Küting/Weber, Handbuch der ... / b) Ansatz, Bewertung und Ausweis
 

Rn. 233

Stand: EL 04 – ET: 11/2009

Auch nach der Neuregelung durch das BilMoG sind passive latente Steuern verpflichtend auszuweisen, für aktive latente Steuern besteht dagegen ein Wahlrecht (vgl. § 274 Abs. 1 S. 1 und 2). Somit hat der Gesetzgeber zwischenzeitlichen Forderungen und Entwürfen, die auch ein Ansatzgebot für aktive latente Steuern beinhalteten (so noch im Reg-E zum BilMoG; vgl. BT-Drucks. 16/10067, S. 9 und 67 f.), zugunsten einer Beibehaltung der bisherigen Regelung eine Absage erteilt.

 

Rn. 234

Stand: EL 04 – ET: 11/2009

Dagegen stellt sich die Ermittlung der Differenzen nun deutlich verändert dar. Der Formulierung der alten Fassung des § 274 folgend war diesbzgl. eine Gesamtdifferenzbetrachtung vorzunehmen, d. h. eine Gegenüberstellung des handelsrechtl. und des steuerrechtl. Ergebnisses (vgl. hierzu auch Baumann, K.-H./Spanheimer, J. 2003, § 274, Rn. 31). Entspr. der bilanzorientierten Konzeption muss nun eine Einzeldifferenzenbetrachtung vorgenommen werden. Dabei werden die Wertansätze der einzelnen VG, Schulden und RAP nach handels- und steuerrechtl. Vorgaben miteinander verglichen. Auf die jeweiligen Differenzen sind dann die noch darzustellenden Bewertungsregeln anzuwenden. Die folgend in der Bilanz abzugrenzenden latenten Steuern ergeben sich aus der Summe bzw. der Verrechnung dieser einzeln ermittelten Beträge. Durch diese Vorgehensweise wird sich der Aufwand für die Bilanzierenden erheblich erhöhen (so auch Hoffmann, W.-D./Lüdenbach, N. 2008, S. 30).

 

Rn. 235

Stand: EL 04 – ET: 11/2009

Die Bewertung der latenten Steuern folgt weiterhin der sog. liability-Methode, die vornehmlich auf eine zutreffende Darstellung der Vermögenslage gerichtet ist (vgl. hierzu bspw. ADS 2007, Abschn. 20, Rn. 54). Entspr. fordert § 274 Abs. 2 S. 2, die Bewertung mit den "unternehmensindividuellen Steuersätzen im Zeitpunkt des Abbaus der Differenz" durchzuführen, eine Abzinsung darf nicht vorgenommen werden. Ist der Steuersatz im Zeitpunkt der Auflösung nicht bekannt, ist auf den am Bilanzstichtag vorliegenden Satz abzustellen; Gesetzesänderungen sind dann der Bewertung zugrunde zu legen, wenn eine Zustimmung des Bundesrats zu dem jeweiligen Steuergesetz am Bilanzstichtag vorliegt. Die ausgewiesenen Posten sind aufzulösen, sobald die Steuerbe- oder -entlastung eintritt oder mit ihr nicht mehr zu rechnen ist; Aufwendungen und Erträge aus diesen Vorgängen sind in der GuV gesondert unter dem Posten "Steuern vom Einkommen und Ertrag" auszuweisen (vgl. § 274 Abs. 2 S. 2 und 3).

 

Rn. 236

Stand: EL 04 – ET: 11/2009

Aus der Anwendung der alten Regelung folgte bisher aufgrund der Gesamtdifferenzbetrachtung bereits methodisch eine Saldierung aktiver und passiver Differenzen. Jedoch war alternativ auch ein unsaldierter Ausweis möglich (vgl. dazu bspw. ADS 1995, § 274, Rn. 22). Entgegen anderslautender Entwürfe und Planungen (vgl. dazu u. a. BT-Drucks. 16/10067, S. 67 f.) ist gem. § 274 weiterhin ein saldierter Ausweis möglich. Laut dem Rechtsausschuss des Bundesrates, der im Vergleich zum Reg-E noch grundlegende Änderungen vorgenommen hat, war es dessen Ziel, die Gesamtdifferenzbetrachtung beizubehalten (vgl. Drucks. 16/12407, S. 87). Eine mit der bisherigen Regelung vergleichbare einfache Betrachtung bei Ausnutzung des Aktivierungswahlrechts ist jedoch nicht mehr möglich. Vielmehr erhöht die konzeptionell zwingend vorzunehmende Einzeldifferenzenbetrachtung den Ermittlungs- und Dokumentationsaufwand erheblich (vgl. Küting, K./Seel, C. 2009a, S. 924). Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass der Ausweis

1.

im Falle eines Aktivüberhangs

- unsaldiert auf Aktiv- und ggf. Passivseite oder
- saldiert nur auf der Aktivseite oder
- überhaupt nicht;
2.

im Falle eines Passivüberhangs

- unsaldiert auf Passiv- und ggf. Aktivseite oder
- saldiert nur auf der Passivseite

erfolgen kann.

 

Rn. 237

Stand: EL 04 – ET: 11/2009

Bisher wurden latente Steuern auf der Passivseite als Rückstellung (vgl. § 274 Abs. 1 S. 1 a. F.) ausgewiesen und auf der Aktivseite durch die Bildung eines "Abgrenzungsposten als Bilanzierungshilfe" (§ 274 Abs. 2 S. 1 a. F.) abgebildet. Auf Grund der konzeptionellen Änderungen kann den passiven latenten Steuern die bisherige Rolle nicht mehr zugeordnet werden; dies gilt insbesondere für die latenten Steuern auf quasi-permanente Differenzen (vgl. BT-Drucks. 16/10067, S. 67). Daher werden die passiven latenten Steuern in der Bilanz als Sonderposten eigener Art angesehen und entspr. unter einer eigenen Position "E. Passive latente Steuern" ausgewiesen. Gleiches gilt für die aktiven latenten Steuern, deren Ausweis zukünftig korrespondierend unter dem Posten "D. Aktive latente Steuern" zu vollziehen ist (vgl. dazu § 266 Abs. 2 D).

 

Rn. 238

Stand: EL 04 – ET: 11/2009

Nach Art. 66 Abs. 5 EGHGB sind die dargelegten Vorschriften des § 274 auf JA und KA für vor dem 01.01.2010 beginnende GJ anzuwenden. Aufwendungen oder Erträge aus der erstmaligen Anwendung des § 274 in seiner neuen Fassung sind gem. Art. 67 Abs. 6 S. 1 EGHGB unmittelbar mit...

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