Küting/Weber, Handbuch der ... / b) Definition des Begriffs "Taxonomie"
 

Rn. 521

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Die Übermittlung nach § 5b EStG erfolgt nach "amtlich vorgeschriebenem Datensatz". Diese Standardisierung der Inhalte der Bilanz und der GuV bildet die Voraussetzung für deren automatisierte Weiterverarbeitung. Da die Standardisierung mittels der Taxonomie erfolgt, erlangt dieser Begriff i. R. d. E-Bilanz eine wesentliche Bedeutung. Eine Taxonomie ist ein Datenschema für JA-Daten und definiert abschließend die verschiedenen Positionen, aus denen z. B. eine Bilanz und eine GuV bestehen können. Auch die Beziehungen der einzelnen Positionen zueinander werden durch die Taxonomie festgelegt (vgl. BMF 2011a, Rn. 9). Die Taxonomie, die den amtlich vorgeschriebenen Datensatz nach § 5b EStG darstellt (vgl. BMF 2011a, Rn. 10), wird häufig mit einem Kontenrahmen verglichen (z. B. "vergleichbar mit einem Kontenrahmen", FAQ zur E-Bilanz v. 15.06.2012, S. 5), jedoch handelt es sich hierbei um ein Gliederungsschema, welches auf den Vorgaben der §§ 266 und 275 basiert. Die Konten werden lediglich den einzelnen Positionen der Taxonomie zugeordnet (ebenfalls krit. Jansen, A./Polka, T. 2012, S. 22f.).

Die Taxonomie verkörpert aufgrund der Abbildung der Inhalte der Bilanz und der GuV das Kernelement der elektronischen Übermittlung nach § 5b EStG. Als Grundlage der Steuertaxonomie fungierte die HGB-Taxonomie 3.0 des XBRL Deutschland e. V., welche aufgrund der Änderungen durch das BilMoG am 31.01.2010 durch die HGB-Taxonomie 4.0 ersetzt wurde. Die Entwicklung und die Wartung der Taxonomien erfolgen durch die regionalen XBRL-Jurisdiktionen (vgl. hierzu http://www.xbrl.org). In Deutschland hat der XBRL Deutschland e. V. diese Aufgabe übernommen. Bislang war die HGB-Taxonomie überwiegend an den handelsrechtl. Anforderungen ausgelegt und bildete die Vorschriften des HGB, AktG und GmbHG sowie anderer einschlägiger Gesetze und Regelungen inkl. der Standards des DRSC ab (vgl. http://www.xbrl.de). Um den stl. Anforderungen zu genügen, wurde die HGB-Taxonomie, die u. a. bereits für die Offenlegung im eBanz Verwendung findet, seitens der Finanzverwaltung um die aus stl. Sicht erforderlichen Positionen und Elemente ergänzt (vgl. BMF 2010a, S. 252). Somit lässt sich die Taxonomie – durch Festlegung eines anderen Verdichtungsgrads – weiterhin für außerstl. Zwecke nutzen.

 

Rn. 521a

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Für Zwecke der E-Bilanz wird zwischen der "Kerntaxonomie" und den "Branchentaxonomien" unterschieden, wobei der Grundsatz gilt, dass für die Übermittlung nach § 5b EStG die Kerntaxonomie zugrunde zu legen ist (vgl. BMF 2011a, Rn. 10). Diese Taxonomie gilt für alle UN, welche die RL-Vorschriften des HGB anzuwenden haben (vgl. Richter, L./Kruczynski, M./Kurz, C. 2010, S. 2489) und beinhaltet die Positionen für alle Rechtsformen (vgl. BMF 2011a, Rn. 10). Der Mindestumfang ist somit für alle Rechtsformen identisch; folglich sind auch Positionen zu übermitteln, die für eine Rechtsform nicht einschlägig sind (vgl. Schumann, J./Arnold, A. 2011, S. 232). Rechtsformspezifische Taxonomien sind nicht vorgesehen und aufgrund des hohen Pflegeaufwands der Taxonomie abzulehnen. Gleichwohl ist jede Position der Taxonomie mit einem Rechtsformhinweis (KapG, PersG, EU) versehen, wodurch die Filterung der für eine bestimmte Rechtsform gültigen Positionen erleichtert wird (vgl. HdR-E, Kap 6, Rn. 523). Die Taxonomie ist zudem unabhängig von der UN-Größe. Von der Anwendung der Kerntaxonomie sind ausschließlich Branchen mit abweichenden RL-Vorschriften ausgenommen. Deren Abbildung erfolgt in sog. Branchentaxonomien, die in zwei Spezialtaxonomien und eine Ergänzungstaxonomie (dies entspricht der technischen Umsetzung, fachlich liegen sechs Ergänzungstaxonomien vor) unterschieden werden. Gleichwohl existieren diese speziellen Taxonomien ausschließlich für sog. verordnungsgebundene Branchen i. S. d. § 330, d. h. die Gliederungsschemata dieser Branchen werden in einer Verordnung geregelt. Es handelt sich hierbei um handelsrechtl. Gliederungsschemata, sodass bei Übermittlung einer StB keine Pflicht zu deren Einhaltung besteht. In diesem Fall kann auch eine StB entspr. den Vorgaben der Kerntaxonomie eingereicht werden (vgl. FAQ zur E-Bilanz v. 15.06.2012, S. 8). Gliederungen, die auf einer Verordnung basieren und sich grundlegend von den Gliederungen gem. HGB unterscheiden, wie die Gliederungen nach der Kreditinstituts-Rechnungslegungsverordnung (RechKredV), der Versicherungsunternehmens-Rechnungslegungsverordnung (RechVersV) und der Pensionsfonds-Rechnungslegungsverordnung (RechPensV), werden in Spezialtaxonomien abgebildet, welche die Kerntaxonomie ersetzen. Hingegen werden verordnungsgebundene Gliederungen, die im Aufbau der Grundgliederung des HGB entsprechen, zwecks Minimierung des Wartungsaufwands in Ergänzungstaxonomien abgebildet. Diese sind nicht eigenständig, sondern dienen lediglich der Ergänzung der Kerntaxonomie um die speziell für die jeweilige Branche erforderlichen Positionen. Hierunter fallen die Krankenhaus-Buchführungsve...

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