Küting/Weber, Handbuch der ... / bb) Die Group of Experts on International Standards of Accounting and Reporting (GEISAR)
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die oberste Priorität wurde der Erarbeitung des Verhaltenskodexes für transnationale UN zuteil. Dieser Verhaltenskodex sollte 1979 von der UN-Hauptversammlung verabschiedet werden und verpflichtende Normen für transnationale UN enthalten. Als einen ersten Schritt setzte die Kommission im Frühjahr 1976 eine gesonderte Expertengruppe ein, ›deren Aufgabe darin besteht, eine Liste von Minimalanforderungen zu erstellen über die Informationen, die in den Berichten multinationaler Unternehmen und ihrer Tochtergesellschaften enthalten sein sollen‹ (Sahlgren, K. A. 1977, S. 545; vgl. auch HdR-E, Kap 1, Rn. 135 ff. zur 1977 geschaffenen Arbeitsgruppe ›Verhaltenskodex‹). GEISAR sollte durch diese fachliche Tätigkeit die Kommission transnationale Unternehmen unterstützen.

Die Einsetzung einer derartigen Gruppe wurde erstmals von der Group of Eminent Persons empfohlen. ›In its report that Group noted a serious lack of both financial and non-financial information in usable form on the activities of transnational corporations and the limited comparability of corporate reports‹ (United Nations 1977a, S. 6). I. W. auf drei vom UNCTC vorbereiteten Arbeitspapieren (vgl. United Nations 1977; United Nations 1977a, S. 20) basierend, bezog die Expertengruppe in ihre Beratungen die bereits vorliegenden Arbeiten internationaler Organisationen, insbes. des IASC, der OECD sowie der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vollständig ein. ›But it felt that its own task was broader and that it needed to extent the scope of general purpose reporting beyond that of financial information on which these other bodies had focused‹ (Sahlgren, K. A. 1977, S. 547; vgl. United Nations 1977, S. 37). Dabei sollte die Expertengruppe die folgenden drei Zielsetzungen verfolgen (vgl. auch United Nations 1977a, S. 17):

(1) Durchsicht und Zusammenstellung der Bilanzierungspraxis transnationaler UN sowie der Berichterstattungserfordernisse unterschiedlicher Staaten;
(2) Benennung (Identifizierung) von Informationslücken in der bestehenden RL sowie Untersuchung der Anwendbarkeit unterschiedlicher Vorschläge zur verbesserten Berichterstattung;
(3) Empfehlung einer Liste zu veröffentlichender Minimalpositionen des EA sowie KA und eine Definition dieser Posten unter Berücksichtigung der Empfehlungen anderer mit dieser Materie befasster Organisationen.

Die Aktivitäten von GEISAR müssen in diesem Zusammenhang deutlich vor dem Hintergrund weiterer, ähnlicher Aktivitäten der UN gewürdigt werden (vgl. Kröger, H. 1977, S. 527):

- der Erarbeitung eines Verhaltenskodexes für transnationale UN durch die Arbeitsgruppe ›Verhaltenskodex‹ sowie
- dem Aufbau des Centre for Transnational Corporations mit einem adäquaten Informationssystem.

Wenngleich eine weitere Arbeitsgruppe bei der Kommission für transnationale Unternehmen den Verhaltenskodex erarbeitet, wird diese dabei inhaltlich auf die von GEISAR formulierten Vorschläge bzgl. der UN-Berichterstattung zurückgreifen. Die Arbeitsergebnisse der Expertengruppe beeinflussen somit direkt die zukünftig an transnationale UN zu stellenden Informationsanforderungen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass beide Arbeitsgruppen unabhängig voneinander agieren und die GEISAR-Empfehlungen somit für die Arbeitsgruppe ›Verhaltenskodex‹ keinen bindenden Vorschlagscharakter entfalten.

Den o. g. Zielsetzungen wurde GEISAR, die sich zu zwei Sitzungen traf (1976 in Genf und 1977 in New York), durch eine Abschlussempfehlung bestehend aus vier Kapiteln und einem Anh. gerecht, der die Auflistung der Minimalanforderungen an die externe RL (KA sowie EA der Mutter- und der Tochtergesellschaften) eines transnationalen UN enthält. Zu deren Ausarbeitung wurden auf der ersten Sitzung vier weitere Arbeitsgruppen eingesetzt (vgl. i. E. United Nations 1977a, S. 18 f.).

 

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Die Ausdehnung der Berichtsanforderungen auf die nicht-finanziellen Informationen unterscheidet den Kodex der UN insbes. von den Leitsätzen der OECD, den Statements des IASB sowie den Richtlinien der EG. ›Der Schwerpunkt verschiebt sich sichtlich in Richtung ›social responsibility-accounting‹ ‹ (Eugster, C. 1978, S. 59). Die Expertengruppe verabschiedete eine Empfehlung, die rechtsformunabhängig an die Finanzinformationen des JA eines transnationalen UN zu stellen sind. Als wesentliche Basisvoraussetzungen sind hervorzuheben (vgl. Sahlgren, K. A. 1977, S. 546 ff.):

- die Erstellung eines konsolidierten Weltabschlusses;
- die Erstellung eines EA durch jedes TU sowie der Muttergesellschaft;
- die Einbeziehung assoziierter UN auf der Grundlage der Equity-Methode;
- die Aufgliederung bestimmter konsolidierter Abschlussposten nach geographischen Gebieten sowie Geschäftszweigen (zu diesem Zweck sollen innerkonzernliche Transaktionen nicht wie im Weltabschluss eliminiert werden);
- die Einbeziehung einer Kapitalflussrechnung als integraler und gleichberechtigter Bestandteil neben der Bilanz und der GuV;
- die Offenlegung der Bete...

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