Küting/Weber, Handbuch der ... / bbb) Die Groupe d'Etudes des Experts Comptables de la C. E. E. (Groupe d'Etudes)
 

Rn. 225

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Als Reaktion auf die Unterzeichnung des Rom-Vertrags (1957), mit dem die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) als dritte Gemeinschaft neben der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) sowie der Euratom entstand, richtete die UEC 1958 eine Arbeitsgruppe ›EWG‹ ein. Die Notwendigkeit zur Einsetzung dieses Gremiums leitete sich aus den unterschiedlichen Mitgliedern von UEC einerseits und EWG andererseits her. Die Arbeitsgruppe agierte selbstständig, stand jedoch unter der Schirmherrschaft der UEC (vgl. Perridon, L. 1976, S. 222). 1961 ging anlässlich des UEC-Kongresses in Zürich aus der Arbeitsgruppe ›EWG‹ die Groupe d'Etudes des Experts Comptables de la C. E. E. (Groupe d'Etudes) hervor (vgl. Perridon, L. 1976, S. 222; Kramer G. J. 1978, S. 62), ›a specialist organisation ... to deal exclusively with EC affairs‹ (Nordemann, H. H. J. 1991, S. 68). Dieser freiwillig gebildete Arbeitskreis aus Mitgliedern des wirtschaftsprüfenden und beratenden Berufsstands sowie der Abschlussersteller, der oftmals auch als Studiengruppe bezeichnet wurde, sollte die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Kommission, dem Parlament mit Wirtschafts- und Sozialausschuss sowie dem Rat der EG (heute EU) ›in den Angelegenheiten ... vertreten, die im Zusammenhang mit der Verwirklichung des Rom-Vertrages die Berufsausbildung und die Berufsausübung betreffen‹ (Havermann, H. 1975, S. 8). Mitglieder sind jeweils die Berufsorganisationen aus den zuerst sechs und späteren neun Mitgliedstaaten der EG (die Süderweiterung hatte keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Studiengruppe).

 

Rn. 226

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die Mitgliederversammlung bildete auch bei der Groupe d'Etudes das oberste Organ, dem für die lfd. Verwaltungsarbeit ein ›Bureau‹ zur Seite steht. ›Die eigentliche Facharbeit wird vom sog. Bureau Elargi geleistet, das, da es nach außen hin am meisten in Erscheinung tritt, häufig vereinfachend mit der Groupe d'Etudes gleichgesetzt wird‹ (Havermann, H. 1975, S. 9; Herv. d. d. Verf.). ›Die der Studiengruppe angehörenden Berufsorganisationen haben keine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet‹ (Kramer, G. J. 1978, S. 62). Allerdings schrieb die 1972 verabschiedete Geschäftsordnung die Zielsetzung der Arbeitsgruppe folgendermaßen fest: ›Untersuchung der Probleme, die sich auf die Tätigkeiten der Experts Comptables im Rahmen der EG beziehen und Formulierung von Verlautbarungen über die Probleme für die Organe der Gemeinschaft‹ (Kramer, G. J. 1978, S. 62). Das Tätigkeitsfeld der Groupe d'Etudes war breit angelegt und bezog sich neben Verlautbarungen zu allen Rechtsakten (Richtlinien, Verordnungen und Stellungnahmen; vgl. zu den Wirkungen einzelner Rechtsakte ausführlich Küting, K./Hayn, S. 1993a, S. 589 f.) betr. die Harmonisierung des Gesellschafts- und Berufsrechts auch auf stl. Richtlinien. Hier konnte die Studiengruppe ›in zweifacher Weise Einfluß nehmen:

(1) durch direkte Kontakte mit der Kommission im Vorbereitungsstadium von Richtlinien,
(2) durch Formulierung von Stellungnahmen zu Entwürfen, die dem Ministerrat zugeleitet werden‹ (Kramer, G. J. 1978, S. 63).

Dabei stand die Beratung der Kommission betr. aller den europäischen Berufsstand der Accountants berührenden Fragestellungen im Vordergrund der Aufgaben der Groupe d'Etudes. Diese Aufgabenstellung grenzte die Studiengruppe gleichzeitig von der UEC ab, da Letztere nicht nur die Mitgliedstaaten der Gemeinschaft, sondern ganz Westeuropa vertritt (vgl. Pougin, E. 1975, S. 4; Shearer, J. F. 1976, S. 210).

 

Rn. 227

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Ihre Stellungnahmen richtete die Studiengruppe grds. an das Europäische Parlament bzw. den Wirtschafts- und Sozialausschuss, die bis zur Einheitlichen Europäischen Akte regelmäßig in den Rechtsetzungsprozess eingebunden waren. I. R. d. Prozesses konnten diese Einfluss auf die Kommission nehmen. Die einschlägige Erfahrung hatte gezeigt, dass ausschließlich einstimmige Stellungnahmen seitens der Groupe d'Etudes Wirkung entfalteten. Somit lastete auf der Gruppe ein besonderer Druck der Konsensfindung, der es unentbehrlich macht, ›daß die Delegierten in der Studiengruppe den nationalen Standpunkt verlassen, obwohl er häufig auf eine lange Tradition, auf juristische Systeme und wirtschaftliche Gegebenheiten des Landes, das sie vertreten, zurückgeht‹ (Kramer, G. J. 1978, S. 64).

Die Groupe d'Etudes ›was strongly influenced by the U.K. and the Netherlands – both very sophisticated countries with respect to accounting. The unofficial nature of GE eventually caused its demise, since continental bureaucracies had difficulty dealing with off-line inputs‹ (Choi, F. D. S./Mueller, G. G. 1992, S. 64).

 

Rn. 228

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Nicht mit der Studiengruppe (Groupe d'Etudes) der europäischen Accountants zu verwechseln, ist eine zweite spezielle Studiengruppe, die Groupe d'Etudes Droit des Sociétés des Experts Comptables de la C. E. E., die von 1965 bis 1970 tätig war (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 143). ...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge