Küting/Weber, Handbuch der ... / bb) Disagio
 

Rn. 205

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Für den Unterschiedsbetrag zwischen Erfüllungs- und Ausgabebetrag bei Kreditgewährung (Disagio) greift handelsrechtlich das Aktivierungswahlrecht des § 250 Abs. 3. Das Disagio verkörpert wirtschaftlich eine Vorleistung für eine zeitraumbezogene, in der Kapitalnutzung bestehende Gegenleistung. Im Hinblick auf den fraglos gegebenen Zeitraumbezug der Gegenleistung ist es verwunderlich, dass speziell dieses Aktivierungswahlrecht im Zuge der BilMoG-Bilanzreform unangetastet blieb. In der StB hat der Schuldner das Disagio seinem wirtschaftlichen Gehalt entspr. als RAP zu aktivieren (vgl. § 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG) und diesen entsprechend des Zinscharakters über den Zinsbindungszeitraum (vgl. BFH-Urt. v. 21.04.1988, IV R 47/85, BStBl. II 1989, S. 722; H 6.10 EStH) – bei vorzeitiger Darlehensrückzahlung entspr. vorzeitig – erfolgswirksam aufzulösen (vgl. BFH-Urt. v. 12.07.1984, IV R 76/82, BStBl. II 1984, S. 713). Abweichungen resultieren, wenn handelsrechtlich auf eine Aktivierung verzichtet wird.

 

Rn. 206

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Beim Gläubiger besteht mangels korrespondierenden handelsrechtlichen Passivierungswahlrechts keine Abweichung. Für ein einbehaltenes Disagio ist entspr. des Zinscharakters handels- wie steuerbilanziell ein passivischer RAP zu bilden (vgl. BFH-Urt. v. 08.11.1989, II R 29/86, BStBl. II 1990, S. 207; § 340e Abs. 2).

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