Küting/Weber, Handbuch der ... / a) Aufgaben der Prüfstelle (§ 342b Abs. 1)
 

Rn. 109

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Die Prüfstelle wird mit der Aufgabe betraut, die zuletzt festgestellten JA/KA sowie (Konzern-)Lageberichte von UN, deren Wertpapiere i. S. d. § 2 Abs. 1 Satz 1 WpHG an einer inländ. Börse im amtlichen oder geregelten Markt gehandelt werden (im Folgenden "kapitalmarktorientierte Unternehmen"), auf Verstöße gegen gesetzl. Vorschriften einschl. der GoB und der sonst. durch Gesetz zugelassenen RL-Standards zu überprüfen. Dazu gehören auch die nach Art. 3 der IAS-Verordnung (vgl. Europäische Union 2002) übernommenen und anwendbaren IFRS.

 

Rn. 110

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Die Prüfstelle wird gem. § 342b Abs. 2 Satz 3 bei folgenden Anlässen tätig:

- Vorliegen konkreter Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen die RL-Vorschriften (Anlassprüfung),
- auf Verlangen der BaFin (Anlassprüfung) oder
- ohne bes. Anlass, i. R. v. Stichprobenprüfungen.
 

Rn. 111

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Die Anlassprüfung setzt das Vorhandensein "konkreter Umstände tatsächlicher Art" voraus. So sieht der Gesetzgeber z. B. Anregungen von Aktionären oder Gläubigern des betroffenen UN oder Berichte in der Wirtschaftspresse als mögliche konkrete Anhaltspunkte für eine Überprüfung der RL i. R. d. Enforcement an (vgl. BT-Drucks. 15/3421, S. 14). Informationen aus unternehmensinternen Kreisen ist dabei eine größere Beachtung zu schenken als Informationen von externen JA-Adressaten (vgl. Zülch, H. 2005, S. 2). Bloße Vermutungen, Spekulationen und Hypothesen sollen für die Einleitung einer Überprüfung dagegen nicht ausreichen. Auch die Vorgehensweise im Fall von Stichprobenprüfungen soll gewährleisten, dass die betroffenen UN durch das Enforcementverfahren nicht übermäßig belastet werden.

 

Rn. 112

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Gem. § 342b Abs. 2 Satz 4 kann die Prüfung trotz des Vorliegens konkreter Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen RL-Vorschriften unterbleiben, wenn kein öffentliches Interesse an der Prüfung besteht. Auf die Prüfung kann damit bei offensichtlich unwesentlichen Verstößen bzw. Verstößen, deren Auswirkungen aus Sicht der Kapitalmarktteilnehmer als belanglos eingestuft werden können, verzichtet werden. Ferner findet eine Prüfung nicht statt, solange eine Klage auf Nichtigkeit des JA gem. § 256 Abs. 7 AktG oder Sonderprüfungen gem. §§ 142 und 258 AktG nicht abgeschlossen sind.

 

Rn. 113

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Die DPR wird entspr. der gesetzl. Vorgabe ab dem 01.07.2005 tätig (vgl. Art. 56 Abs. 1 Satz 2 EGHGB). Die Prüfung i. R. d. Enforcementverfahrens erfolgt erstmalig für Abschlüsse, deren GJ am 31.12.2004 endet.

 

Rn. 114

Stand: EL 01 – ET: 09/2005

Gem. § 342c sind die bei der Prüfstelle Beschäftigten zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Verschwiegenheitspflicht erstreckt sich auf die Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse des geprüften UN und die bei der Prüftätigkeit bekannt gewordenen Erkenntnisse über das geprüfte UN, jedoch nicht auf die Tatsache der Durchführung einer Prüfung. Wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen diese Pflicht verstößt, ist zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet. Die Haftungshöchstgrenze bei einer fahrlässigen Verletzung der Verschwiegenheitspflicht beträgt analog zu der für AP geltenden gesetzl. Haftungsbegrenzung nach § 323 Abs. 2 Satz 2 4 Mio. Euro pro Prüfung. Werden mehrere UN geschädigt (sog. Serienschäden), so beschränkt sich der Haftungshöchstbetrag auf 8 Mio. Euro.

Die Prüfstelle ist befugt, sich zur Durchführung ihrer Prüfungen auch anderer Personen zu bedienen.

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