Küting/Weber, Handbuch der ... / b) GoA zur Konkretisierung des Prüfungsumfangs
 

Rn. 21

Stand: EL 12 – ET: 07/2011

Einige Beiträge des Schrifttums zu GoA betreffen die geforderten Verhaltensweisen eines AP bei der Berufsausübung sowie den gesamten Prüfungsprozess von der Auftragsannahme bis zur Urteilsmitteilung (vgl. Schulze zur Wiesche, D. 1963 und Schulze zur Wiesche, D. 1965; Kicherer, H.-P. 1970; Leffson, U. 1988, S. 101; Claussen, C. P. 1991, § 317, Rn. 33). Andere Schriften über GoA widmen sich Teilen des Prüfungsprozesses (vgl. Sperl, A. 1978; Schade, G. 1982; Baetge, J. 1985, S. 284 ff.), einzelnen Prüfungsfeldern (vgl. Knüppe, W. 1984) oder speziellen Prüfungsarten (vgl. Meyer zu Lösebeck, H. 1983). Alle genannten Arbeiten konkretisieren die gesetzl. Anforderungen an die Abschlussprüfung. Indes münden sie nur vereinzelt in unmittelbar umsetzbare Handlungsanweisungen für den AP. Dies ist etwa dann der Fall, wenn die Aussagefähigkeit bestimmter Prüfungshandlungen untersucht wird (vgl. Schade, G. 1982, S. 184 ff.; Knüppe, W. 1984, S. 171 ff.). Auch die vom IDW veröffentlichten PS und PH empfehlen einzelne Prüfungshandlungen (vgl. IDW PS 200, Rn. 18 ff. und IDW PS 201, Rn. 28; vgl. auch HdR-E, HGB § 317, Rn. 35 ff.). Allerdings enthalten sie keine Aufzählung aller im Rahmen einer Abschlussprüfung vorzunehmenden Prüfungshandlungen, sondern dienen v. a. als allg. Richtschnur für die Prüfungsausführung (vgl. Spieth, E./Wundram, R. 1978, S. 126).

 

Rn. 22

Stand: EL 12 – ET: 07/2011

Zur Konkretisierung des Prüfungsumfangs muss der AP bei der Prüfung den deutschen Prüfungsgrundsätzen folgen. Dies gilt auch, wenn ein der Prüfung zugrundeliegender Abschluss nicht nach deutschen RL-Grundsätzen erstellt wurde (vgl. IDW PS 201, Rn. 20). Zu den Prüfungsgrundsätzen zählen einerseits alle unmittelbar und mittelbar für die Abschlussprüfung geltenden gesetzl. Vorschriften (z. B. §§ 316 – 324, §§ 43 f. und 49 WPO) und andererseits alle sonst. Prüfungsgrundsätze, v. a. die derzeit noch gültigen IDW PS und die IDW PH (vgl. IDW PS 201, Rn. 24 ff.). Die Verlautbarungen des IDW sind solange durch den AP anzuwenden, bis die ISA von der Europäischen KOM angenommen worden sind (zu den durch die im Zuge des BilMoG geschaffenen gesetzl. Öffnungsklauseln zur unmittelbaren Anwendung der ISA in § 317 Abs. 5 bzw. ergänzender deutscher Prüfungsansätze in § 317 Abs. 6 vgl. HdR-E, HGB § 317, Rn. 162 ff. und 178 ff.).

 

Rn. 23

Stand: EL 12 – ET: 07/2011

Zweck der JA-Prüfung ist die Abgabe eines vertrauenswürdigen Urteils über die Gesetz-, ­Satzungs- und Ordnungsmäßigkeit der RL eines UN. Ein Urteil ist vertrauenswürdig, wenn es einen hohen Grad an Sicherheit und Genauigkeit aufweist (zu weiteren Anforderungen an vertrauenswürdige Urteile vgl. Schade, G. 1982, S. 63 ff.; Leffson, U. 1988, S. 66 ff.). ›Sicherheit‹ kennzeichnet in diesem Zusammenhang die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Urteil zutrifft, wohingegen ›Genauigkeit‹ ein Maß für die Exaktheit eines Urteils ist (vgl. Baetge, J. 1998, S. 719 f.). Vollkommen sichere und genaue Urteile sind zwar bei vollständigen und absolut fehlerfreien Prüfungen denkbar, indes sind Urteile, die diese Qualität besitzen, praktisch nicht zu realisieren. Deshalb gilt der Grundsatz: ›Ein Prüfungsurteil muss eine bestimmte Mindestqualität, d. h. eine Mindestsicherheit und eine Mindestgenauigkeit aufweisen, die gewährleistet, dass Unrichtigkeiten und Verstöße, die wegen ihrer Größenordnung oder Bedeutung Einfluss auf den Aussagewert der RL für die Abschlussadressaten haben, aufgedeckt werden‹ (vgl. IDW PS 250, Rn. 4; Leffson, U./Lippmann, K./Baetge, J. 1969, S. 32 ff.).

 

Rn. 24

Stand: EL 12 – ET: 07/2011

Für zufallsgesteuerte Auswahlprüfungen (vgl. HdR-E, HGB § 317, Rn. 68 ff.), bei denen Sicherheit und Genauigkeit eines Urteils quantifiziert werden können, wird als GoA vorgeschlagen, ›dass die Teilurteile über jedes Prüfungsfeld mit 95-prozentiger Sicherheit und 99-prozentiger Genauigkeit abgegeben werden sollen‹ (Baetge, J. 1985, S. 286; vgl. auch Schulte, E. 1970, S. 113 f.). Bei bewusst (systematisch) gesteuerten Auswahlverfahren lassen sich keine objektiv feststellbaren Sicherheits- und Genauigkeitsgrade angeben. In diesen Fällen muss die Mindestqualität, d. h. die Vertrauenswürdigkeit des Urteils, durch die Einhaltung bestimmter GoA gesichert werden (vgl. HdR-E, HGB § 317, Rn. 65 ff.).

Vertrauenswürdige Urteile erfordern also i. A. ›keine lückenlose Prüfung‹ (IDW PS 200, Rn. 19; vgl. auch Förschle/Schmidt, in: Beck Bil-Komm. 2010, § 317, Rn. 102; Marten/Köhler/Neubeck 2009, § 317, Rn. 65). Eine vollständige Prüfung verstieße ohnehin gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit, dem auch die Prüfung, wie andere wirtschaftliche Prozesse, unterliegt und der als GoA allg. anerkannt ist (vgl. Loitlsberger, E. 1966, S. 84 f.; Kicherer, H.-P. 1970, S. 213 ff.; Leffson, U. 1988, S. 14). Auch der IDW PS 200 betont, dass der AP seine Feststellungen zeitgerecht und in wirtschaftlicher Weise gewinnen muss (vgl. IDW PS 200, Rn. 9 und 21; vgl. auch Baetge, J. 1985, S. 278 ff.). Der AP muss die erforderlich...

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