Küting/Weber, Handbuch der ... / bb) Umsetzung der Zielsetzung
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die IOSCO hat sich zum Ziel gesetzt, den grenzüberschreitenden Kap.-Verkehr zu erleichtern. Diesbzgl. werden u. a. Anforderungen, die an einheitliche RL- und Prüfungsvorschriften zur erstmaligen Börsenlistung wie auch zur kontinuierlichen Berichterstattung zu stellen sind, formuliert. Als eigenständiger Standard Setter will die IOSCO allerdings nicht agieren. Vielmehr versucht sie durch Mitwirkung und Einflussnahme im IASB wie auch in der IFAC, ihre Interessen zu vertreten.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Diesbzgl. hat die IOSCO die Prüfungsleitsätze der IFAC im Oktober 1992 anerkannt. Demnach sind ausländ. JA, die auf der Basis der IFAC-Standards (ISA; vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 210) geprüft und testiert wurden, grds. ›acceptable for securities offerings by corporations on exchanges other than in the home country of the offeree‹ (United Nations 1994, S. 18; vgl. auch Deutsche Börsen 1992, S. 110; IOSCO 1992, S. 6). Dieser Unterstützungsempfehlung sind zahlreiche Börsenaufsichtsbehörden nachgekommen. Die Hervorhebung einzelner Passagen in den ISA nach der offiziellen IOSCO-Unterstützung führt derzeit jedoch zu Verzögerungen bei der Umsetzung des bereits erreichten Standards. IOSCO besteht auf der Anwendung der Ursprungsfassung und behält sich die Unterstützung der Version nach der Formalanpassung vor. Sie sieht in der Hervorhebung mittels Fettdruck (sog. ›black lettering‹) auch eine mögliche materielle Änderung der ursprünglich unterstützten Fassung. Die geänderte Version wird einem ›critical review‹ (IOSCO 1993, S. 6; s. a. Biener, H. 1995, S. 92) unterzogen und wurde noch nicht offiziell unterstützt und empfohlen. Mittels dieser Vorgehensweise sollen zwei Effekte erreicht werden: entweder wird der bisherige Fettdruck wieder zurückgenommen oder weitere, von der Working Party No. 1 ebenfalls als wichtig erachtete Passagen werden ebenfalls durch Fettdruck hervorgehoben.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Einen weiteren wesentlichen Impuls für die Bemühungen der IOSCO, einheitliche landesübergreifende Standards für die Kapitalmarktkommunikation zu setzen, brachte die strategische Kooperation mit dem damaligen IASC (heute: IASB). Aus Anlass der bereits im Jahr 1987 mit dem IASC vereinbarten Zusammenarbeit wurde vom Technischen Komitee ein Subcommittee Accounting and Auditing bei der Working Party No. 1 mit den Mitgliedern Kanada, Frankreich, Großbritannien und den USA (vgl. Biener, H. 1997, S. 400) mit der Aufgabe gebildet, unmittelbar mit dem IASC zusammenzuarbeiten. Die Zusammenarbeit ermöglichte es, die divergierenden Grundausrichtungen beider Organisationen aufeinander abzustimmen: Während dem IASC als privatrechtliche Organisation keine rechtlichen oder quasi-rechtlichen Möglichkeiten der Durchsetzung ihrer RL-Standards zur Verfügung standen, konnte die IOSCO kein eigenes Normensystem aufweisen, das einer kapitalmarktorientierten Bilanzierung zugrunde hätte liegen können. Doch trotz fehlendem juristischen Mechanismus zur Durchsetzung lässt die zunehmende Internationalisierung der Kap.-Märkte der IOSCO enorme faktische Bedeutung zukommen, zumal die Einbindung der staatlichen Zulassungsbehörden als ›regulatory members‹ die faktische Bindungswirkung der IOSCO-Empfehlung nachhaltig erhöht. Ihr Einfluss geht folglich weit über die bloße privatrechtliche Verabschiedung von zu unterstützenden Empfehlungen hinaus.

In diesem Zusammenhang stellte die IOSCO im Jahr 1987 in Aussicht, dass IAS/IFRS-konforme Abschlüsse als internationale Börsenzulassungsvoraussetzung akzeptiert werden könnten (vgl. Fuchs, M./ Stibi, B. 2000, S. 2; vgl. zum Hintergrund der Entwicklung HdR-E, Kap 1, Rn. 186 ff.). Während zunächst lediglich IAS 7 (Kapitalflussrechnungen) im Jahr 1993 anerkannt wurde, entschied sich die IOSCO, die Standards en bloc und nicht mehr einzeln anzuerkennen. Insbes. legte die IOSCO eine Liste mit wesentlichen Problemfeldern vor, die durch sog. Core International Accounting Standards (Herzstücke/Kernbereiche der Bilanzierung und Bewertung; vgl. folgende Übersicht) abzudecken seien, bevor eine vollständige Anerkennung der IAS erfolgen könnte. The Core Standards ›are being considered by the working Party on a ›package‹ basis and it is hoped that eventually they would be recognized by members of the Technical Committee for use in connection with cross-border offerings and multiple listings‹ (IOSCO 1993, S. 6). Im Jahr 1995 einigten sich beide Organisationen auf ein Arbeitsprogramm mit dem Ziel der Fertigstellung der Core Standards, an dessen Durchführung die IOSCO aktiv durch Stellungnahmen zu Standardentwürfen teilnahm (vgl. Fuchs, M./Stibi, B. 2000, S. 2). Inzwischen sind die verlangten Standards vom IASC vollständig erarbeitet und verabschiedet worden, der letzte ausstehende Standard zu Immobilien, die als Finanzinstrumente gehalten werden (IAS 40), ist im März 2000 verabschiedet worden.

 
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