Küting/Weber, Handbuch der ... / a) Das International Accounting Standards Board (IASB)

aa) Aufgaben und Zielsetzung

 

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Das IASC wurde als Vorgängerorganisation des IASB am 29.06.1973 als unmittelbare Reaktion auf den zehnten International Accountants Congress in Sydney ›unter Einschaltung von ICCAP‹ (Cummings, J. P. 1978, S. 70) ›von 16 führenden Berufsorganisationen‹ (Havermann, H. 1975, S. 15) folgender Staaten gegründet (vgl. IASC 1994, S. 23):

 
Australien Japan Niederlande
Deutschland Kanada USA
Frankreich Mexiko Großbritannien und Irland

Trotz der Einbindung in das ICCAP, in dessen Organisationsstruktur das IASC bei seiner Gründung integriert wurde, operierte es als ›eine unabhängige und selbständige Organisation‹ (Cummings, J. P. 1978, S. 70). Diesen Status hatte das IASC insbes. anlässlich der Gründung der IFAC ebenso betont wie die seinerzeit bereits praktizierte Arbeitsteilung von RL-Standards einerseits und Berufsgrundsätzen andererseits. Eine derartige Abgrenzung erschien notwendig, da die Zielsetzungen beider Organisationen zwar eng miteinander verknüpft, aber dennoch abweichend sind. Die Beziehungen zur IFAC sollen derart sein, ›daß das IASC weiterhin das Organ ist, das die Aufgabe und Befugnis hat, im eigenen Namen Stellungnahmen zu internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen herauszugeben. Insoweit sollte das IASC selbständig bleiben, mit eigener Satzung, eigenem Sekretariat und eigenem Finanzhaushalt‹ (Cummings, J. P. 1978, S. 74; vgl. auch Cummings, J. P./Chetkovich, M. N. 1978, S. 57). Im Jahr 1981 verständigten sich IFAC und IASC, dass das IASC in Bezug auf die Entwicklung der internationalen RL-Grundsätze und die Diskussion von RL-Fragen in Bezug auf diese über eine vollumfassende Autonomie verfügt. Gleichzeitig wurden alle Mitglieder der IFAC Mitglieder des IASC. Im März 2001 wurde das IASC mit Gründung der IASC Foundation als gemeinnützige Organisation mit Sitz im Staat Delaware, USA grundlegend restrukturiert. Die gleichzeitige Mitgliedschaft in IASC und IFAC wurde damit aufgehoben. Die IASC Foundation ist die Muttergesellschaft des IASB, einem unabhängigen Standard Setter im Bereich ›RL‹ mit Sitz in London (zu Motiven und Zielvorstellungen i. R. d. Neuorganisation des IASC vgl. Kleekämper, H./Kuhlewind, A.-M./Alvarez, M. 2002, Rn. 36 bis 40). Die Restrukturierung fußt auf einer von der Strategy Working Party durchgeführten Untersuchung ›Recommendations on Shaping IASC for the future‹ (vgl. IASC 1999).

 

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Die Zielsetzung der IASC Foundation besteht in der Formulierung und Veröffentlichung von verständlichen, durchsetzbaren und globalen RL-Grundsätzen, der Förderung der weltweiten Anerkennung und Befolgung dieser Grundsätze sowie der Herbeiführung einer Konvergenz zwischen nationalen und internationalen RL-Grundsätzen (vgl. IASB 2003, S. C-2; Cummings, J. P. 1978, S. 70). Dabei galt es – insbes. in Abgrenzung zu den EG-Richtlinien – ›gleiche oder zumindest vergleichbare Vorschriften zur Rechnungslegung‹ (Kleekämper, H. 1994, S. 45) zu entwickeln. Wenngleich die Bestrebungen der Organisationen des Berufsstands auf die International Congresses of Accountants zurückzuführen sind, ist die Gründung des IASC in zeitlicher Hinsicht dennoch in ursächlichem Zusammenhang mit dem Beitritt Großbritanniens und Irlands zur EG zu sehen (vgl. Hayn, S. 1994, S. 715). Das Gegengewicht, welches zur Harmonisierung in der Gemeinschaft zu setzen war, musste sich daher auch in abweichenden Zielsetzungen niederschlagen.

 

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Die Mittel, mit denen das IASB bzw. das IASC seine Standards durchzusetzen versucht, haben sich im Zeitablauf erheblich geändert. Bis 1982 wurden die Mitgliedsorganisationen verpflichtet, ihre Berufsvertreter anzuhalten, Abweichungen von den IAS im geprüften Abschluss zu vermerken (sog. ›negative approach‹). Seither sollen die UN die Übereinstimmungen mit den IAS bzw. IFRS gesondert angeben (sog. ›positive approach‹). Seit Beginn der 1990er versucht das IASB, mittels ›strategischer Allianzen‹ (Kleekämper, H. 1994, S. 59) die Anwendung seiner Standards v. a. durch die Integration der von den Börsenorganisationen initiierten Vorschriften zu erreichen. Als erster Erfolg in diese Richtung war die Anerkennung des revidierten IAS 7 (Cash Flow Statement) durch die IOSCO im Jahr 1993 zu werten, der u. a. vom IOSCO-Mitglied SEC, d. h. der US-amerikanischen Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission), in ihre nationalen Berichterstattungsanforderungen als Alt.-Vorgehensweise aufgenommen wurde (vgl. ausführlich Hayn, S. 1994, S. 717; s. a. HFA 1/1995). Im Mai 2000 konnte ein weiterer wesentlicher Erfolg in der Zusammenarbeit mit der IOSCO erzielt werden: Die IAS konnten den Qualitätsansprüchen der IOSCO derart angepasst werden, dass diese den multinationalen Wertpapieremittenten die Anwendung der IAS zur Erstellung ihrer JA bei grenzüberschreitenden Transaktionen oder Börsennotierungen empfahl (vgl. IASB 2003a; HdR-E, Kap 1, Rn. 249 ff.).

Entspr. dem bis 1982 gültigen ›negative approach‹ hatten ...

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