Küting/Weber, Handbuch der ... / 2. Pilotphase
 

Rn. 557

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

I. R. d. Verbandsanhörung am 11.10.2010 wurde die Notwendigkeit einer Pilotphase seitens der Wirtschaft deutlich. Insbes. war es erforderlich, die technische und inhaltliche Umsetzung der Steuertaxonomie zu testen, um einen reibungslosen Start der elektronischen Übermittlung zu gewährleisten (vgl. Bundessteuerberaterkammer 2010, S. 2; Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft 2010, S. 3f.).

Mit der Verschiebung des Anwendungszeitpunkts auf WJ, die nach dem 31.12.2011 beginnen, wurde der Weg für eine weitere Pilotphase geebnet. Ziel der Pilotierung war die Erprobung der elektronischen Übermittlung der Inhalte der Bilanz und der GuV und die Ausräumung etwaiger Unwägbarkeiten seitens der Finanzverwaltung sowie seitens der Wirtschaft noch vor Beginn des Echtbetriebs. Hierzu haben UN verschiedener Größenklassen, Wirtschaftszweige und Rechtsformen sowie unabhängig von der zur Erstellung der Bilanz und GuV verwendeten Software ihre JA freiwillig elektronisch an die Finanzverwaltung übermittelt. Zur Simulation des Echtbetriebs wurden nicht wie im vorhergehenden Praxistest Testdatensätze, sondern anonymisierte Echtdaten, d. h. JA für WJ 2010 sowie Teilabschlüsse 2011, übermittelt. Die Übermittlung erfolgte mit einer von der Finanzverwaltung zugewiesenen Teststeuernummer und Testmerker, damit die Daten für die Pilotierung ausgesteuert und ausgewertet werden konnten (vgl. BMF 2011, S. 6). Für Zwecke der Auswertung haben die Teilnehmer die Summen- und Saldenliste, die über den Berichtsbestandteil "Kontensalden zu einer Position" oder als PDF per E-Mail übermittelt werden konnte, zur Verfügung gestellt.

 

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Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Gegenstand der Pilotierung war ausschließlich die Kerntaxonomie, die für Zwecke der Pilotierung mit dem BMF-Schreiben v. 16.12.2010 (vgl. BMF 2010d) festgeschrieben wurde. Eine gesonderte Überprüfung der Spezial- und Ergänzungstaxonomien war nicht vorgesehen. Die Pilotphase begann im Februar 2011 und erstreckte sich – nach einer Verlängerung – bis zum 30.06.2011 (vgl. Arnold, A./Schumann, J. 2011, S. 740). Die teilnehmenden UN hatten dabei nicht nur die Möglichkeit, Datensätze zu übermitteln, sondern konnten auch ihre Erfahrungen bei der Erfassung und der anschließenden Übermittlung der Daten in einem Evaluierungsbogen darlegen (vgl. BMF 2011, S. 6).

 

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Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Nach Ansicht der Finanzverwaltung war die Pilotierung mit nur 84 teilnehmenden UN repräsentativ, da zur Auswertung Datensätze und Evaluierungsbögen aller Rechtsformen und Unternehmensgrößen vorlagen (vgl. Arnold, A./Schumann, J. 2011, S. 741). Die Pilotierung bestätigte, dass die Unternehmen zwar noch Zeit für die technische Umsetzung benötigen, aber die elektronische Übermittlung nach § 5b EStG in der geforderten Form sowie im gewünschten Umfang grds. möglich und zumutbar ist (vgl. Bericht zur Auswertung der Pilotphase, S. 16). Die Pilotierungstaxonomie v. 16.12.2010 wurde aufgrund der Auswertung der Datensätze und der Anregungen der Teilnehmer überarbeitet. Neben der Streichung der Mussfeld-Eigenschaft bei 13 Positionen (z. B. bei der Position "Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte"), wurden zahlreiche Auffangpositionen (z. B. "Sonstige nicht zuordenbare flüssige Mittel") eingefügt, um Eingriffe in das Buchungsverhalten zu vermeiden. Zudem wurden in der Taxonomie diverse fakultative Positionen (z. B. "sonstige Beteiligungen, nicht zuordenbar") eingefügt, um bestimmte Sachverhalte besser abbilden zu können (zu den einzelnen geänderten bzw. eingefügten Positionen in der Taxonomie, vgl. die Anlagen zum Bericht über die Auswertung der Pilotphase, S. 18ff.). Die Veröffentlichung des finalen BMF-Schreibens, welches die aus der Pilotierung gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigt, sowie der dazugehörigen Taxonomien 5.0 (Kern- und Branchentaxonomien) erfolgte nach einigen Verzögerungen schließlich am 28.09.2011 (vgl. BMF 2011a).

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