Küting/Weber, Handbuch der ... / a) Ausweis
 

Rn. 224

Stand: EL 04 – ET: 11/2009

Neben Fällen problematischer Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapitalformen stellt sich die Ausweisfrage v. a. dann, wenn das gezeichnete Kapital, also jenes Kapital, auf das die Haftung der Gesellschafter für die Verbindl. der KapG gegenüber den Gläubigern beschränkt ist, nicht voll eingezahlt ist. Eine solche Differenz zwischen dem gezeichneten Kapital und dem eingezahlten Kapital ist möglich, weil sowohl bei der AG (vgl. § 36a Abs. 1 AktG) als auch der GmbH (vgl. § 7 Abs. 2 S. 1 GmbHG) – sofern es sich um Bareinlagen handelt – lediglich ein Viertel des gezeichneten Kapitals sofort zu erbringen ist. Da das gezeichnete Kapital gem. § 272 Abs. 2 stets mit dem Nennbetrag ausgewiesen werden muss, stellt sich die Frage nach dem Ausweis bzw. der Kenntlichmachung des darin enthaltenen nicht eingezahlten und ggf. nicht eingeforderten Teils.

Nach der bisherigen Regelung waren sowohl der Nettoausweis auf der Passivseite als auch der Bruttoausweis mit dem Ansatz der ausstehenden Einlagen auf der Aktivseite vor dem AV möglich. Letztere Möglichkeit wurde durch das BilMoG abgeschafft, sodass nun zwingend auf der Passivseite die nicht eingeforderten Einlagen vom Nennbetrag des gezeichneten Kapitals offen abzusetzen sind. Daraus ergibt sich nach Aufrechnung als Ergebnis das eingeforderte Kapital. Korrespondierend dazu muss der eingeforderte, aber noch nicht eingezahlte Anteil auf der Aktivseite unter den Forderungen gesondert ausgewiesen werden (vgl. § 272 Abs. 1 S. 3). Zwar kann der auf der Passivseite zu findende Begriff des "eingeforderten Kapital" insofern zu falschen Folgerungen führen, als in dieser Größe die bereits geleisteten und dem UN zugeflossenen Kap.-Anteile mit zwar eingeforderten, aber noch nicht geleisteten Kap.-Anteilen vermischt werden. Der Gesetzgeber sieht diese Gefahr jedoch allem Anschein nach als gering an, da "[...] auf der Aktivseite die eingeforderten und noch nicht geleisteten Einlagen gesondert als Forderung ausgewiesen werden, so dass die Gesamtschau der Bilanz den Abschlussadressaten also verdeutlicht, in welcher Höhe das eingeforderte Kapital noch nicht geleistet und zugeflossen ist" (BT-Drucks. 16/10067, S. 65). Die Bewertung dieser Forderungen muss zunächst immer als Äquivalent des Passivausweises erfolgen, eine (außerplanmäßige) Abschreibung kommt grds. nur für den eingeforderten Anteil in Betracht (vgl. hierzu auch ADS 1995, § 272, Rn. 66 ff.).

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