Küting/Weber, Handbuch der ... / 2. Internationale Organisationen
 

Rn. 105

Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die diversen Organisationen (vgl. die Übersicht in HdR-E, Kap 1, Rn. 106), die sich zum Themenkomplex der internationalen RL geäußert haben, sowie insbes. die Literatur haben sich auf unterschiedliche Weise diesem Problemkreis genähert, die Macharzina, A./Scholl, R. F. (1984, S. 229) wie folgt klassifizieren:

(1) ›vergleichende Untersuchungen von nationalen Rechnungslegungssystemen;
(2) Bemühungen zur internationalen Vereinheitlichung der Rechnungslegung;
(3) Analyse von Theorien und Techniken sowie Entwicklung von Methoden mit Bezug auf die spezifisch internationalen Rechnungslegungsprobleme;
(4) Entwicklung von Ansätzen für die unternehmerische Entscheidungsfindung im Bereich der internationalen Unternehmenstätigkeit.‹

Das Bemühen einer internationalen Annäherung der einzelstaatlichen RL-Normen kann grds. in Form einer strengen Rechtsvereinheitlichung (Standardisierung) oder liberalen Rechtsangleichung (Harmonisierung) erfolgen (vgl. Nobes, C. 1995, S. 117). Vor dem Hintergrund vielfältiger, weltweit existenter Rechnungsnormen und Bilanzierungspraktiken erscheint allerdings die Vereinheitlichung der internationalen RL zumindest zweifelhaft. ­Arpan/Radebaugh halten sie sogar für ausgeschlossen, so dass die Zielsetzung jeglicher Angleichungsbestrebungen nur in der Einengung zulässiger Wahlrechte liegen kann. ›The process of harmonization, in fact, is one of narrowing down the variety of standards and practices into a narrow set of acceptable ones. This process is being carried out on a national, regional, and international basis‹ (Arpan, J. S./Radebaugh, L. H. 1985, S. 39). Allerdings scheint sich eine internationale Vereinheitlichung der RL auf dem Teilgebiet der Kapitalmarktkommunikation durchzusetzen, indem eine zunehmende Anzahl von Staaten einheitliche, international anerkannte (Konzern-)RL-Vorschriften für die periodische Berichterstattung kapitalmarktorientierter UN vorsieht. Hierbei handelt es sich indes nicht um die Rechtsvereinheitlichung einzelstaatlicher RL-Normen i. e. S., sondern um eine – in Deutschland gesetzl. kodifizierte – Akzeptanz von Bilanzierungsvorschriften einer supranationalen, privatrechtlichen Instanz (IASB). Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung internationaler Organisationen im Prozess der Entwicklung international anerkannter RL-Normen.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

 
  Weltweit Regional
Zwischenstaatliche Organisationen UN, OECD EU, AAC
Privatrechtliche Standard Setter IASB, IOSCO FEE, AFA, DRSC
Berufsrechtliche Zusammenschlüsse IFAC FEE, AIC

Übersicht: Klassifizierung wesentlicher Organisationen, die sich um eine internationale Entwicklung der RL sowie der Abschlussprüfung bemühen (vgl. stellvertretend Daley, L. A./Mueller, G. G. 1982, S. 42; Nobes, C. 1995, S. 121)

Die Übersicht kann grds. um die diversen kleineren privatrechtlichen Berufsorganisationen regionaler Prägung ergänzt werden, die neben berufsrechtlichen Fragen auch eine Angleichung ihrer RL-Standards erörtern (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 241). Die Arbeit der zwischenstaatlichen Organisationen ist diesbzgl. v. a. durch ihre politisch motivierte Harmonisierung streng von den privat- und berufsrechtlichen Gruppen zu trennen. Gemeinsam ist beiden Harmonisierungsgruppen (zwischenstaatlichen einerseits und privat-/berufsrechtlichen andererseits) hingegen das beständige Anwachsen der Anzahl der einzelnen Organisationen. Dabei haben sich diese Institutionen und sonst. Zusammenschlüsse aus unterschiedlichen Beweggründen der Aufgabe der Vereinheitlichung der RL verschrieben.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die einzelnen Organisationen repräsentieren differierende Mitgliedstaaten und haben Verlautbarungen in Form von Standards, Leitsätzen und Empfehlungen verabschiedet, die völlig unterschiedliche rechtliche und faktische Bindungswirkungen in den jeweiligen Mitgliedstaaten entfalten. Einige Organisationen wurden zu neuen Verbunden fusioniert (UEC und Groupe d'Etudes zur FEE, vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 217 ff. und HdR-E, Kap 1, Rn. 225 ff.), während andere ihre Arbeit zugunsten neu entstandener aufgaben (ICCAP sowie AISG zugunsten IFAC und IASC (heute: IASB), vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 171 und HdR-E, Kap 1, Rn. 174). Mit den neuen Zusammenschlüssen haben sich in Teilbereichen auch die Zielrichtungen verändert. Darüber hinaus schlossen sich einige bislang nicht vertretene Interessenverbände zu internationalen Organisationen zusammen und üben einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der internationalen RL aus (bspw. IOSCO, vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 246 ff.; ICMG, vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 215). Ferner schlossen sich Organisationen mit komplementären Aufgabenfeldern oder komplementärer Fachexpertise zu strategischen Allianzen zusammen, um durch das Zusammenwirken ihre satzungsmäßigen Aufgaben nachhaltiger verfolgen zu können (bspw. die Allianz zwischen der IOSCO und dem damaligen IASC, vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 254 ff.).

Ferner ist eine zunehmende interne Diversifizierung innerhalb einzelner Zusammens...

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