Küting/Weber, Handbuch der ... / c) Die Fédération des Experts Comptables Européens (FEE)
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Bereits vor dem weltweiten Zusammenschluss der Accountants zur IFAC arbeiteten die Accountants länderübergreifend zusammen. Mit Ausnahme der AISG waren diese Aktivitäten allerdings regional und nicht international geprägt. Auch nach der Schaffung des weltweiten Dachverbands blieben diese regionalen Organisationen (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 241) bestehen. Die Unterstützung sowie die Förderung der Entwicklung solcher Berufsverbände zählt heute u. a. zu den Zielsetzungen der IFAC.

Drei wesentliche Berufsorganisationen regionaler Prägung bedürfen aufgrund ihrer überregionalen Bedeutung einer gesonderten Hervorhebung. Ihnen ist gemeinsam, dass sie bereits über Jahrzehnte tätig sind und deutlich vor der Gründung des weltweiten Accountantsverbunds IFAC ihre Arbeit aufnahmen:

(1) die Fédération des Experts Comptables Européens (FEE; in Rechtsfortführung der UEC und der Groupe d'Etudes),
(2) die Interamerican Accounting Association (IAA) und
(3) die Confederation of Asian and Pacific Accountants (CAPA).

Alle Organisationen veranstalten Konferenzen zu RL-Fragen und verfolgen die Zielsetzung der Harmonisierung von RL- und Prüfungsstandards in ihren Regionen. Dabei kommt allen Zusammenschlüssen ein bedeutender Einfluss zu. Bzgl. der Ableitung von RL-Standards wurden diese Aktivitäten aber immer deutlicher zugunsten der Standards des damaligen IASC zurückgestellt. Die IAA (vor 1975 unter dem Namen ›InterAmerican Accounting Conference‹ agierend) ›has a Western Hemisphere orientation and thus is comprised of North and South American accounting bodies‹ (Choi, F. D. S./Mueller, G. G. 1978, S. 169; vgl. auch Mueller, G. G. 1979, S. 8). Auch die CAPA trat früher unter einem anderen Namen in Erscheinung – als Asian and Pacific Accounting Convention. Die allg. Zielsetzungen werden bei allen drei regionalen Organisationen z. T. von lokalen RL-Problemen überlagert, wie die Thematik der bilanziellen Erfassung der Inflation (CAPA; IAA) oder der speziellen RL-Fragen in der EU (FEE) verdeutlichen (vgl. Macwhinnie, G. M. 1978, S. 53 f.; Matheu, L. M. 1978, S. 58). Während sich sowohl die CAPA als auch die IAA seit ihren Gründungen als Einzelorganisationen fortentwickelten, entstand die FEE 1986 mittels Fusion der UEC und der Groupe d'Etudes. ›The development of similar regional cooperations in other areas would be helpful‹ (Cummings, J. P./Chetkovich, M. N. 1978, S. 58). Bestrebungen dieser Art bestehen sowohl mit dem African Accounting Council (ACC) in Afrika als auch der Arab Society of Certified Accountants (ASCA) in der arabischen Welt (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 241).

aa) Die Vorgängerorganisationen der FEE

aaa) Die Union Européenne des Experts Comptables Economiques et Financiers (UEC)

 

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Die UEC wurde am 17.11.1951 in Paris gegründet und nach französischem Vereinsrecht eingetragen. Sie vertrat – insbes. nach dem Beitritt der angelsächsischen Länder – den europäischen Berufsstand. Zu den Gründungsmitgliedern zählten das IDW sowie die WPK in Berlin. Bis zur Fusion mit der Groupe d'Etudes zur FEE im Jahr 1986 hatte die UEC ihren Sitz in Paris; 1965 wurde darüber hinaus ein Generalsekretariat in München eingerichtet (vgl. ­Havermann, H. 1975, S. 6 f.). Ursprünglich bestand das wesentliche Ziel der UEC in dem Ansinnen, ›einen praktischen Beitrag zum Aufbau eines vereinten Europas zu leisten‹ (Reydel, A. 1978, S. 48). Satzungsgemäß verfolgte die UEC die Zielsetzungen

(1) des Meinungsaustauschs insbes. über Fragen der Bilanztechnik und der Bilanzprüfung;
(2) der Fortentwicklung der RL;
(3) der Überprüfung der Berufsgrundsätze in den einzelnen Mitgliedstaaten;
(4) der Förderung jedweder Aktivitäten, die zur Schaffung eines gemeinsamen Standesbewusstseins beitragen (vgl. Reydel, A. 1978, S. 48; UEC 1974, S. 75).

Der Adressatenkreis der UEC-Tätigkeit sollte dabei nicht auf den Berufsstand der Accountants begrenzt sein. Dieser war vielmehr um ›andere verwandte Berufsgruppen, wie z. B. die Finanzanalysten, sowie die Universitäten mit ihren Lehrern und Studenten, die Unternehmensleitungen, die nationalen und supranationalen Behörden und – die Gesellschaft als Ganzes‹ (Pougin, E. 1975, S. 3) erweitert worden und wies damit große Deckungsbereiche zum Adressatenkreis des damaligen IASC auf.

 

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Die Mitgliederversammlung (Assemblée des Délégués) war das oberste UEC-Organ, das u. a. veröffentlichte Empfehlungen (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 223) zuvor offiziell verabschiedete. Die Assemblée des Délégués stand ein von ihr durch Wahl besetztes Exekutivkomitee (Comité Exécutif), das geschäftsführende Aufgaben wahrnahm, sowie das Generalsekretariat zur Seite. Die fachliche Arbeit wurde auch bei der UEC von (insgesamt zehn ständigen) Fachkommissionen (vgl. folgende Übersicht; Tempelaar, A. F. 1972, S. 109; Pougin, E. 1975, S. 3) für verschiedene Bereiche durchgeführt. ›Standing committees of UEC ... (were, d. Verf.) active and have established themselves as a strong international accounting force‹ (Mueller, G. G. 1979, S. 9). Die Ausrichtung regelmäßiger Kongresse (alle vier Jahre) und Arbei...

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