Küting/Weber, Handbuch der ... / 1. Gründe für eine Erörterung
 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Die Thematik der internationalen RL ist fürwahr nicht neu. ›The dream of international standards for accounting, auditing and financial reporting has been with accountants for a long time‹ (Mueller, G. G./Walker, L. M. 1976, S. 71). Die Diskussion reicht denn auch bis an den Anfang unseres Jahrhunderts zurück. Des Weiteren hat sich die Fachliteratur kontinuierlich und ausführlich diesem Themenkreis gewidmet. Dennoch unterscheiden sich die heutigen Initiativen deutlich von den vorherigen Harmonisierungsbestrebungen. Einerseits ist eine Inflation der Organisationen, die sich mit internationaler RL beschäftigen, sowohl auf regionaler wie auf internationaler Ebene zu verzeichnen. Andererseits gewinnen die internationalen Kap.-Märkte durch die mittlerweile weltweit notwendige Generierung von EK immer mehr an Bedeutung. Diese Einflüsse machen u. E. eine Darstellung der Entwicklung der mit internationaler RL befassten Gremien und Institutionen erforderlich. Nur so können im Dschungel der internationalen RL Strukturen aufgezeigt, die Bedeutung einzelner Organisationen gegeneinander abgewogen und Entwicklungstendenzen ergründet werden. Andererseits begünstigt eine sich beständig fortentwickelnde und aktualisierende Kommunikationstechnologie die Globalisierung der Waren-, Dienstleistungs- und Kap.-Märkte und damit die zunehmende grenzüberschreitende wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Verflechtung. Sozioökonomische und kulturelle Umweltfaktoren wie Sprache, Religion, Gesellschaftsstruktur, Staatsform, Kultur usw., die das soziale, wirtschaftliche und juristische System der einzelnen Nationen prägen, verschmelzen zusehends, ohne jedoch in demselben Maß zu einer Angleichung der Systeme zu führen. Somit verbleiben die aus den Umweltbedingungen erwachsenden Unterschiede bzgl. des Rechtssystems, der Eigentumsverhältnisse, des Steuersystems, der Inflation, der UN-Strategien aber auch des Einflusses des Berufsstands der Abschlussprüfer und Abschlussersteller (vgl. zur Begriffsdefinition des Accountant HdR-E, Kap 1, Rn. 170), der Wissenschaft sowie anderer Interessenvertretungen auf die RL-Vorschriften als trennende Elemente (vgl. stellvertretend Gray, S. J. 1989, S. 292 f.; Nobes, C./Parker, R. 1995, S. 11; Hayn, S. 1997, S. 19 ff.) und bilden zugleich die Ursache für eine Auseinandersetzung mit der internationalen RL.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

›Besonderes Gewicht kommt dabei dem Wachstum des internationalen Handels, der Zunahme des Volumens grenzüberschreitender Direktinvestitionen und dem Anstieg der Bedeutung der internationalen Geld- und Kapitalmärkte sowie der aus der Bereitschaft zur weltweiten Ressourcenallokation entstandenen multinationalen Unternehmen zu‹ (Macharzina, K./Scholl, R. F. 1984, S. 229). ›Mißverständnisse, Fehlinterpretationen und Fehlentscheidungen‹ (Havermann, H. 1989, Sp. 1797) ergeben sich als Folgen formaler und materieller Normierungsdifferenzen einzelstaatlicher RL, die ihrer Informationsfunktion nur ungenügend nachkommen kann.

Die in mehreren Staaten agierenden multinationalen UN müssen diese Informationsfunktion gegenüber den diversen Adressaten ihrer externen RL in besonderem Maß erfüllen. Divergenzen der RL-Normen führen zu erhöhten Kosten der Aufbereitung und Darstellung von Abschlussdaten entspr. der jeweiligen Bilanzierungspraxis. ›Multiple sets of records and reports are needed for meeting each country's requirements. If published statements do not meet local requirements, the companies bear the cost of qualified audit opinions ... To the extent that this imposes additional capital costs, the lack of accounting agreements translates into real economic cost‹ (Daley, L. A./Mueller, G. G. 1982, S. 48). Neben den weltweiten Adressaten profitieren mithin die multinationalen UN am stärksten von einer Vereinheitlichung der RL.

 

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Stand: EL 00 – ET: 03/2004

Erste Berührungspunkte mit diesem Themenkomplex können bis zum ersten International Accountants Congress im Jahr 1904 in St. Louis zurückverfolgt werden (vgl. HdR-E, Kap 1, Rn. 170). ›Seit den dreißiger Jahren befaßt sich im angelsächsischen Sprachraum – und seit etwa zehn Jahren auch in Kontinentaleuropa (d. h. hier: seit den 1960er Jahren, d. Verf.) – die Fachwelt und in ihrem Gefolge die Wirtschaft mit dem Problem der Standardisierung und Vereinheitlichung dessen, was man nach amerikanischer Gepflogenheit die ›generally accepted accounting principles‹ nennt‹ (Perridon, L. 1974, S. 224). Eine verstärkte Auseinandersetzung mit der internationalen RL verbunden mit der Aufgabenstellung der Ableitung und Formulierung eines einheitlichen Anforderungskatalogs an die externe RL durch verschiedene zwischenstaatliche wie privatrechtliche internationale Organisationen (vgl. die Übersicht in HdR-E, Kap 1, Rn. 106) kann seit Beginn der 1950er Jahre festgestellt werden. Die bestehenden Probleme konnten allerdings von keiner Organisation bislang überzeugend gelöst werden. Ein international anerkanntes und vo...

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