Küting/Weber, Handbuch der ... / 2. Angaben im Zusammenhang mit dem Lagebericht und dem Konzernlagebericht (§ 322 Abs. 6)
 

Rn. 46

Stand: EL 08 – ET: 10/2010

"Die Beurteilung des Prüfungsergebnisses hat sich auch darauf zu erstrecken, ob der Lagebericht oder der Konzernlagebericht nach dem Urteil des Abschlussprüfers mit dem Jahresabschluss und gegebenenfalls mit dem Einzelabschluss nach § 325 Abs. 2a oder mit dem Konzernabschluss in Einklang steht und insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Unternehmens oder des Konzerns vermittelt." (§ 322 Abs. 6 Satz 1, Herv. d. d. Verf.). "Dabei ist auch darauf einzugehen, ob die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dargestellt sind" (§ 322 Abs. 6 Satz 2, Herv. d. d. Verf.). Demnach muss der AP in seiner Erklärung nach § 322 Abs. 3 Satz 1 beurteilen, ob der Lagebericht mit dem JA bzw. mit dem EA nach § 325 Abs. 2a und der Konzernlagebericht mit dem KA in Einklang steht (vgl. WP- Handbuch 2006, Bd. I, Rn. Q 496f.), ob der Lagebericht bzw. der Konzernlagebericht insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des UN bzw. des Konzerns widerspiegelt, und letztendlich ob die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dargestellt sind (vgl. § 322 Abs. 6). Diese zu treffende Beurteilung basiert auf der nach § 317 Abs. 2 vorgeschriebenen Prüfung des Lageberichts bzw. des Konzernlageberichts und bezieht sich ausschließlich auf die Darstellung durch die gesetzl. Vertreter (vgl. Förschle/Küster, in: Beck Bil-Komm. 2010, § 322, Rn. 32; vgl. WP-Handbuch 2006, Bd. I, Rn. Q 498). Der Prüfer soll hierbei beurteilen, ob die Einschätzungen, insbes. die zukunftsbezogenen Einschätzungen der gesetzl. Vertreter unter Berücksichtigung der zugrunde gelegten Daten plausibel sind. (vgl. Stobbe, T. 1988, S. 310; IDW PS 350, Rn. 10; WP-Handbuch 2006, Bd. I, Rn. Q 501).

 

Rn. 47

Stand: EL 08 – ET: 10/2010

Eine wesentliche Frage bei der Testierung des Lageberichts ist die Abgrenzung der berichtspflichtigen Tatbestände. Der Lagebericht bzw. der Konzernlagebericht muss die gesetzl. Anforderungen nach § 289 erfüllen. Dies betrifft insbes. die nach § 289 Abs. 1 geforderte Darstellung des Geschäftsverlaufs einschließlich des Geschäftsergebnisses und der Lage der KapG (vgl. WP-Handbuch 2006, Bd. I, Rn. Q 500; vgl. IDW PS 350, Rn. 2, 3). Zusätzliche freiwillige Berichterstattungen, z. B. in Form einer Segmentberichterstattung (vgl. dahingehend HdR-E, HGB § 322, Rn. 24) oder eines Sozial- und Umweltberichts, sind zulässig (vgl. Förschle/Küster, in: Beck Bil-Komm. 2010, § 322, Rn. 34; in diesem Sinne Ellrott, in: Beck Bil-Komm. 2010, § 289, Rn. 165). Werden nicht gesetzl. vorgeschriebene Angaben ge­macht, die weder dem JA noch den Pflichtangaben im Lagebericht zuzuordnen sind, so fallen diese Informationen auch nicht unter die gesetzl. Prüfungs- und Berichtspflicht des AP (vgl. Förschle/Küster, in: Beck Bil-Komm. 2010, § 322, Rn. 34). Allerdings sollten diese freiwilligen Angaben zumindest kritisch gelesen werden (vgl. IDW PS 202, Rn. 6ff.). In dem als Geschäftsbericht bezeichneten Zusammenschluss von JA, Lagebericht und freiwilligen Zusatzinformationen (vgl. Biener, H./Berneke, W. 1986, S. 276) müssen die nicht prüfungspflichtigen Informationen erkennbar vom JA und vom Lagebericht abgesetzt sein. Andernfalls sind die Zusatzinformationen als Bestandteil eines erweiterten Lageberichts zu betrachten und damit vom AP zu prüfen und in sein Testat zum Lagebericht einzubeziehen (vgl. Förschle/Küster, in: Beck Bil-Komm. 2010, § 322, Rn. 34; dahingehend IDW PS 350, Rn. 12). Werden sonstige – nicht zur Lagedarstellung erforderliche – gesetzl. Anforderungen nicht erfüllt, kann u. U. trotz dieser Unvollständigkeit ein zutreffendes Bild vermittelt werden (z. B. keine Angabe nach § 289 Abs. 2 Nr. 3, sofern die Forschung- und Entwicklungstätigkeit für das UN nicht von Bedeutung ist). Ist dies nicht der Fall, muss der Prüfer darauf eingehen (vgl. dahingehend WP-Handbuch 2006, Bd. I, Rn. Q 502; IDW PS 400, Rn. 49).

 

Rn. 48

Stand: EL 08 – ET: 10/2010

Kleine KapG (§ 267 Abs. 1) können nach § 264 Abs. 1 Satz 4 auf die Aufstellung eines Lageberichts verzichten. Wird er demnach nicht aufgestellt, entfallen im Bestätigungsvermerk die Aussagen bzgl. des Lageberichts (vgl. IDW PS 400, Rn. 43; WP-Handbuch 2006, Bd. I, Rn. Q 503). Wird er trotz des Befreiungswahlrechts aufgestellt und sind die Angaben darin ausreichend, um eine Gesamtbeurteilung treffen zu können, kann auch eine Bestätigung nach § 322 Abs. 6 erteilt werden (vgl. WP-Handbuch 2006, Bd. I, Rn. Q 503; ADS 1995, § 322, Rn. 164).

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge