Küting/Weber, Handbuch der ... / 13. Kritische Würdigung
 

Rn. 383

Stand: EL 20 – ET: 05/2015

Insgesamt zeigt sich an der Vielzahl der einzelnen Detailänderungen die Reichweite der durch das BilRUG angestoßen Reformierung. Die zentralen Änderungen betreffen hierbei die handelsrechtl. RL und Berichterstattung im EA und KA. Es zeigt sich aber eindrucksvoll, wie verzahnt die handels- und gesellschaftsrechtl. Regelungen sind, die die Bilanzierenden zu beachten haben. So erfordern die Änderungen in EA und KA zwangsläufig eine Anpassung der bislang bestehenden Vorschriften zur Abschlussprüfung, Offenlegung sowie zu den Straf- und Bußgeldvorschriften. Neben KapG sind auch Genossenschaften (die künftig von den Erleichterungen für Kleinstgenossenschaften profitieren können) sowie UN anderer Rechtsformen (hinsichtlich der im PublG vorgenommenen Anpassungen) betroffen. Dass die Spezialregelungen im GmbHG sowie AktG sowie die ergänzenden Vorschriften für Banken und Versicherungen ebenso eine Anpassung an das "neue HR" erfahren, liegt daher auf der Hand.

 

Rn. 384

Stand: EL 20 – ET: 05/2015

Nachdem das BilRUG als Ziel weitestgehend "nur" die Umsetzung der Vorgaben der EU hat und darüber hinausgehende Vorschläge, die bspw. das IDW oder das DRSC im Vorfeld hinsichtlich möglicher Anpassungen des HGB im Zuge der Umsetzung der Richtlinie 2013/34/EU geäußert haben, weitgehend unberücksichtigt lässt, dürften sich – da der Gesetzgeber für sich den Rahmen der Änderungen abgesteckt hat – die weiteren Änderungen im Gesetzgebungsverfahren in Grenzen halten. Derzeit noch bestehende redaktionelle Korrekturen werden noch erfolgen. Mit wesentlichen inhaltlichen Änderungen im weiteren Gesetzgebungsverfahren ist allerdings aus heutiger Sicht nicht zu rechnen.

 

Rn. 385

Stand: EL 20 – ET: 05/2015

Es wäre zu begrüßen, wenn der Gesetzgeber das weitere Gesetzgebungsverfahren möglichst zeitnah weiter verfolgt und umsetzt. Insbes. könnte er so frühzeitig eine Rechtssicherheit für bislang mittelgroße UN schaffen, die nach der Erhöhung der Schwellenwerte als kleine KapG einzuordnen wären. Bei diesen UN ergeben sich die weitreichendsten Erleichterungen, da mit einer Einordnung als kleine KapG die Verpflichtung zur Erstellung eines Lageberichts und die Prüfungspflicht wegfallen. Erinnert sei an dieser Stelle an die "Probleme" im Zusammenhang mit dem BilMoG als im Mai 2009 rückwirkend die erhöhten Schwellenwerte für 2008 anzuwenden waren und demnach UN, die bis März 2009 mit ihrem Abschluss "durch" sein wollten, "benachteiligt" waren im Vergleich zu den UN, die sich erst im Mai mit den Fragen ihres JA beschäftigten. Insoweit sind auch AP und Berater an dieser Stelle gut beraten, in Zweifelsfällen (wenn sich ein UN gerade zwischen den alten und neuen Schwellenwerten befindet) im Jahr 2015 etwas länger zu warten, um von den bei Inkrafttreten in 2015 rückwirkend erhöhten Schwellenwerten umfassend profitieren zu können.

 

Rn. 386

Stand: EL 20 – ET: 05/2015

Die Auswirkungen auf die AP für das GJ 2014 bei den UN, die bei einer freiwilligen vorzeitigen Anwendung der erhöhten Größenkriterien als klein zu beurteilen wären, nach bisherigen Größenklassen aber noch mittelgroß wären, ergeben sich in Abhängigkeit des Stadiums, in dem sich die Abschlussprüfung befindet (vgl. hierzu m. w. N. Zwirner, C./Kähler, M. 2015, S. 72 ff.).

 

Rn. 387

Stand: EL 20 – ET: 05/2015

Die Überarbeitung des BilRUG auf Basis des Reg-E (07.01.2015) im Vergleich zum Ref-E (28.07.2014) hat viele überrascht. Art und Umfang der Änderungen sind vielschichtig. Es bleibt zu begrüßen, dass der Gesetzgeber von der Umsetzung zahlreicher Änderungen, die durch Richtlinie 2013/34/EU möglich wären, abgesehen hat (bspw. Kodifikation des Grundsatzes der Wesentlichkeit oder der wirtschaftlichen Betrachtungsweise sowie zulässige Bewertung auf Neubewertungsbasis und eine Ausdehnung der Zeitwert-Bilanzierung). Hinsichtlich der Bewertungsvorgaben ist der deutsche Gesetzgeber damit der mit dem BilMoG bereits eingeschlagenen Linie treu geblieben. Insofern werden sich auch keine Bewertungseffekte aus der Umstellung auf das HGB in der Fassung des BilRUG (spätestens für das Geschäftsjahr 2016) ergeben. Allerdings sind zahlreiche Anpassungen in der Berichterstattung und der Abgrenzung einzelner Posten notwendig. Neue definitorische Abgrenzungen und Auswirkungen auf die Darstellung im Jahres- und Konzernabschluss mit den sich daran anschließenden Folgen verdeutlichen, dass das BilRUG mehr ist als nur eine Rechnungslegungsreform. Ebenso werden einzelne vertragliche Grundlagen an neue Kennzahlen der Rechnungslegung anzupassen sein. Gleichzeitig werden sich Controlling und Rechnungswesen einerseits, aber auch die Adressaten der RL andererseits an zum Teil neue Darstellungen in Bilanz und GuV sowie vor allem im Anhang gewöhnen müssen. Daher erfordert das BilRUG in seiner Gänze eine umfassende und intensive Auseinandersetzung mit den unternehmensspezifischen Auswirkungen.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge