Küting/Weber, Handbuch der ... / 3. Verkürzte Bilanz
 

Rn. 263

Stand: EL 16 – ET: 05/2013

Kleinst-KapG können nach § 266 Abs. 1 Satz 4 eine verkürzte Bilanz (dagegen hieß es im RefE noch "vereinfachte Bilanz") nach folgendem Bild aufstellen:

Übersicht: Verkürzte Bilanz einer Kleinstkapitalgesellschaft

Indes müssen kleine KapG i. S. d. § 267 in ihrer verkürzten Bilanz auch die römischen Zahlen gesondert ausweisen. Deren Bilanzbild stellt sich mithin zumindest wie folgt dar:

Übersicht: (Mindest-)Gliederung einer Bilanz einer kleinen Kapitalgesellschaft

 

Rn. 264

Stand: EL 16 – ET: 05/2013

Die aktiven und passiven latenten Steuern (kursiv dargestellt) müssen kleine KapG nach § 274a Nr. 5 nicht abgrenzen (vgl. zu passiven latenten Steuern als Rückstellungen bei kleinen KapG die Verlautbarung der Bundessteuerberaterkammer 2012, S. 2296 ff.; IDW RS HFA 7, Rn. 26 ff.), sodass diese Posten auch bei Kleinst-KapG entfallen können. Dagegen kann auf den Ausweis von aktiven und passiven RAP nicht verzichtet werden. Das im RefE noch bestehende Wahlrecht wurde im Schrifttum insbes. deswegen kritisch gesehen, da dies ggf. den Ausweis eines anderen Postens bedingt hätte (bspw. hätte nach dem RefE ggf. bei ­materiell einzustufenden aktiven RAP eine Untergliederung des UV in Forderungen erfolgen können) und das Wahlrecht zu einer unklaren Darstellung der Finanzlage hätte führen können. Eine Streichung des Ausweiswahlrechts wird daher begrüßt (gl. A. Haller, A./Groß, T. 2012a, S. 2413).

Weiterhin war es während des RefE-Status noch möglich, dass die verkürzte Bilanzgliederung für Kleinst-KapG durch § 247 Abs. 1 konterkariert wird, da diese Norm unter Umständen eine tiefergehende Gliederung verlangt (vgl. ausführlich hierzu Hütten/Lorson, HdR-E, § 247, Rn. 5 ff.). Aufgrund dessen hätte es zu einem Wegfallen der Begünstigung gegenüber kleinen KapG kommen können. Dem wird jedoch nun vom Gesetzgeber entgegnet, dass "das Erfordernis nach § 247 Abs. 1 HGB … bei Kleinstkapitalgesellschaften regelmäßig erfüllt (ist, d.Verf.), wenn sie eine auf Buchstabenposten verkürzte Gliederung verwenden" (BT-Drucks. 17/11292, S. 17). Sollte der beschriebene Regelfall jedoch nicht gegeben sein, werden nun Angaben unter der Bilanz gefordert (vgl. ausführlich hierzu HdR-E, Vor Kap 1, Rn. 270 ff.). Eine weitere Aufgliederung der Bilanz muss allerdings nicht mehr vorgenommen werden.

Ob die Bildung eines aktiven Unterschiedsbetrags aus der Vermögensverrechnung bei Kleinst-KapG zustande kommen konnte, war in der Literatur zum RefE aufgrund der mangelnden expliziten Regelung umstritten (vgl. Küting, K./Eichenlaub, R./Strauß, M. 2012, S. 1674; Zwirner, C. 2012, S. 2233). Allerdings kam der Gesetzgeber einer solchen lex specialis in § 253 Abs. 1 Satz 6 im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens nach (vgl. HdR-E, Vor Kap 1, Rn. 276), sodass es nun auch bei Kleinst-KapG zu einem Ansatz des in Rede stehenden Postens kommen kann, gleichwohl wird dies in der Praxis eher die Ausnahme darstellen.

 

Rn. 265

Stand: EL 16 – ET: 05/2013

Die vereinfachte Bilanzgliederung darf – analog zu den sonstigen im HGB bestehenden größenabhängigen Erleichterungen (vgl. Ischebeck/Nissen-Schmidt, HdR-E, § 264a, Rn. 6; Hoffmann/Lüdenbach 2013, § 264c, Rn. 3) – auch von PersG i. S. v. § 264a HGB angewandt werden. Gem. § 264c Abs. 5 sind bei der Ermittlung der Bilanzposten die rechtsformspezifischen Vorschriften der Abs. 1 – 4 des § 264c zu berücksichtigen (wie bspw. die Behandlung der Kap.-Anteile der pers. haftenden Gesellschafter (vgl. hierzu Ischebeck/Nissen-Schmidt, HdR-E, § 264c, Rn. 12 ff.)), jedoch darf die Gliederung nach dem vereinfachten Schema erfolgen. In § 264c Abs. 5 wird neben § 266 Absatz 1 Satz 4 auch auf Satz 3 verwiesen, sodass gleichzeitig auch eine neue verkürzte Darstellung für kleine PersG i. S. v. § 264a eingeführt wird (vgl. Kreipl/Müller 2012, Rn. 26).

 

Rn. 266

Stand: EL 16 – ET: 05/2013

Weitere spezifische Vorschriften zur Bilanz bestehen für KapG, die in der Rechtsform der AG (darüber hinaus auch für die SE, die nachfolgend jedoch nicht zusätzlich genannt wird) oder KGaA sowie der GmbH firmieren. AG oder KGaA sind nach § 152 Abs. 4 AktG von den zusätzlichen Vorgaben des § 152 Abs. 1 – 3 AktG befreit, wenn sie die Erleichterung gem. der verkürzten Bilanz für Kleinst-KapG in Anspruch nehmen. Sondervorschriften sind ebenfalls für die Bilanz der GmbH insbes. in § 42 GmbHG kodifiziert (vgl. ausführlich zu weiteren potenziellen Sonderangaben Kreipl/Müller 2012, Rn. 29; Fey, G. u. a. 2013, S. 110). Bspw. verlangt § 42 Abs. 3 GmbHG: Forderungen, Ausleihungen und Verbindl. gegenüber Gesellschaftern sind entweder in der Bilanz zu vermerken oder im Anh. anzugeben. Eine Ausnahmeregelung von dieser Norm ist allerdings nicht vorgesehen, sodass die Angaben grds. zu tätigen sind (vgl. Hoffmann, W.-D. 2012, S. 730). Inhaltlich deckungsgleich mit § 42 Abs. 3 GmbHG ist jedoch die Regelung in § 264c Abs. 1 für PersG i. S. d. § 264a (vgl. Ischebeck/Nissen-Schmidt, HdR-E, § 264a HGB, Rn. 3). Da letztere Gesellschaften jedoch nach § 264c Abs. 5 auf das ve...

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