Küting/Weber, Handbuch der ... / 4. Modernisierung und Überarbeitung der 4., 7. und 8. EG-Richtlinie
 

Rn. 15

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die RL und auch die Regelungen zur Abschlussprüfung und Qualifikation der Abschlussprüfer befinden sich – nicht zuletzt als Folge weitreichender Bilanzierungs- und Prüfungsfehler in den letzten Jahren – in einem erheblichen Umbruch; es ist derzeit nicht abschließend zu erkennen, wie die Regelungen letztlich auf europäischer als auch nationaler Ebene aussehen werden.

Zu erwähnen sind zum einen die sog. Fair Value Richtline vom 27.09.2001 (vgl. Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2001), die bisher nur in einem Teil der Mitgliedstaaten, darunter nicht Deutschland, umgesetzt ist, und die sog. Modernisierungsrichtlinie vom 18.06.2003 (vgl. Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2003), für die Ähnliches gilt. Beide Richtlinien berühren sowohl die 4. als auch die 7. EG-R. Mit ihnen soll eine Annäherung der Richtlinien an die internationale RL, insbes. nach IFRS erreicht werden.

Weiter sind die Verordnungen des Europäischen Parlaments und Rates vom 19.07.2002 (vgl. Europäische Union 2002) und der Europäischen Kommission vom 29.09.2003 (vgl. EU-Kommission 2003a) zu erwähnen, mit denen grds. die Pflichtanwendung der IFRS auf KA europäischer kapitalmarktorientierter MU für GJ, die am oder nach dem 01.01.2005 beginnen, eingeführt wird und die betr. IFRS, die die Kommission für diese Regelung verpflichtend vorsieht, i. E. benannt werden. Bisher erstreckt sich die Regelung nicht auf alle vorliegenden Standards, da IAS 32 und IAS 39 sowie IFRS 1 nicht in der Verordnung vom 29.09.2003 aufgeführt werden; die Aufführung der anderen Standards gilt bisher auch nur für die jeweiligen endgültigen Fassungen zum Herbst 2003, also regelmäßig noch vor dem Stand ihrer Überarbeitung durch das IASB.

Zu der Überarbeitung der 8. EG-R und anderer prüfungsrechtlich relevanter Regelungen in der 4. und 7. EG-R liegt bisher nur eine Zahl von Vorschlägen vor, ohne dass diese in einen Entwurf einer Richtlinie oder Verordnung eingegangen sind. Ähnliches gilt für die Frage der Kontrolle der Abschlussprüfer und der Anwendung der Richtlinien bzw. Verordnungen im Einzelfall i. R. d. sog. ›Enforcement‹. Es ist anzunehmen, dass die Regelungen zur Abschlussprüfung und der Qualifikation der Abschlussprüfer sich weitgehend am US-amerikanischen Sarbanes-Oxley-Act von 2002 orientieren. Zum Enforcement stehen das Modell einer weitgehenden privatrechtlichen Organisation ähnlich wie in England oder das einer öffentlich-rechtlichen Organisation entspr. der SEC in den USA zur Diskussion. Diese Diskussionen auf europäischer Ebene haben ihre Entsprechung auch auf nationaler Ebene.

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