Küting/Weber, Handbuch der ... / a) XBRL als Übermittlungsstandard
 

Rn. 517

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Die Finanzverwaltung legte sich bereits sehr früh auf XBRL (eXtensible Business Reporting Language) als Übermittlungsstandard fest (vgl. BMF 2010, Rn. 2) und wandte sich gleichzeitig explizit gegen eine ebenfalls denkbare Vordrucklösung, die letztlich jedoch nicht mit dem Steuerbürokratieabbau vereinbar gewesen wäre (vgl. Hülshoff, M. 2010, S. 3). Die Entscheidung der Finanzverwaltung pro XBRL ist begrüßenswert, da sie keinen eigenen Standard definiert, sondern auf einen bereits stark verbreiteten Übermittlungsstandard zurückgreift. In Deutschland verwendet bspw. der eBanz seit dem Gesetz über elektronische Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie das Unternehmensregister (EHUG) v. 10.11.2006 (BGBl. I 2006, S. 2553ff.) diesen Standard für die Offenlegung (zur Web-Publizität mit XBRL i. R. d. EHUG, vgl. ausführlich Meyer-Pries, L./Mersmann, T. 2006, S. 1211ff.).

XBRL ist ein frei verfügbarer, international verbreiteter Standard für den elektronischen Datenaustausch von UN-Informationen, welcher wiederum auf dem Standard XML ­(eXtensible Markup Language) basiert. XML ermöglicht dem Nutzer, eigene Beschreibungen – sog. "Tags" – zu definieren, mit deren Hilfe die Daten eindeutig gekennzeichnet werden. Die Visualisierung der Daten erfolgt in sog. "Style Sheets". Zur Gewährleistung einer einheitlichen Interpretation der Daten ist es zudem notwendig, eine Menge von möglichen Positionen und Elementen zu definieren; diese Aufgabe übernimmt XBRL (vgl. Meyer-Pries, L./Mersmann, T. 2006, S. 1212). Folglich erlangt der XBRL-Standard seine konkrete Ausgestaltung erst durch die Definition und die Verwendung von Taxonomien (zur Definition des Begriffs, vgl. HdR-E, Kap 6, Rn. 521ff.). Der Vorteil dieses Übermittlungsstandards stellt sich zum einen in der Plattform-, Applikations- und Domainunabhängigkeit dar. Zum anderen ist dieser hinsichtlich des Einsatzzwecks und insbes. der relevanten RL-Norm neutral (vgl. Arbeitskreis Externe Unternehmensrechnung (AKEU) der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e. V. 2010, S. 1474). Aufgrund der Möglichkeit zur individuellen Festlegung des Verdichtungsgrads der zu übermittelnden Daten sind die Nutzungsmöglichkeiten der in XBRL aufbereiteten Daten vielfältig (zu den Potenzialen von XBRL, vgl. Szarafin, M. 2011, S. 453ff.). So können diese zum einen für die Veröffentlichung im eBanz, zum anderen für die Berichterstattung gegenüber Geschäftspartnern, Banken oder Aufsichtsbehörden genutzt werden (vgl. Flickinger, N. 2007, S. 21). Im Gegensatz zu statischen Publikationsformen (PDF oder HTML) erhalten die Empfänger die Daten in einer strukturierten Form und können diese automatisiert auslesen und weiterverarbeiten. Aus den hierdurch erzielten Synergieeffekten resultieren Zeit- und Kostenersparnisse (vgl. Nunnenkamp, G./Pfaffenholz, M. 2010, S. 1144).

 

Rn. 518

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Mit der Einführung der Übermittlung nach § 5b EStG wird XBRL in Deutschland erstmals als Pflichtformat vorgeschrieben, denn der eBanz nutzt dieses Format lediglich als eines von mehreren Einreichungsformaten. Auch die Einreichung von Word-, RTF- und PDF-Dokumenten ist für Zwecke der Offenlegung zulässig (zu den möglichen Einreichungsformaten i. R. d. Offenlegung, vgl. http://www.ebundesanzeiger.de). Gleichwohl bildet XBRL aufgrund der Möglichkeit zur automatisierten Weiterverarbeitung das kostengünstigste Einreichungsformat und findet daher eine starke Verbreitung. Allein im XBRL-Format wurden bereits über 2 Mio. JA beim eBanz eingereicht (vgl. Arbeitskreis Externe Unternehmensrechnung (AKEU) der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e. V. 2010, S. 1476). International ist der XBRL-Standard ebenfalls weit verbreitet und z. T. als Pflichtformat für Übermittlungen zu verwenden. So schreibt bspw. die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC sukzessive die Offenlegung von Finanzberichten in XBRL vor (vgl. SEC, Rule No. 33–9002). In Großbritannien ist XBRL bereits als Pflichtformat für die Einreichung von Bilanzen und GuV für WJ, die nach dem 01.04.2010 enden, vorgeschrieben. Diametral zu § 5b EStG erfolgt die Umsetzung nicht in einem einzigen Schritt, sondern in einem Zwei-Phasenmodell. In der ersten Phase, für die etwa zwei Jahre veranschlagt werden, geht es lediglich um die Substitution der Papierform; erst in der zweiten Phase wird die Entscheidung darüber gefällt, ob weitere Informationen auf elektronischem Wege zu übermitteln sind (vgl. Fuhrmann, S. 2010, S. 59). XBRL findet u. a. auch in Spanien, den Niederlanden und Belgien sowie in Japan und China weite Verbreitung; insgesamt existieren weltweit rund 100 XBRL-Projekte (vgl. Dreyer, C./Füglistaler, D. 2008, S. 296; Kesselmeyer, B./Frank, R. 2009, S. 72ff.).

 

Rn. 519

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Ein wesentlicher Vorteil von XBRL liegt in der individuellen Erweiterbarkeit der Taxonomien. Darauf weist bereits die Bezeichnung "extensible" hin. Hierdurch können bspw. Positionen oder deren Bezeichnungen an die ind...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge