Küting/Weber, Handbuch der ... / cc) Die Ad hoc Intergovernmental Working Group of Experts on International Standards of Accounting and Reporting
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Basierend auf den Erfahrungen mit der Group of Experts empfahl die Kommission für transnationale Unternehmen die Einsetzung einer zwischenstaatlichen Gruppe aus Regierungsvertretern, die die Arbeit von GEISAR fortsetzen sollte. Dieser Empfehlung kam der ECOSOC im Herbst 1979 durch die Bestellung der Ad hoc Intergovernmental Working Group of Experts on International Standards of Accounting and Reporting (im Folgenden: ›Arbeitsgruppe‹) nach. Ihre 34 Mitglieder setzten sich ausschließlich aus Regierungsvertretern zusammen. Darüber hinaus wurden u. a. das IASB und die FEE als Beobachter zugelassen. Aufbauend auf dem Blue Book legte die Arbeitsgruppe 1982 eine revidierte Fassung der UN-Mindestanforderungen an die externe RL transnationaler Unternehmen vor, die den Vereinten Nationen in der Folgezeit abermals massive Kritik bescherte.

 

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Die in den Jahren 1977 und 1982 veröffentlichten UN-Anforderungen an die externe RL ›lassen überhaupt kein einheitliches Konzept mehr erkennen. Sie sind eine Summation von Einzelanforderungen unterschiedlicher Interessengruppen, die von Kritikern zu Recht als eine Maximierung der Maxima aus allen möglichen Bereichen bezeichnet werden‹ (Havermann, H. 1988, S. 616). So weisen insbes. Teilbereiche der sog. ›non-financial information‹ – wenn überhaupt – nur noch einen losen Zusammenhang zum JA auf, wie bspw. die Angabe der durchschnittlichen Zahl der wöchentlichen Arbeitsstunden, die Fluktuationsrate, die Zahl der verlorenen Arbeitsstunden durch Abwesenheit oder die Unfallquote unterstreichen soll (vgl. Havermann, H. 1980, S. 346, unter Bezugnahme auf einen Bericht der UN-Expertengruppe; s. a. Cairns, D. 1990, S. 84). Diese Mindestanforderungen stellen dabei nur einen kleinen Teil der über 70 Spezialausweise dar, die vorwiegend von den internationalen Gewerkschaften in die Beratungen eingebracht wurden. ›In der Wunschliste ... sind daneben Forderungen von Notenbankpräsidenten enthalten, die der Devisenkontrolle dienen sollen, Forderungen nach Daten, die die staatliche Wirtschaftsplanung erleichtern sollen, sowie Forderungen aus allgemein nationalistischen Bestrebungen insbesondere aus den Entwicklungsländern‹ (Havermann, H. 1981, S. 571). Auch engagierten Verfechtern solcher Forderungen wurde im Lauf der Zeit klar, ›daß ein großer Teil dieser Fragen entweder gar nicht oder nur am Rande mit dem Jahresabschluß zu tun hat‹ (Havermann, H. 1988, S. 616).

Die seit jeher vom Berufsstand der Abschlussprüfer und -ersteller (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 170) vorgetragene Skepsis gegenüber zwischenstaatlicher Harmonisierung scheint sich demnach – zumindest in Bezug auf die Bestrebungen der UN und in graduell abgeschwächter Ausprägung auch auf die OECD – zu bewahrheiten: ›Harmonization achieved through a unified private sector body will be more efficient and effective in the long run than the confusion that could result if multiple and conflicting reporting requirements are mandated by various governmental groups‹ (Cummings, J. P./Chetkovich, M. N. 1978, S. 57). Ähnlich äußert sich Burggraaff (J. A. 1982, S. 110), der sich entschieden gegen eine Harmonisierung durch Regierungsvertreter ausspricht und die Befürchtung äußert, die Accounting Profession könne Terrain verlieren; ›The politicians, unhampered by professional skills, will grab the subject and tell accountants how to present financial statements on the basis of worldwide standards with strong political overtones‹.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die Empfehlungen der Ad-hoc-Arbeitsgruppe zur Modifizierung des § 43 Vorschlag eines Verhaltenskodexes der UN (›public information disclosure‹) wurden von der zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe ›Verhaltenskodex‹ der Kommission für transnationale Unternehmen nicht übernommen (vgl. Choi, F. D. S./Mueller, G. G. 1992, S. 281 ff.). Diese parallel agierende zwischenstaatliche Arbeitsgruppe verfolgt (s. o. sowie HdR-E, Kap 1, Rn. 135 f.) das Primärziel der Kommission für transnationale Unternehmen, die Formulierung eines Verhaltenskodexes. Zu diesem Zweck kooperierte sie bzgl. der Offenlegungsfragen mit der Ad hoc Intergovernmental Group.

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