Küting/Weber, Handbuch der ... / c) Summenmussfelder
 

Rn. 544

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Als Summenmussfelder werden Oberpositionen bezeichnet, die hierarchisch über rechnerisch verknüpften Mussfeldern stehen. Die Verpflichtung zur Übermittlung dieser Positionen resultiert aus der Pflicht zur Übermittlung der darunter befindlichen, rechnerisch verknüpften Mussfelder (vgl. BMF 2011a, Rn. 14). Nach Ansicht der Finanzverwaltung handelt es sich bei Summenmussfeldern um strukturelle Mussfelder, die aufgrund des fehlenden Informationsgehalts keine eigenständige Bedeutung haben. Das Rechenergebnis kann somit auch softwareseitig befüllt werden (vgl. Hülshoff, M. 2010, S. 11ff.). Hierdurch werden zum einen die rechnerische Richtigkeit und zum anderen die Vollständigkeit des Datensatzes sichergestellt (vgl. Technischer Leitfaden zur Verwendung der Pilotierungs-Taxonomie, Tz. 11, S. 18). Beispielhaft sei die Position "Kasse" betrachtet, die als Mussfeld mit optionalem Kontennachweis gekennzeichnet ist. Aus der Pflicht zur Übermittlung dieser Position ergibt sich – wie in der folgenden Übersicht dargestellt – die Pflicht zur Übermittlung des Summenmussfelds "Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks".

Übersicht: Beispiel für ein Summenmussfeld

Hinsichtlich der Funktion von Summenmussfeldern ist der Ansicht der Finanzverwaltung grds. zu folgen. Im Regelfall besitzt das Summenmussfeld keine eigenständige Bedeutung, sondern spiegelt lediglich die Summe der darunter befindlichen Positionen wider. Im vorliegenden Bsp. wäre dies der Fall, wenn sowohl das Mussfeld "Kasse" als auch das Summenmussfeld "Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks" den Wert 1.000 Euro aufweisen würden. Wird hingegen auf Mussfeld-Ebene (im vorangegangen Bsp. wäre dies die Position "Kasse") ein NIL-Wert übermittelt, so muss das Summenmussfeld zumindest mit NIL übermittelt werden. Ausnahmsweise kann für das Summenmussfeld aber auch ein von NIL abweichender Wert übermittelt werden, da nach der derzeitigen Umsetzung durch die NIL-Übermittlung des Mussfelds die Rechenregel der Oberposition keine Gültigkeit besitzt. Hierdurch erlangt das Summenmussfeld eine eigenständige Bedeutung. Einen solchen Fall beschreibt die Finanzverwaltung auch in den FAQ zur E-Bilanz. Gem. der Taxonomie ist die GuV-Position "Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren" (Summenmussfeld) in "Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe" (Summenmussfeld) und "Aufwendungen für bezogene Waren" (Summenmussfeld) zu zerlegen und anschließend weiterhin nach Umsatzsteuertatbeständen zu untergliedern. Die folgende Übersicht veranschaulicht die Differenzierung dieser GuV-Position:

Übersicht: Beispiel für die eigenständige Bedeutung eines Summenmussfelds

Erfolgte nach bisheriger Buchführungspraxis keine solche Aufgliederung, so kann der gesamte Wareneinkauf der Position "Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren" und damit dem Summenmussfeld zugeordnet werden (vgl. FAQ zur E-Bilanz v. 15.06.2012, S. 12). In diesem Fall sind alle darunter liegenden Mussfelder mit ­einem NIL-Wert zu übermitteln, während das Summenmussfeld – wenn auch nur ausnahmsweise – aufgrund des Informationsgehalts eine eigenständige Bedeutung erlangt. Da Summenmussfelder stets zu übermitteln sind und u. U. eine eigenständige Bedeutung ­haben können, stellen sie u. E. eine besondere Ausprägung des Mussfelds dar. Entgegen der Aussage der Finanzverwaltung sind Summenpositionen damit de facto ebenfalls Bestandteil des Mindestumfangs gem. § 5b EStG i. V. m. § 51 Abs. 4 Nr. 1b EStG (vgl. Richter, L./Kruczynski, M./Kurz, C. 2010a, S. 2491).

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