Küting/Weber, Handbuch der ... / 2. Bewertung

a) Verbindlichkeiten

 

Rn. 131

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Handelsrechtlich sind Verbindlichkeiten unabhängig von ihrer (Rest-)Laufzeit und der Verzinslichkeit mit dem Erfüllungsbetrag anzusetzen und (mit Ausnahme von Rentenverbindlichkeiten) nicht abzuzinsen (vgl. § 253 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 Satz 3). Steuerrechtlich sind Verbindlichkeiten unter sinngem. Anwendung des § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG zu AK bzw. bei dauernder Werterhöhung (wahlweise) mit dem höheren Teilwert zu bewerten. Steuerlich ist die Verbindlichkeit abzuzinsen, der Abzinsung ist ein Zinssatz von 5,5 % zugrunde zu legen. Ausgenommen von der Abzinsung sind Verbindlichkeiten, deren Laufzeit am Bilanzstichtag weniger als zwölf Monate beträgt, und Verbindlichkeiten, die verzinslich sind oder auf einer Anzahlung oder Vorausleistung beruhen, da eine Passivierung der Verpflichtung mit dem abgezinsten Wert bei gleichzeitigem Aktivzugang von Anzahlungen/Vorausleistungen zu AK den Ausweis nicht realisierter Gewinne zur Folge hätte (vgl. BT-Drucks. 14/443, S. 23). Eine vom Abzinsungsgebot ausgenommene verzinsliche Verbindlichkeit liegt grds. bei Vereinbarung eines Zinssatzes von mehr als 0 % vor. Bei formal unverzinslichen Verbindlichkeiten kann die Verzinslichkeit auch wirtschaftlich, z. B. in einer Verwendungsauflage, begründet sein. Ein Zinssatz nahe 0 % kann jedoch im Einzelfall als missbräuchliche Gestaltung i. S. v. § 42 AO anzusehen sein (vgl. BMF 1999, S. 818). Schwierigkeiten bereitet das Abzinsungsgebot bei Verbindlichkeiten, deren Laufzeit ungewiss ist; hier ist die wahrscheinliche Restlaufzeit im Einzelfall zu schätzen (vgl. Hauber, B./Kieser, H. 2000, S. 1512 ff.; van de Loo, P. 2000, S. 509). Von den steuerlichen Abzinsungsausnahmen des § 6 Abs. 1 nr. 3 Satz 2 EStG abgesehen, weichen HB und StB damit regelmäßig in der Abzinsungsfrage ab.

 

Rn. 132

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Die steuerliche Berücksichtigung eines höheren Teilwerts setzt bei Verbindlichkeiten eine voraussichtlich dauernde Werterhöhung voraus (vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 3, Nr. 2 Satz 2 EStG). Rspr. und Finanzverwaltung verneinen in Fällen langfristiger Fremdwährungsverbindlichkeiten (zehn Jahre) aufgrund sich grundsätzlich ausgleichender Währungskursschwankungen im Regelfall eine voraussichtlich dauernde Werterhöhung (vgl. BFH-Urt. v. 23.04.2009, IV R 62/06, BStBl. II 2009, S. 778; BFH-Urt. v. 04.02.2014, I R 53/12, BFH/NV 2014, S. 1016; BMF 2014, Rn. 31). Für kurzfristige Verbindlichkeiten (Verbindlichkeiten des lfd. Geschäftsverkehrs) wird es für die Annahme einer voraussichtlich dauernden Werterhöhung als hinreichend gewertet, wenn diese bis zur Bilanzaufstellung oder dem vorangegangenen Tilgungs- oder Entnahmezeitpunkt anhält (vgl. BMF 2014, Rn. 35). Mit Anordnung entspr. Anwendung des § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG besteht bei voraussichtlich dauernder Werterhöhung wie auf der Aktivseite bzgl. eines niedrigeren Teilwertansatzes auch bzgl. des höheren Teilwertansatzes bei Verbindlichkeiten ebenfalls ein Wahlrecht (vgl. Schubert, in: Beck Bil-Komm. 2014, § 253, Rn. 52; Kulosa 2015, § 6 EStG, Rn. 451; s. a. HdR-E, Kap 3, Rn. 221 ff.) und insoweit ausübungsbedingt Abweichungspotenzial.

 

Rn. 133-135

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

vorläufig frei

b) Rückstellungen

aa) Bewertungsgrundsätze

 

Rn. 136

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Handelsrechtlich finden mit der Bewertung zum Erfüllungsbetrag (vgl. § 253 Abs. 1 Satz 2) künftige Preis- und Kostensteigerungen Eingang in die Bewertung, d. h. der nach den Preis- und Kostenverhältnissen im voraussichtlichen Erfüllungszeitpunkt bemessene Erfüllungsbetrag ist heranzuziehen. Steuerlich sind der Bewertung demgegenüber die Wertverhältnisse am Bilanzstichtag zugrunde zu legen (sog. steuerliches Stichtagsprinzip; vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 3a lit. f) EStG). Künftige Preis- und Kostensteigerungen dürfen steuerlich nicht berücksichtigt werden. Abweichungen auf Bewertungsebene sind bereits insoweit zwingend.

 

Rn. 137

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Die handelsrechtliche Bewertung zum Erfüllungsbetrag wird folgerichtig ergänzt um eine Abzinsungsverpflichtung für Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr (vgl. § 253 Abs. 2 Satz 1). Abzuzinsen ist mit dem laufzeitkongruenten durchschnittlichen Marktzinssatz der letzten sieben GJ. Steuerlich sind Rückstellungen für unverzinsliche Geld- ebenso wie Sachleistungsverpflichtungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr – ungeachtet der fehlenden Berücksichtigung etwaiger Preis- und Kostensteigerungen – ebenfalls abzuzinsen, wobei dies wiederum losgelöst von Restlaufzeit und/oder Marktzins mit einem fixen Zinssatz i. H. v. 5,5 % zu erfolgen hat (vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 3a lit. e) EStG). Die steuerliche zwingende Rückstellungsbewertung zu einem fixen Zinssatz bei Ausschluss der Berücksichtigung künftiger Preis- und Kostensteigerungen führt bei längerfristigen Rückstellungen zu einer massiven, allein aus fiskalischen Erwägungen getragenen Unterbewertung. Abweichungen zwischen HB und StB können damit insbes. im Rückstellungsbereich ganz erhebliche Ausmaße annehmen.

 

Rn. 138-140

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

vorläuf...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge