Küting/Weber, Handbuch der ... / b) Bilanzierung des Leasingverhältnisses beim Leasinggeber
 

Rn. 205

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Aufgrund der aus den Vertragsvereinbarungen resultierenden Zurechnung des wirtschaftlichen Eigentums des Leasingobjekts beim Leasingnehmer darf der Leasinggeber, obwohl er während der Vertragslaufzeit weiterhin zivilrechtl. Eigentümer bleibt, das Leasingobjekt nicht in seiner Bilanz ausweisen. Mit Ausnahme des Herstellerleasings stellt sich der Leasingvertrag für den Leasinggeber daher als An- und Verkauf des Leasingobjekts dar. Das Absatzgeschäft führt beim Leasinggeber zu UE gem. § 275 Abs. 2 Nr. 1 (GKV) bzw. § 275 Abs. 3 Nr. 1 (UKV) und zu einer Forderung aus LuL gegenüber dem Leasingnehmer in korrespondierender Höhe (vgl. Findeisen 1998a, § 20, Rn. 2; Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 223f.).

 

Rn. 206

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Umsatz und Forderung sind i. H. d. Barwerts der Leasingraten und eines u. U. vereinbarten Optionspreises anzusetzen, da der Leasingnehmer seine Zahlungsverpflichtung sukzessive erfüllt und daher in den Leasingraten ein verdeckter Zinsanteil enthalten ist, welcher über die Vertragslaufzeit zu realisieren ist. Die Barwertermittlung hat prinzipiell auf Basis des vom Leasinggeber der Ratenkalkulation zugrunde gelegten Zinssatzes zu erfolgen. Ist dieser ausnahmsweise wesentlich niedriger als der Kapitalmarktzinssatz vergleichbarer Laufzeiten oder als der Refinanzierungssatz des Leasinggebers, ist grds. aus Gründen kaufmännischer Vorsicht der höhere Zinssatz maßgebend (vgl. Kozikowski/Roscher, in: Beck Bil-Komm. 2012, § 253, Rn. 592ff.; Findeisen 1998a, § 20, Rn. 3; Gelhausen, H. F./Henneberger, M. 2012, Rn. 224).

 

Rn. 207

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Da im Kalkulationszinssatz des Leasinggebers i. d. R. neben seinem Finanzierungskostensatz auch eine Gewinnmarge, eine Ausfallrisikoprämie und ein Verwaltungskostensatz berücksichtigt ist, entspricht der Barwert der Leasingraten grds. den AHK des Leasingobjekts (vgl. Findeisen 1998a, § 20, Rn. 3). Eine Realisierung des Gewinns aus dem Leasingvertrag erfolgt beim Leasinggeber somit sachgerecht ratierlich über die Laufzeit.

 

Rn. 208

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Der Leasinggeber hat die während der Vertragslaufzeit fällig werdenden Leasingraten – wie der Leasingnehmer auch – in einen Zins- und Kostenanteil sowie einen Tilgungsanteil aufzuteilen. Der Zins- und Kostenanteil ist im Fälligkeitszeitpunkt erfolgswirksam zu vereinnahmen, sofern er sich auf das betr. GJ bezieht. Die aktivierte Forderung ist i. H. d. Tilgungsanteils fortzuschreiben.

 

Rn. 209

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Darüber hinaus gelten für die Bewertung der Leasingforderung die allg. Grundsätze. Danach ist eine Einzelwertberichtigung der Forderung vorzunehmen, falls dem Leasinggeber konkrete Hinweise einer mangelnden Bonität des Leasingnehmers vorliegen. Das allg. Ausfallrisiko der Leasingforderung ist durch ihre Einbeziehung in die Bemessungsgrundlage der Pauschalwertberichtigung zu berücksichtigen (vgl. hierzu allg. Kozikowski/Roscher, in: Beck Bil-Komm. 2012, § 253, Rn. 567ff.; Brösel/Olbrich, HdR-E, HGB § 253, Rn. 192 f.).

 

Rn. 210

Stand: EL 18 – ET: 12/2013

Finanziert der Leasinggeber das Leasingobjekt über die Forfaitierung der Leasingraten, stellt sich in Analogie zur bilanziellen Behandlung bei Zurechnung des Leasingobjekts zum Leasinggeber die Frage nach der passivischen Rechnungsabgrenzung des Veräußerungserlöses (vgl. zur Behandlung bei Zurechnung des Leasingobjekts zum Leasinggeber HdR-E, Kap 6, Rn. 182ff.). Da bei Zurechnung des Leasinggegenstands zum Leasingnehmer zum einen die UE bereits bei Übergang der Preisgefahr – sprich regelmäßig bei Vertragsbeginn oder Auslieferung des VG – vereinnahmt wurden und zum anderen das Leasingobjekt, dem der RAP gegenüberzustellen wäre, nicht beim Leasinggeber aktiviert ist, ist eine Abgrenzung aus der Forfaitierung nicht vorzunehmen. Trotzdem bleibt eine komplette Vereinnahmung des Gewinns regelmäßig verwehrt. Denn in Höhe der während der Vertragslaufzeit anfallenden Verwaltungskosten, die in den Leasingraten berücksichtigt sind, muss eine Rückstellung oder ein passivischer RAP gebildet werden (vgl. Findeisen 1998a, § 20, Rn. 8f.).

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