Küting/Weber, Handbuch der ... / 4. Gründung des DRSC
 

Rn. 425

Stand: EL 09 – ET: 12/2010

Die Gesetzesänderung, die den Weg zur Gründung eines deutschen Standard Setters für die Konzern-RL freimachte, kam letztlich nicht überraschend (vgl. Langenbucher, G./Blaum, U. 1995, S. 2326 ff.; Paal, B. P. 2001, S. 35 ff.; Zitzelsberger, S. 1998, S. 247 ff.). Der deutsche Gesetzgeber hat die europäische und internationale Entwicklung lange und sorgfältig beobachtet. Auch die anderen europäischen Länder reagierten in den letzten Jahren auf die neuen Herausforderungen mit der Fortentwicklung ihrer RL-Vorschriften. Selbst jene Länder, die beispielhaft für die romanische Rechtstradition stehen, besitzen inzwischen einen nationalen Standard Setter, also nicht etwa nur Großbritannien, sondern auch Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien und die Schweiz (vgl. Wenk, C. 2000, S. 237).

 

Rn. 426

Stand: EL 09 – ET: 12/2010

Für die Implementierung eines privaten Standard Setters sprechen mind. zwei Gründe (vgl. Löw, E. 2001, S. 23): Die hohe Entwicklungsgeschwindigkeit neuer Güter und Dienstleistungen verlangt ebenso schnelle Abbildungsregeln, damit sich die Sachverhalte zweckadäquat in den Bilanzen widerspiegeln. Hierbei ist ein zeitaufwendiger Gesetzgebungsprozess eher hinderlich und hemmend. Hinzu kommt, dass die Festlegung von Standards durch ein mit Experten besetztes RL-Gremium den Regeln aufgrund der eingebrachten Erfahrung und des entspr. Know-hows eine höhere Qualität verleiht.

 

Rn. 427

Stand: EL 09 – ET: 12/2010

Mit der Schaffung der gesetzl. Grundlage für einen deutschen Standard Setter verliert das BMJ indes keineswegs die Gesetzgebungshoheit als solche (vgl. Heintzen, M. 1999, S. 1050; Schwab, M. 1999, S. 731 und 783). Dennoch stellt die freiwillige Aufgabe von Kompetenzen, die ein staatlicher Hoheitsträger einmal besessen hat, eine bemerkenswerte Besonderheit dar.

 

Rn. 428

Stand: EL 09 – ET: 12/2010

Die Gründung des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) erfolgte mit Blick auf die endgültige Gesetzesverabschiedung im März 1998; dabei ging die Initiative vom BMJ aus. Eine schnelle Gründung war insofern erforderlich, als die Alternative eine Installierung eines RL-Beirats nach § 342a unter dem Dach des BMJ gewesen wäre. Ein solches RL-Gremium hätte indes immer mit dem Makel leben müssen, als quasi halbstaatliche Institution international nicht anerkannt zu werden. Außerdem wäre der staatliche Einfluss durch die Entsendung je eines Vertreters des BMJ (als Vorsitzenden des Gremiums), des BMF und des BMWi zu dominierend gewesen. Im Vergleich zu der Gründung eines privaten Standard Setters wäre dies somit die schlechtere Lösung gewesen.

 

Rn. 429

Stand: EL 09 – ET: 12/2010

Am 03.09.1998 hat das BMJ den Deutschen Standardisierungsrat (DSR) durch den Standardisierungsvertrag als privaten Standard Setter des DRSC anerkannt (vgl. Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S. 2009b, S. 29). International tritt das DRSC unter der Bezeichnung ›Accounting Standards Committee of Germany‹ (ASCG), der DSR als ›German Accounting Standards Board‹ (GASB) und das RIC als ›Accounting Interpretations Committee‹ auf.

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