Küting/Weber, Handbuch der ... / 2. Auswirkungen auf die handelsrechtliche Gewinn- und Verlustrechnung
 

Rn. 552

Stand: EL 15 – ET: 11/2012

Auch die handelsrechtl. GuV-Gliederung erfährt im Hinblick auf die stl. Deklaration erhebliche Untergliederungen. Jene offenbaren die Positionen, die für stl. Zwecke von wesentlicher Bedeutung sind. So bspw. der GuV-Posten "Umsatzerlöse", in dem gem. § 277 Abs. 1 Erlöse aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit abzgl. USt und Erlösschmälerungen auszuweisen sind (vgl. Budde, HdR-E, HGB § 275, Rn. 32). Eine Untergliederung diesbzgl. sieht § 275 Abs. 2 Nr. 1 bzw. Abs. 3 Nr. 1 nicht vor. Hiernach sind UE für handelsrechtl. und über die MGB auch für stl. Zwecke in nur einem einzigen GuV-Posten auszuweisen; jedoch wird eine weitere Untergliederung gem. § 265 Abs. 5 Satz 1 als zulässig erachtet, sofern sie die Übersichtlichkeit der GuV nicht beeinträchtigt. Demgegenüber trifft die Steuertaxonomie zunächst die Unterscheidung in die GuV-Positionen "in Umsatzerlöse (GKV) enthaltener Bruttowert" und "in Umsatzerlöse (GKV) verrechnete Erlösschmälerungen". Während bei Letzterer durch die Kennzeichnung als "Mussfeld, Kontennachweis erwünscht" eine weitere verpflichtende Untergliederung entfällt, ist die Position "in Umsatzerlöse (GKV) enthaltener Bruttowert"nach umsatzstl. Tatbeständen in 11 Unterpositionen, u. a. "Umsatzerlöse Regelsteuersatz", "Umsatzerlöse ermäßigter Steuersatz", "Erlöse aus Leistungen nach § 13b UStG" und "steuerfreie EG-Lieferungen § 4 Nr. 1b UStG (Innergemeinschaftliche Lieferungen)", zu unterscheiden. Eine solche Differenzierung ist zwar für die USt-Voranmeldung und die USt-Erklärung zwingend durchzuführen, jedoch ist sie u. U. nicht direkt aus den Konten ersichtlich. In der Praxis werden UE unterschiedlicher Steuersätze häufig auf einem Erlöskonto erfasst, während die umsatzstl. Differenzierung mithilfe von Steuerschlüsseln erfolgt. Zur Vermeidung einer Umstellung auf die Steuerkontenlogik wurde in der Taxonomie die Auffangposition "Umsatzerlöse ohne Zuordnung nach Umsatzsteuertatbeständen" eingefügt. Diese kann genutzt werden, soweit eine differenzierte Zuordnung maschinell nicht möglich ist (vgl. Rust, H./Hülshoff, M./Kolbe, S. 2011, S. 748). Durch die Beschränkung der Ableitbarkeit auf das Hauptbuch (vgl. HdR-E, Kap 6, Rn. 542) besteht u. E. keine Pflicht zur Auswertung der Buchungsschlüssel. Dies bedeutet, dass die Auffangposition genutzt werden kann, wenn die Differenzierung nach umsatzstl. Tatbeständen nicht aus dem Hauptbuch ableitbar ist. Trotz dieses Zugeständnisses ist die doppelte Abfrage der Daten – zum einen in der USt-Erklärung und zum anderen i. R. d. E-GuV – als bedenklich einzustufen, zumal diese Informationen für ertragstl. Zwecke keine Relevanz besitzen. Einerseits zeigt die Finanzverwaltung hierdurch das Problem, dass die Daten der Veranlagung nicht mit denen der E-Bilanz abgeglichen werden können (vgl. Bundessteuerberaterkammer 2010, S. 3). Andererseits könnte die Finanzverwaltung gerade durch die doppelte Abfrage einen Abgleich mit den Daten der USt-Erklärung durchführen. Ungeachtet jener Möglichkeit besitzt diese Differenzierung Relevanz für das Risikomanagement. Die Finanzverwaltung bestätigt, dass Doppelabfragen vermieden werden sollen und möchte diesbzgl. eine schnellstmögliche Vereinheitlichung herbeiführen (vgl. FAQ zur E-Bilanz v. 15.06.2012, S. 7).

Eine ebenfalls sehr detaillierte Untergliederung erfahren die GuV-Posten "sonstige betriebliche Erträge" und "sonstige betriebliche Aufwendungen" i. S. d. § 275 Abs. 2 Nr. 4 und 8 bzw. Abs. 3 Nr. 6 und 7, die handelsrechtl. jeweils in nur einem einzigen GuV-Posten auszuweisen sind. Dem definierten Mindestumfang entspr. besteht die in der Taxonomie enthaltene Position "sonstige betriebliche Erträge" aus insgesamt 36 Unterpositionen (davon 23 Mussfelder), die Position "sonstige betriebliche Aufwendungen" sieht sogar eine Untergliederung in 50 Positionen (davon 33 Mussfelder) – insbes. nach gewerbe- und einkommensteuerlichen Tatbeständen – vor. Beide machen etwa 40 % des Mindestumfangs der E-GuV aus (vgl. Herzig, N./Briesemeister, S./Schäperclaus, J. 2010, S. 6f.).

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