. Damit erhöht sich die Aussagekraft des JA in diesem Punkt, da auch der beizulegende Zeitwert anzugeben ist, wenn er über dem Buchwert liegt oder wenn es sich nicht um eine dauerhafte Wertminderung handelt (vgl. auch HdR-E, Vor Kap 1, Rn. 20 und zur Möglichkeit einer Abschreibung im nicht-abnutzbaren AV Küting, K. 2005, S. 1121 ff.).

bb) Die Begriffsdefinition von Finanzinstrumenten

 

Rn. 17

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

In § 285 Satz 2 wird der Begriff "derivative Finanzinstrumente" näher erläutert als "Verträge über den Erwerb oder die Veräußerung von Waren, bei denen jede der Vertragsparteien zur Abgeltung in bar oder durch ein anderes Finanzinstrument berechtigt ist ...". Ausgenommen hiervon sind Verträge, die den erwarteten Bedarf absichern, der sich aus Erwerb, Veräußerung oder dem eigenen Gebrauch ergibt, sofern eine derartige Absicht bei Begründung des Geschäfts bestand, zum Zeitpunkt des Abschlusses fortbesteht und der Vertrag mit der Lieferung der Ware als erfüllt gilt (Ausschluss von Sicherungsgeschäften).

Trotz Verwendung dieser Begrifflichkeiten gibt es keine weitergehende handelsrechtl. Definition der Begriffe "Finanzinstrumente" bzw. "derivative Finanzinstrumente". Der Gesetzeswortlaut "Als derivative Finanzinstrumente ... gelten auch" stellt heraus, dass es sich hierbei lediglich um ein Beispiel, aber nicht um eine abschließende Definition handelt (vgl. Heuser, P. J./Theile, C. 2005, S. 202 f.). Auch die zugrunde liegenden EG-R lassen dies offen. Der Gesetzgeber hat auf eine Definition wohl bewusst verzichtet, da Finanzinstrumente schwer zu definieren sind und der dynamischen Fortentwicklung von Finanzinstrumenten auf den Finanz- und Kap.-Märkten Rechnung getragen werden soll. Die Dynamik – gerade in diesem Gebiet der RL – wird ersichtlich, wenn man sich die Anzahl der Änderungen in den internationalen RL-Standards, speziell in IAS 39, vor Augen führt (vgl. hierzu Bieker, M./Hackenberger, J. 2004, S. 1625 ff.; vgl. bspw. zum Hedge-Accounting Scharpf, P. 2004). Eine Auslegung kann demzufolge entsprechend dem KWG, dem WpHG oder nach den IFRS erfolgen. Unstreitig gehören zu den Finanzinstrumenten die in § 2 Abs. 1 WpHG aufgezählten Wertpapiere, auch wenn über sie keine Urkunde aufgestellt wurde, und die in § 2 Abs. 2 WpHG aufgeführten Termingeschäfte und Devisentermingeschäfte. Bei Derivaten gilt dies unabhängig davon, ob sie als VG i. S. d. HGB oder als schwebendes Geschäft einzuordnen sind. Ein entspr. Hinweis, welcher Auslegung gefolgt wird, erscheint sachgerecht.

U. E. empfiehlt sich eine möglichst umfassende Auslegung, um den gesetzl. Anforderungen – und speziell in diesem Fall der Informationsfunktion des JA – gerecht zu werden. Zumindest aber sollte im Anh./Konzern-Anh. die zugrunde gelegte Definition von (derivativen) Finanzinstrumenten erläutert werden, damit dem externen Bilanzleser die unternehmensindividuelle Abgrenzung zugänglich gemacht wird.

Infolge der Verweise in § 340a Abs. 1 bzw. § 341a Abs. 1 gilt Entspr. auch für Kreditinstitute bzw. Versicherungs-UN.

cc) Vorgehensweise zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts (§ 285 Satz 3 bis 5)

 

Rn. 18

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

In Ergänzung zu den Anh.-Angaben nach § 284 werden in § 285 Satz 3 bis 5 Vorgehensweisen zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts von Finanzinstrumenten angegeben. Prinzipiell werden dabei drei Alternativen zur Ermittlung bzw. Bestimmung des Zeitwerts unterschieden:

- Der Zeitwert entspricht dem Marktwert, sofern ein solcher ohne weiteres verlässlich bestimmbar ist.
- Der Zeitwert wird aus den Marktwerten der einzelnen Bestandteile des Finanzinstruments oder aus dem Marktwert eines gleichwertigen Finanzinstruments abgeleitet.
- Der Zeitwert wird mittels allg. anerkannter Bewertungsmodelle und -methoden bestimmt, sofern diese eine angemessene Annäherung an den Marktwert gewährleisten.
 

Rn. 19

Stand: EL 01 ...

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