Küting/Weber, Handbuch der ... / cc) Das besondere Beziehungsgeflecht von IFAC und IASB
 

Rn. 211

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die Gründung der beiden weltweiten Organisationen des Berufsverbands stehen in ursächlichem Zusammenhang mit dem Weltkongress in Sydney. Die enge Verbindung offenbarte sich insbes. in dem (Abhängigkeits-)Verhältnis des damaligen IASC vom ICCAP, der direkten Vorgängerorganisation der IFAC. Das damalige IASC agierte allerdings stets organisatorisch und finanziell selbstständig, d. h., ›ICCAP did not involve itself in the operations of IASC‹ (Chetkovich, M. N. 1979, S. 19). Die enge Beziehung beider Organisationen war Gegenstand mehrjähriger Diskussionen. Zumal ›die Zielsetzungen beider Organisationen ineinander übergreifen‹ (Lanfermann, J. 1978, S. 4), äußerte die IFAC anlässlich ihrer Gründung – wohl auch aus dem Gedanken der ICCAP-Nachfolge – den Wunsch einer engen Kooperation mit dem IASC. Das IASC seinerseits begrüßte die Gründung der IFAC, mit der es ›harmonisch – unter Vermeidung von Doppelarbeit – zusammenarbeiten‹ (Lanfermann, J. 1978, S. 4) wollte. M. a. W., die mit dem ICCAP und dem damaligen IASC begonnene Arbeitsteilung von Richtlinien bzgl. der Berufspraxis einerseits und Standards zur externen RL andererseits sollte beibehalten werden. Beide Organisationen stehen in engem Kontakt, operieren aber selbstständig. Die Satzung der IFAC erkennt daher das IASC bzw. IASB konsequenterweise als das ›international accounting standards-setting body‹ (Chetkovich, M. N. 1979, S. 19) an.

 

Rn. 212

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die bereits 1977 anlässlich der Gründung der IFAC geäußerte Idee einer anderen ›Form gemeinsamer Betätigung‹ (Goerdeler, R. 1978, S. 45; vgl. auch Chetkovich, M. N. 1979, S. 19) von IASC und IFAC mündete mit Wirkung vom 01.01.1983 in die Wirksamkeit gegenseitiger Verpflichtungserklärungen (›mutual commitments‹), die im Oktober 1982 von den Mitgliedern beider Organisationen ratifiziert wurden. Entspr. wurde vereinbart, dass (vgl. IFAC 1977, sec. 2, S. 15 ff.; IASC 1982; Chandler, R. A. 1992, S. 223 f.)

(1) beide Organisationen identische Mitglieder (für IASC- bzw. IASB-Mitglieder galt bis 1984 eine Übergangszeit) haben (inzwischen nicht mehr gültig);
(2) das IFAC-Council fünf der 19 Treuhänder der (heutigen) IASC Foundation bestellt;
(3) das IASB dem IFAC-Council jährlich berichtet;
(4) die IFAC die Autonomie des IASB bzgl. der Verabschiedung von Accounting Standards anerkennt;
(5) die IFAC die Arbeit des IASB unterstützt und von ihren Mitgliedsorganisationen verlangt, ebenso zu verfahren;
(6) die IFAC einen Teil des jährlichen Haushaltsbudgets des IASB bestreitet (damals 10 v. H.);
(7) der IFAC-Präsident oder sein Stellvertreter an den IASB-Sitzungen teilnehmen darf; ihm steht das Rede- nicht aber das Stimmrecht zu; dieselben Rechte hat der IASB-Chairman in Bezug auf IFAC-Council-Sitzungen.

Die im Jahr 1982 beabsichtigte personelle und organisatorische Verflechtung gilt, selbst nach der Neuorganisation des damaligen IASC zum IASB (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 179 ff.), i. W. noch heute.

 

Rn. 213

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die Diskussion um die Fusion von IFAC und dem damaligen IASC lebte insbes. in den 1980er Jahren erneut auf. In erster Linie scheint die Abgrenzung zwischen beiden Schwesterorganisationen, auch als Zwillingsorganisationen bezeichnet, einer Vielzahl von Accountants Probleme zu bereiten. ›People ask ›What is the relationship‹ and ›Why?‹› (Sempier, B. 1985, S. 7; s. a. Chandler, R. A. 1990, S. 84). IASC und IFAC ›currently operate separately but in close consultation, each serving an entirely different constituency‹ (Kirkpatrick, J. 1988, S. 17). Diese Unsicherheit hinsichtlich der Tätigkeit beider Organisationen führte abermals zu Fusionsforderungen, die auf dem Weltkongress im Oktober 1987 in Tokio in die Einsetzung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mündete, die nach dem australischen Sitzungsleiter als sog. Bishop (Working) Party bezeichnet wurde. Diese Task Force sollte die Zielsetzungen, die Arbeitseffektivität sowie die Beziehung von IFAC und IASC zueinander überprüfen. Es waren Zweifel darüber laut geworden, ob wirklich eine Notwendigkeit für die Beibehaltung zweier berufsständischer Organisationen bestehe. Darüber hinaus sei die Öffentlichkeit durch das parallele Auftreten von IFAC und IASC auch eher verwirrt. Als weiteres Argument für eine Fusion wurde der Bekanntheitsgrad von IFAC vorgebracht, der selbst bei den Accountants deutlich unter dem des IASC liege. Letztlich sei noch angeführt, dass gerade in den USA der Sitz des IASC bzw. IASB in London beargwöhnt wird, zumal die US-GAAP und die britischen Statements on Standard Accounting Positions (SSAP) und Financial Reporting Standards (FRS) durchaus zu abweichenden Ergebnissen bzgl. desselben Bilanzierungssachverhalts führen können. Insofern arbeitete die SEC u. a. darauf hin, den Sitz wenigstens auf neutrales Territorium, d. h. nach Kanada oder nach Frankreich, zu verlegen. Diese Überlegungen gingen den Beratungen der Bishop Party voraus und waren somit neben den o. g. Aufgabenstellungen ein weiter...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge