Küting/Weber, Handbuch der ... / c) Planmäßige Abschreibung
 

Rn. 146

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Nach Maßgabe des allg. steuerrechtlichen Bewertungsvorbehalts (vgl. § 5 Abs. 6 EStG) richtet sich die Vornahme planmäßiger und außerplanmäßiger AfA in der StB nach den steuerrechtlichen Bewertungsvorgaben der §§ 6, 7 EStG (sowie den speziellen Vorschriften der §§ 7a bis 7k EStG), darüber hinaus nur subsidiär auch nach handelsrechtlichen Bewertungsgrundsätzen. Der in § 253 Abs. 3 Satz 1 verankerten handelsrechtlichen Verpflichtung, bei abnutzbaren VG des AV planmäßige AfA vorzunehmen, stehen steuerrechtlich etwa die zwingenden Regelungen des § 7 EStG über die AfA bzw. AfS gegenüber. Daneben können insbes. im Hinblick auf Wahlrechte bzgl. der Methode planmäßiger AfA gem. § 7 EStG sowie der Zulässigkeit eines Methodenwechsels (vgl. § 7 Abs. 3 EStG) ebenso wie bzgl. steuergesetzlicher Vorgaben betr. die Höhe der degressiven AfA (vgl. § 7 Abs. 2 Satz 2 EStG) Abweichungen auslösen (vgl. dazu auch HdR-E, Kap 3, Rn. 263 ff.).

aa) Gebäude

 

Rn. 147

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Die steuerlichen AfA-Regelungen gehen durchgehend typisierend vor. Für Gebäude ist gem. § 7 Abs. 4 f. EStG – je nach Nutzung und Zuordnung zum BV oder PV – von einer typisierten ND von 25 – 50 Jahren auszugehen. Für neu angeschaffte oder hergestellte Gebäude kommt nur die lineare AfA in Betracht (vgl. § 7 Abs. 4 EStG). Für neue Gebäude des BV, die nicht Wohnzwecken dienen, ist eine typisierte ND von 33,3 Jahren, im Übrigen von 50 Jahren zugrunde zu legen. Handelsrechtlich ist demgegenüber die betriebsgewöhnliche ND nach vernünftigem kaufmännischen Ermessen maßgebend. Die betriebsgewöhnliche wird regelmäßig nicht der steuerlich typisierten ND entsprechen, handelsrechtlich Anlehnung an die steuerlich typisierte ND ist gleichwohl nicht ausgeschlossen. Abweichungspotenzial resultiert auch aus der vom IDW handelsrechtlich für zulässig befundenen komponentenweisen AfA (vgl. IDW RH HFA 1.016, S. 362 f.; HdR-E, Kap 3, Rn. 301 ff.). Darüber hinaus kann die AfA-Bemessungsgrundlage insbes. dann abweichen, wenn einseitige steuerliche Subventions- oder Billigkeitswahlechte, wie etwa § 6b EStG, R 6.6 EStR in Anspruch genommen werden, die handelsrechtlich nicht mehr nachvollzogen werden dürfen oder duale Wahlrechte abweichend ausgeübt werden können, wie etwa im Fall der Abbildung von Investitionszuschüssen (vgl. auch HdR-E, Kap 3, Rn. 232 ff., 261 f.).

bb) Geschäfts- oder Firmenwert

 

Rn. 148

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Während in der Ansatzfrage mit der VG-Fiktion des GoF durch § 246 Abs. 1 Satz 4 (und der aus dem Vollständigkeitsgebot des § 246 Abs. 1 Satz 1 resultierenden Aktivierungspflicht) sowie der steuerlichen Qualifikation des entgeltlich erworbenen GoF als immaterielles WG (vgl. BFH-Urt. v. 24.03.1987, I R 202/83, BStBl. II 1987, S. 70; Weber-Grellet 2015a, § 5 EStG, Rn. 222 f.) im Ergebnis Parallelität zwischen HR und StR besteht, weicht die planmäßige (Folge-)Bewertung i.d.R. ab.

 

Rn. 149

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Der derivative GoF ist handelsrechtl. als zeitlich begrenzt nutzbarer fiktiver VG (vgl. § 246 Abs. 1 Satz 4) nach Maßgabe seiner geschätzten individuellen betrieblichen ND abzuschreiben. Gründe für eine planmäßige AfA über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren sind für bis zum 31.12.2015 beginnende GJ im Anhang anzugeben (vgl. § 285 Nr. 13). Mit dem für GJ, die nach dem 31.12.2015 beginnen, anzuwendenden Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes (BilRUG) v. 17.07.2015 (BGBl. I 2015, S. 1245) löst sich das HGB von dieser Fünfjahresfrist. § 253 Abs. 3 Satz 3 f. (n. F.) ordnet eine planmäßige AfA über einen Zeitraum von zehn Jahren an, wenn die ND des entgeltlich erworbenen GoF nicht verlässlich geschätzt werden kann, was typischerweise der Fall sein dürfte (vgl. Theile, C. 2015, S. 643). Der Gesetzgeber nutzt damit den durch Art. 12 Abs. 11 der Bilanz-R 2013/34/EU v. 26.06.2013 (ABl. EU, L 182/19) vorgegebenen Spielraum von mind. fünf, max. zehn Jahren maximal aus. § 285 Nr. 13 (n. F.) fordert nunmehr generell, d. h. auch bei Unterschreitung der Fünfjahresfrist, eine Erläuterung des Zeitraums, über den ein entgeltlich erworbener GoF abgeschrieben wird. Bei Rückfall auf die Zehnjahresfrist des § 253 Abs. 3 Satz 4 ist ein entspr. Verweis, dass die voraussichtliche ND nicht verlässlich geschätzt werden kann, hinreichend (vgl. Theile, C. 2015, S. 646).

 

Rn. 150

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Steuerlich ist der planmäßigen AfA eine typisierte ND von 15 Jahren zugrunde zu legen (vgl. § 7 Abs. 1 Satz 3 EStG). Der 15-jährige AfA-Zeitraum ist grundsätzlich zwingend, Ausnahmen kommen nur bei offensichtlich unzutreffender Besteuerung in Betracht (vgl. BFH v. 28.09.1993, VIII R 67/92, BStBl. II 1994, S. 449). Die handelsrechtlich maßgebende individuelle betriebliche ND ist dabei unabhängig vom Steuerrecht zu beurteilen, eine AfA über 15 Jahre unter bloßem Hinweis auf § 7 Abs. 1 Satz 3 EStG und damit auf die steuerlich typisierte Nutzungsdauer ist nicht ausreichend (vgl. BT-Drucks. 16/10067, S. 70). Die bei fehlender verlässlicher Schätzung handelsrechtlich gem. § 253 Abs. 3 Satz 3 f...

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