Küting/Weber, Handbuch der ... / b) Die International Federation of Accountants (IFAC)

aa) Organisation und Zielsetzung

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die IFAC wurde unmittelbar vor dem elften International Congress of Accountants am 07.10.1977 in München gegründet. Sie tritt damit die Nachfolge des ICCAP an, das ebenso wie die AISG 1977 aufgelöst wurde (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 171). Die Einsetzung des ICCAP war im Jahr 1972 notwendig, um das Fundament für eine stärker strukturierte Organisation zu legen und damit die internationale Harmonisierungsarbeit formal zu unterstützen. Mit der Gründung des IASC als Vorgängerorganisation zum IASB (1973) und der IFAC (1977) war die Aufgabe des ICCAP erfüllt und seine Auflösung eine logische Konsequenz (vgl. ­Cummings, J. P./Chetkovich, M. N. 1978, S. 53; Macharzina, K./Scholl, R. F. 1984, S. 230; ­Arpan, J. S./Radebaugh, L. H. 1985, S. 309; Nobes, C. 1995, S. 132). Im November 2002 hat sich die IFAC – im Zug der Restrukturierung des IASB – eine neue Verfassung gegeben.

 

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63 Berufsorganisationen aus 49 Staaten, darunter das IDW sowie die WPK, zählten zu den Gründungsmitgliedern der IFAC. Mittlerweile repräsentiert die IFAC über 2,4 Mio. Accountants aus 155 Mitgliedsorganisationen, die in 113 Staaten ansässig sind (vgl. IFAC 2002). Das oberste Organ der IFAC ist die Mitgliederversammlung (Council), die einmal jährlich tagt und an die Stelle der bisherigen Heads of Delegation beim ICCAP bzw. des Assembly trat. Dem Council gehört jeweils ein Vertreter jeder Mitgliedsorganisation an. Er ist verantwortlich für die Wahl der Mitglieder des Boards, die Festlegung der Mitgliedsbeiträge und für Veränderungen der Verfassung der IFAC. Während die Satzung Genf zum Rechtssitz bestimmt, operiert die IFAC von einem Verwaltungssitz aus, den das Council bestimmt. Dieser Verwaltungssitz ist seit der Gründung in New York (in den Räumlichkeiten des AICPA) angesiedelt (vgl. IFAC 1977, sec. 2, S. 2; Cowperthwaite, G. 1976, S. 290 f.; Cummings, J. P./Chetkovich, M. N. 1978, S. 52; Choi, F. D. S./Mueller, G. G. 1978, S. 165; Havermann, H. 1992, Sp. 513 ff.; WP-Handbuch 2000, Bd. I, Rn. B 67 bis 74). Die allg. Zielsetzung dieser internationalen berufsrechtlichen Organisation besteht in der Entwicklung und Verwirklichung eines koordinierten weltweiten Berufsstands der Accountants mit harmonisierten Standards, um Dienstleistungen, die im öffentlichen Interesse liegen, mit einer gleich bleibend hohen Qualität zu erbringen (vgl. IFAC 1977, sec. 2, S. 1; IFAC 2002, S. 1). Die IFAC unterscheidet drei Arten von Mitgliedern, die ›full members‹, die ›associate members‹ und die ›affiliate members‹. Diesen Mitgliedern obliegen unterschiedliche Pflichten: Die ›full members‹ verpflichten sich u. a.,

- die Zielsetzung der IFAC zu erfüllen,
- ausreichende finanzielle Zuschüsse zu leisten, um die Arbeit der IFAC zu unterstützen,
- ihre Mitglieder über die Arbeit der IFAC zu unterrichten und darauf hinzuwirken, dass die Verlautbarungen der IFAC in nationale Prüfungsstandards transformiert werden,
- die Arbeit des IASB in der Form zu unterstützen, dass die nationalen Standard Setter und die die Börsen überwachenden Instanzen die IAS/IFRS für JA verpflichtend vorsehen.

Die ›associate‹ und ›affiliate members‹ müssen die Zielsetzung der IFAC unterstützen, finanzielle Zuschüsse leisten und die Arbeit von IASB und IFAC unterstützen (vgl. IFAC 2002, S. 1 f.). Für die Leitung der IFAC ist das Board verantwortlich. Dieses setzt sich zusammen aus einem Präsidenten, dessen Stellvertreter und 15 weiteren Mitgliedern, die vom Council für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt werden.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Zur Verwirklichung ihrer Zielsetzung hat die IFAC folgende Fachausschüsse (sog. Committees) in Form ständiger Komitees eingerichtet (vgl. http://www.ifac.org/Committees, Stand: 01.08.2003; vgl. vormals auch IFAC 1977, sec. 1, S. 2; Choi, F. D. S./Mueller, G. G. 1992, S. 377):

 
International Auditing and Assurance Standards Board (vormals: International Auditing Practices Committee) Professional Accountants in Business
Compliance Committee Public Sector Committee
Education Committee Transnational Audit Committee
Ethics Committee  

Daneben besteht das sog. Forum of Firms, eine Gruppe von WPG bzw. internationalen Netzwerken von WPG, die grenzüberschreitende Abschlussprüfungen durchführen. Ein Mitglied des Forum of Firms ist verpflichtet, bei grenzüberschreitenden Abschlussprüfungen weltweit einheitliche Qualitätsmaßstäbe anzuwenden, die im Einklang mit den Verlautbarungen der IFAC stehen. Zudem werden die Mitglieder einem Global Peer Review unterworfen. Dieser wird durch das Transnational Audit Committee durchgeführt.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die von der IFAC veröffentlichten Verlautbarungen verpflichten die Mitglieder nicht. Diese sollen sich vielmehr nach besten Kräften bemühen (sog. ›best endeavours‹-Klausel; vgl. auch HdR-E, Kap 1, Rn. 167 f.), i. R. d. nationalen Vorschriften auf die Beachtung der IFAC-Leitsätze (Guidelines) hinzuwirken und die internationalen Prüfungsrichtlinien in die ...

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