Küting/Weber, Handbuch der ... / B. Miet-, Pacht- und Leasingverhältnisse (Ostermann/Hellen)

I. Begriffsabgrenzung

1. Mietverhältnisse

 

Rn. 101

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Ein Mietverhältnis wird nach § 535 BGB durch den Abschluss eines gegenseitigen schuldrechtl. Vertrags (Mietvertrag) begründet (vgl. Emmerich/Sonnenschein 2011, Vorbemerkungen zu § 535, Rn. 4; Kussmaul, H. 1987, S. 176, m. w. N.; Palandt 2013, Einf. v. § 535 BGB, Rn. 1). Der rechtl. Eigentümer der Mietsache (Vermieter) verpflichtet sich durch den Vertragsschluss, dem Mieter die Sache während der Vertragsdauer zur Nutzung zu überlassen und in Stand zu halten (vgl. § 535 Abs. 1 BGB; Glaubig, J. 1993, S. 9). Die Gegenleistung des Mieters besteht gem. § 535 Abs. 2 BGB in der Entrichtung des vertraglich vereinbarten Mietzinses. Bei Ablauf des Mietvertrags ist der Mieter darüber hinaus zur Rückgabe des Mietobjekts an den Vermieter verpflichtet. Ein Mietverhältnis ist also ein auf Gebrauchsgewährung gegen Entgelt abzielendes Dauerschuldverhältnis (vgl. Palandt 2013, Einf. v. § 535 BGB, Rn. 1).

 

Rn. 102

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

I. S. d. §§ 535ff. BGB kann es sich bei dem Mietgegenstand nur um Sachen nach § 90 BGB handeln. Eine Vermietung von Rechten ist somit ausgeschlossen (vgl. Brox, H. 2012, S. 153f.; Kussmaul, H. 1987, S. 179; Palandt 2013, § 535 BGB, Rn. 1f.).

2. Pachtverhältnisse

 

Rn. 103

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Ebenso wie ein Mietverhältnis wird ein Pachtverhältnis durch den Abschluss eines gegenseitigen schuldrechtl. Vertrags (Pachtvertrag) begründet, auf den gem. § 581 Abs. 2 BGB die Vorschriften zum Mietvertrag entspr. anzuwenden sind, sofern die §§ 582 bis 584b BGB nichts anderes bestimmen. Durch den Abschluss des Pachtvertrags verpflichtet sich der Verpächter nach § 581 Abs. 1 Satz 1 BGB, neben der Gebrauchsüberlassung des Pachtgegenstands zusätzlich dem Pächter die Früchte i. S. d. § 99 BGB aus dem Pachtobjekt zu überlassen. Als Gegenleistung hat der Pächter gem. § 581 Abs. 1 Satz 2 BGB dem Verpächter die vereinbarte Pacht zu entrichten. Bei einem Pachtverhältnis handelt es sich somit um ein Dauerschuldverhältnis, das auf die Gebrauchsgewährung und Ertragsüberlassung gegen Entgelt gerichtet ist.

 

Rn. 104

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Durch die gesetzl. kodifizierte Hauptpflicht des Verpächters, dem Pächter die Früchte i. S. d. § 99 BGB zu überlassen, kommen als Pachtgegenstände nicht nur Sachen i. S. d. § 90 BGB, sondern zusätzlich auch Rechte sowie Sach- und Rechtsgesamtheiten infrage (vgl. Kussmaul, H. 1987, S. 179; Palandt 2013, § 581 BGB, Rn. 3).

3. Leasingverhältnisse

a) Begriff und betriebswirtschaftliche Bedeutung

 

Rn. 105

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Ursprünglich entstammt der Leasingbegriff dem Englischen "to lease", das wörtlich mit "mieten" respektive "pachten" zu übersetzen ist (vgl. Jürgens, U. 1988, S. 1; Maus, G. 1996, Rn. 1). Obwohl alle Leasingverhältnisse dadurch gekennzeichnet sind, "daß es sich um eine entgeltliche Gebrauchs- oder Nutzungsüberlassung von Wirtschaftsgütern handelt" (BFH-Urt. v. 26.01.1970, BStBl. II 1970, S. 266; vgl. auch Figge, H. 2000, S. 160), bereitet die Ableitung einer präzisen Definition des Begriffs "Leasing" im deutschen Sprachgebrauch einige Schwierigkeiten (vgl. Bieg, H. 1997, S. 425; Coenenberg, A. G. 2012, S. 79). Einerseits mangelt es dem Leasingverhältnis – im Gegensatz zu Miet- und Pachtverhältnissen – an einer Legaldefinition (vgl. Arthur Andersen & Co. GmbH 1991, S. 17; Brakensiek, S. 2001, S. 172; Engel, J. 1997, Rn. 2; Kussmaul, H. 1987, S. 182; Maus, G. 1996, Rn. 2), andererseits reicht die Diversifikation der Leasingvertragsgestaltungen von reinen Miet- bis in die Nähe von Ratenkaufverträgen (vgl. Glade 1995, Teil I, Rn. 767; Glaubig, J. 1993, S. 10; Helmschrott, H. 1997, S. 1f.; Förschle/Kroner, in: Beck Bil-Komm. 2012, § 246, Rn. 37; Küting, K./Hellen, H.-H./Brakensiek, S. 1998, S. 1465; vgl. zu den einzelnen Arten von Leasingverhältnissen auch HdR-E, Kap 6, Rn. 107ff.). Es überrascht daher nicht, dass sich in der Literatur eine Vielzahl verschiedener Begriffsbestimmungen findet (vgl. Büschgen 1998, § 1, Rn. 1, m. w. N.). Der BGH nimmt indes in seiner lfd. Rspr. durch die Qualifizierung des Leasingverhältnisses als atypisches Mietverhältnis einen eindeutigen Standpunkt ein (vgl. BGH-Urt. v. 08.10.1975, DB 1975, S. 2366ff.; v. 23.02.1977, DB 1977, S. 813; v. 23.02.1977a, DB 1977, S. 1137; v. 09.03.1977, DB 1977, S. 815; v. 05.04.1978, BB 1978, S. 682; v. 05.05.1978, DB 1978, S. 1337; v. 16.09.1981, DB 1982, S. 40; v. 28.10.1981, DB 1982, S. 480; v. 02.12.1981, DB 1982, S. 482; v. 29.11.1989, DB 1990, S. 271; v. 28.03.1990, DB 1990, S. 1228ff.; v. 10.07.1996, BB 1996, S. 1794).

Allg. formuliert handelt es sich bei Leasingverhältnissen um "besonders ausgestaltete Nutzungsüberlassungsverhältnisse, die sich an die Ausgestaltung von Miet- oder Pachtverträgen anlehnen, aber je nach Vertragstyp in wesentlichen Punkten von diesen abweichen" (Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 1). Wie bei Miet- oder Pachtverträgen verbleibt auch bei Leasingverträgen das rechtl. Eigentum stets bei dem zur Sachleistung Verpflichteten (Leasinggeber).

 

Rn. 106

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

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