Küting/Weber, Handbuch der ... / 2. Hohe Bürokratiekosten
 

Rn. 562

Stand: EL 27 – ET: 04/2018

Bei der derzeitigen Ausgestaltung der E-Bilanz ist die angestrebte "Win-Win-Situation" für UN und Verwaltung (vgl. Klein, E./Wißborn, J. 2010, S. 7) nicht direkt erkennbar. Zweifellos führt die elektronische Übermittlung durch ein gezieltes Risikomanagement zur Effizienzsteigerung im Besteuerungsverfahren und trägt auf diese Weise dem in § 85 Satz 1 AO verankerten Grundsatz der Gleichmäßigkeit der Besteuerung Rechnung. Dennoch verhält sich der hieraus gewonnene Nutzen in einem fraglichen Verhältnis zu den Mehraufwendungen, die den UN durch den Umstellungsbedarf entstehen (vgl. Risse, R. 2010, S. 61), insbes. bei UN, die keine E-Bilanz-fähige Software verwenden und entsprechende Software anschaffen müssen.

Im Gesetzgebungsverfahren wurden die finanziellen Lasten auf 500 000 Euro beziffert. Bei insgesamt 1,35 Mio. betroffenen UN ergäbe sich somit eine Belastung von lediglich 0,37 Euro pro UN. Die aus der Substitution der Papierform resultierende Entlastung wurde auf jährlich ca. 18 Mio. Euro geschätzt (vgl. BR-Drucks. 547/08, S. 19). Diese Schätzungen erweisen sich angesichts des erheblichen Umstellungsaufwands als realitätsfern, denn tatsächlich beziffern Experten die Kosten auf ca. 7 Mrd. Euro. Dies führt zu einer Belastung von ca. 5.000 Euro pro Stpfl. (vgl. Jonas, B. 2010, S. 602). Gleichwohl ist die Höhe der ­Kosten abhängig von der Größe des UN. Bei kleinen UN, die eine Standardsoftware verwenden, dürfte die Belastung geringer ausfallen. Dies bestätigt eine Studie, in der Klein- und Kleinst-UN bzw. deren Steuerberater befragt wurden; fast ein Drittel der Befragten rechnet mit Kosten bis zu 1.000 Euro (vgl. Richter, L./Kruczynski, M. 2012, S. 921f.).

Wesentlich dürfte es daher sein, die von den UN zu übermittelnden Daten auf das erforderliche Maß zu begrenzen, denn nur so kann das Ziel des Gesetzes, die Bürokratiekosten der Verwaltung und der Wirtschaft zu senken, umgesetzt werden (vgl. Nationaler Normenkontrollrat 2010, S. 1). Zudem darf die Übermittlung der Bilanzen und GuV keine "Einbahnstraße" bleiben (dieser Aspekt stellt eine wesentliche Forderung der BStbk dar, vgl. Bundessteuerberaterkammer 2010, S. 1). Die Finanzverwaltung bestätigt solche Bestrebungen, wonach auch die Änderungen durch das Finanzamt – wie etwa i. R. d. Betriebsprüfung – elektronisch zurückübermittelt werden sollen (vgl. BMF 2011a, S. 3f.). Durch die elektronische Übermittlung können sich somit künftig auch Vorteile für den Stpfl. ergeben. Diese sollten die Verpflichtung nach § 5b EStG daher "[...] nicht nur als kostenintensives Ärgernis, sondern auch als Chance verstehen, die nun zu erhebenden Daten insbesondere auch für eigene Zwecke zu nutzen – vor allem für die Steuerplanung und zur Optimierung des Steuerdeklarationsprozesses" (Ortmann-Babel, M. 2011, S. 112; zu den Potenzialen der elektronischen Übermittlung, vgl. auch Vinken, H. 2012, S. 1205).

 

Rn. 563–800

Stand: EL 27 – ET: 04/2018

vorläufig frei

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge